Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Kolonie Kastinieh [Nachricht]
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 28 — Nicht einmal die von den Hovevei-Zion von Odessa unternommene Vergrösserung des Bodenareals der Kolonie kann sie vor Verfall schützen. Sie müsste neue Kräfte von draussen erhalten, um sich weiter entwickeln zu können.*) Orangen von Pethach-Thikwah. Der vor kurzem gegründete Verein der Orangegartenbesitzer von Pethach-Thikwah soll schon 20 000 Kisten Orangen k 4 Frcs. per Kiste nach England abgeschickt haben. Bekanntlich wurde der Verein gegründet, um die Zwischenhändler bei dem Vertrieb der Orangen zu vermeiden. In Rechowoth wurde eine Winzer-Genossenschaft gegründet. Jeder Anteil beträgt 600 Frcs. und verpflichtet den Besitzer zu einer Lieferung von 25 Kantar (ä 300 kg) Trauben in die Kellereien der Genossenschaft. Es sind 20 Anteile ausgegeben worden und demnach werden 500 Kantar verarbeitet werden. Die Leitung liegt in den Händen von drei Direktoren. Winzer-Verein in Rischon-Lezion. 30 Winzer von Rischon-Lezion gründeten einen Verein, der den Zweck hat, einige an die Kolonie angrenzende Grundstücke zu erwerben. Dadurch wird eine Vergrösserung der Anpflanzungen ermöglicht werden. II. Brasilien. Die neuen brasilianischen Kolonien der Jewish Colonization Association. Das Pariser Komitee der J. C. A. hat vor einiger Zeit den gewesenen Administrator einiger argentinischer Kolonien, Herrn Lapin, nach Brasilien entsendet, um dort die Bedingungen für eine erfolgreiche Kolonisation zu studieren. Herr Lapin hat nun seine Forschungsreise beendet und dem Komitee ein ausführliches Projekt für die Besiedelung der Provinz Rio Grande do Sul vorgelegt. Zunächst wird die Ansiedelung solcher Personen beabsichtigt, welche sich schon mit Bodenkultur beschäftigt haben. Jeder Kolonist erhält 25 ha Land und die erforderlichen Gerätschaften. Für all dies haben die Kolonisten, wie „Wos'chod" meldet, nicht mehr als 2000 Franks zu bezahlen, welche in zehn Jahren rückzahlbar sind. Zum Chefadministrator des neuen Unternehmens ist Herr Lapin ausersehen. Wir werden anlässlich der Besprechung des Jahresberichtes der J. C. A. auf diese Kolonisation näher eingehen. Die Deutsche Zeitung in Säo Paulo meldet hierzu folgendes: Der brasilianische Verkehrsminister willigte auf Antrag der Pachtgesellschaft der Bahn von Porto Alegre nach Uruguay in die provisorische Herabsetzung um 50 °/0 der Passage- und Gepäcktarife für die von der Associacäo Colonisadora Israelita (J C. A.) im Staate anzusiedelnden Kolonisten. Genannte Gesellschaft, welche bereits auf der Serra do Pinhal und an der E. F. Santa Maria do Uruguay zwei Leguas Land erwarb, die in Lose zerlegt werden sollen, beabsichtigt ihre kolonisatorische Tätigkeit auch auf andere Staaten auszudehnen. Die ersten Kolonisten, 50 Familien, werden, im Mai 1904 eintreffen. Der Union, beziehungsweise dem Staate erwachsen aus dieser Einwanderung keinerlei Unkosten. ■) Die Kolonie Kastinie ist ein warnendes Beispiel, wie verhängnisvoll eine Kolonisierung ohne vorherige gründliche Kenntnis der rationellen Kultivierung des Bodens weiden kann. Wir werden uns nach Erhalt einer genauen Schilderung der Verhältnisse der Kolonien seitens unserer Berichterstatter darüber äussern. D. Red.