Mannheim
Compact Memory

Altneuland · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Ägyptische Baumwolle
Date
1904-03-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2266000-2266001-2266005-2266304--0215-2266363
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 86 — Spinnereien, haben sich erst kürzlich gezeigt. Erfabrungsgemäss bilden aber hohe Preise der Bodenerzeugnisse den besten Ansporn für die Pflanzer zur Ausdehnung einer Kultur. Für die nächstfolgenden Jahre ist daher eine sehr erhebliche Zunahme der Weltproduktion an Baumwolle zu erwarten. Wie in Amerika, so ist auch in Aegypten die Hausse der Baumwolle von grösster wirtschaftlicher Bedeutung. Die Wirkungen derselben sind hier im Gegensatz zu dort überwiegend günstige, denn Aegypten besitzt keine nennenswerte inländische Baumwollindustrie, und die noch immer anhaltende Höhe der Preise kommt zum grössten Teile den kleinen Bauern direkt zugute. Die Tatsache, dass der ägyptische Bauer von dem Einkäufer auf dem Lande in diesem Jahre über die Hälfte mehr für seine Ernte bezahlt bekommt als in früheren Jahren, beweist, einen wie grossen Nutzen die Bevölkerung Aegyptens aus der günstigen Weltmarktskonjunktur zieht. In bezug auf die Bewertung seiner Baumwolle nimmt Aeg}^pten eine Sonderstellung unter den verschiedenen Produktionsländern ein, welche mit der Qualität seines Produktes und der Verarbeitung desselben zusammenhängt. Die ägyptische Baumwolle steht an Stapellänge, Feinheit und Spinnbarkeit der Faser nur den vorzüglichen Sea-Island-Sorten der Küsteninseln im Südosten der Union nach. Das Anbaugebiet dieser Sorten ist aber räumlich sehr beschränkt, und die relativ kleine Sea-Island-Ernte (sie erreicht kaum 10 Proz. der ägyptischen) wird alljährlich grösstenteils von den Spinnereien der Vereinigten Staaten absorbiert, denn nur weniger als die Hälfte kommt zum Export. Die amerikanische Produktion, speziell der Staaten Süd-Carolina, Georgia und Florida, an Seaslsland-Baumwolle stellte sich (unter Angabe der Exportziffern in Klammern) 1890/91 auf 68 133 Ballen (39 123), 1894/95 auf 74 628 Ballen (40 744), 1900/01 auf 81 512 Ballen (31 976). Der Bedarf der amerikanischen Fabriken an solchen langstapeligen Sorten übersteigt diese Produktion erheblich, so dass zur Befriedigung desselben jedes Jahr steigende Mengen von ägyptischer Baumwolle nach den Vereinigten Staaten von Amerika importiert werden. So belief sich der Export aus Aegypten nach dorthin (unter Angabe der Ziffern für den ägyptischen Totalexport in Klammern) in der Saison 1890/91 auf 18 790 Ballen (537 378), 1891/92 auf 25 673 Ballen (612 525), 1892/93 auf 38 545 Ballen (673 361), 1893/94 auf 29 509 Ballen (665 402), 1894/95 auf 44 550 Ballen (634 981), 1895/96 auf 59 339 Ballen (680 960), 1896/97 auf 51 056 Ballen (750 656), 1897/98 auf 54 979 Ballen (827 870), 1898/99 auf 52 235 Ballen (735 162), 1S99/1900 auf 72 196 Ballen (850 867), 1900/01 auf 57 715 Ballen (706 892), 1901/02 auf 106 565 Ballen (859 217) und 1902/03 auf 84 819 Ballen (773 892). Die europäische Industrie ist mit ihrem Konsum an feinen Baumwollsorten fast ausschliesslich auf Aegyp ten angewiesen, und es wird auch in Zukunft, falls nicht etwa später einmal in anderen neuen Produktionsgebieten bedeutende Mengen Baumwolle von ähnlicher Qualität erzeugt werden sollten, eine Aenderung in diesen Bezügen nicht eintreten. Eine bemerkenswerte Zunahme des Verbrauches der ägyptischen Baumwolle hat übrigens auch die gegenwärtig ausgiebig verwertete vorzügliche Eignung derselben zur Herstellung merzerisierter, seidenartiger Gewebe hervorgebracht. Aus den angeführten Gründen wird die ägyptische Baumwolle stets höher bezahlt als selbst die besseren amerikanischen Handelssorten, und ihre Preisbildung geht mehr oder weniger unabhängig von Amerika, entsprechend den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.