Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- [Rezension] / Soskin
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — NEUE LITERATUR. Dr. Heinrich Hilderscheid, Die Niederschlagsverhältnisse Palästinas in alter und neuer Zeit. Ztschr. des Deutschen Palästina-Vereins, Band XXV, S. 1—106 Leipzig 1902. In Kommission bei K. Baedeker. Die unendlichen Schwierigkeiten, die sich einem gewissenhaften Forscher bei dem Studium der klimatischen Verhältnisse Palästinas entgegenstellen, müssen auf den Umstand zurückgeführt werden, dass dem Lande gut organisierte und systematisch geleitete meteorologische Stationen so gut wie fehlen. Nur einzelne Beobachter haben sich im Laufe der Zeit hie und da eingefunden, um ihr Augenmerk auf diesen wesentlichen Punkt der Erforschung des Landes zu lenken. Zu diesen ältesten Beobachtern der meteorologischen Verhältnisse Palästinas gehören die englischen Aerzte Mac Gowan (Beobachtungszeit 1846—1859), Dr. Thomas Chaplin (1861—1883), der deutsche Lehrer Palmer (1847—1855), sämtlich.in Jerusalem. Die anderen Orte des Landes haben nur Beobachtungen neueren Datums aufzuweisen. Eine bedeutende Förderung haben die meteorologischen Messungen in Palästina in letzter Zeit durch den „Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas" erfahren, in dessen Auftrage der leider zu früh verstorbene Dr. Otto Kersten im Jahre 1895 eine Reihe von kleineren Stationen angelegt hatte. Die Ergebnisse dieser sämtlichen älteren und neueren Beobachtungen, die sich auf die Niederschläge beziehen, hat nun Hilderscheid in der vorliegenden Arbeit zu einem Ganzen verarbeitet, um ein Gesamtbild der Niederschlagsverhältnisse Palästinas in der Gegenwart (1. Teil) zu entwerfen. Verf. hat das gesamte Material einer strengen Sichtung unterzogen und das Glaubwürdige verwendet. Er liefert im 1. Kapitel die Geschichte der meteorologischen Beobachtungen in Palästina, ein Literaturverzeichnis über die uns interessierende Frage, und skizziert näher die Lage der einzelnen Stationen. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Prüfung des vorliegenden Niederschlagsmaterials. Verf. nimmt nun die Reduktionen der kurzen Beobachtungszeiten der neueren Stationen auf die 39 jährige Reihe von Jerusalem vor. Wenn auch diese Reduktionen bei ähnlichen Zwecken zulässig sind, so ist doch hierbei einzuwenden, dass sie nicht den absoluten Wert von genauen Aufzeichnungen für jeden gegebenen Ort besitzen. In den folgenden Kapiteln werden die auf die angegebene Weise gewonnenen Ergebnisse in ihren Teilen einzeln besprochen (jährlicher normaler Gang des Niederschlags, Tage mit Niederschlag, Regenwahrscheinlichkeit, Regenzeiten, Gesetzmässigkeiten im Wechsel der Niederschlagsverhältnisse aufeinander folgender Zeitabschnitte in Jerusalem I, Beziehungen der Regenfälle zu den Windrichtungen, zu den Temperatur- und Barometerschwankungen in Jerusalem.) Der zweite Teil behandelt die Niederschlagsverhältnisse Palästinas auf Grund der Angaben der Bibel und der Mischna. Der Vergleich der Niederschlagsverhältnisse Palästinas in der Gegenwart und in der alten Zeit gibt dem Verf. die Möglichkeit, im dritten Teil die Frage einer Aenderung des Klimas von Palästina in geschichtlicher Zeit zu behandeln. Verf. gelangt zur Schlussfolgerung, dass die Niederschlagsverhältnisse, wie überhaupt die klimatischen Verhältnisse des Landes sich nicht verändert haben. Der verwahrloste Zustand des Landes sei nicht einer wesentlichen Aenderung der natürlichen Bedingungen, sondern der traurigen Lage, in der sich das Land gegenwärtig befindet, zuzuschreiben. Bei einem gründlichen Wandel der Verhältnisse könne das heute so öde und wenig ertragreiche Land wieder im Laufe der Zeit in einen Zustand der Blüte und des Wohlstandes gebracht werden.