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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 127

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
Date
1892-01-01
Page
Seite 127 (sequence 2)
Language
German
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Silberstein: Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls. 127 immerhin gestaltete er sich, abgesehen von der finanziellen Belastung, die meist den Armen traf, zu einer geradezu entehrenden Abgabe, die den, der sie entrichten mußte, aufs Tiefste herabwürdigte. Bot doch der Judenleibzoll, der an den zahlreichen Grenzpfählen erhoben ward, die beste Gelegenheit, die Zollpflichtigen als Parias zu behandeln. Denn mit wahrem Hohne wurden wandernde Juden durch diesen Zoll Sachen und Thieren gleichgestellt und in den Zollrollen mitten unter den Letzteren aufgeführt. Einige größere Staaten hatten den Leibzoll zwar schon im vorigen Jahrhundert beseitigt. So Bayern, das ihn im Jahre 1744 und, nachdem er wieder eingeführt, 1799 abgeschafft; Oesterreich, das ihn in Folge des Toleranzedikts in den Jahren 1781 und 1782 unter Kaiser Joseph II. aufgehoben; Preußen, dessen König Friedrich Wilhelm II. ihn, in Folge eines Gesuchs der Borsteher der israelitischen Gemeinde in Berlin, im Jahre 1787 erließ, damit, wie es im Edikte des Königs hieß, die Israeliten mehr von einer Erniedrigung, als von einer lästigen Schätzung frei würden^). Aber in einem großen Theile Mittel- und Westdeutschlands, an den Ufern des Main und des Rhein war man noch weit entfernt, an eine Aufhebung des entwürdigenden Leibzolls zu denken. Dort, wo zahlreiche kleine deutsche Fürsten über Territorien herrschten, die oft nur wenige Quadratmeilen Landes umfaßten, wo daher Grenzpfähle neben Grenzpfählen, Schlagbäume neben Schlagbäumen sich emporrichteten, an denen der Leibzoll, meist mit brutaler Strenge, eingefordert ward, war derselbe für die Juden die drückendste Fessel, nach deren Lösung sie mit heißer Sehnsucht ausschauten. Ist es da zu verwundern, daß in Manchem, in dem die allgemeine Roth einen lauten Widerhall gefunden, der Gedanke aufstieg, sich zum Retter und Befreier der so lange Geschmähten und Bedrückten zu erheben und sie aus dem unwürdigen Zustande, in dem sie schmachteten, zu erlösen? Hatte sich doch in Folge der neuen Ideen, die die französische Revolution in die breiten Schichten des Volks getragen, auch in den so lange geknechteten und mißhandelten Juden eine Umwandlung des Empfindens und Denkens vollzogen, zumal da sich auch der französische General-Kommissär in den rheinischen Departements, Jollivet, durch Schreiben an die französischen Geschäftsträger bei den deutschen Höfen lebhaft für die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland verwendete und hiermit die Erklärung verband, er werde in keinem Falle dulden, daß französische Bürger israelitischen Glaubens durch den Leibzoll zum Thiere herabgewürdigt werden. ') Friedrich Wilhelm II. sprach sich mißbilligend über seine Räche aus, daß diese ihn nicht früher auf diese unwürdige Abgabe aufmerksam gemacht hätten.

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