Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- In eigner Sache
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
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Nachrichten. 109 tüchtigen Namen erworben hat, für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte — und nur auf die Kenntniß dieser kommt es hier an — aber keine selbstständigen Studien gemacht hat, so gönne ich ihm diesen billigen Triumph. Die Kampfesweise aber, die ihm und den Rittern seines Schlages eigenthümlich ist, beweist G. auch in diesem Falle dadurch, daß er nur einzelne herausgerissene Stellen Stracks anführt, wohlweislich aber verschweigt, daß Str. im Theol. Literaturbl. 1885 Nro. 10 fast wörtlich dasselbe (über einen früheren Band des G'schen Werkes) gesagt hat, wie ich. Stracks Worte lauten: „Verf. stellt die Geschichte der Juden nicht objectiv dar, sondern als Apologet der Juden". Str. führt serner eine große Zahl Beispiele an „für die Behauptung, daß die Darstellung zu gunsten der Juden gefärbt". — Diese ganze Besprechung unterschlägt Güdemann einfach, während er aus den anderen jedes Löbchen und jede Billigung begierig herausklaubt. Während die Einzelheiten der Güdemannschen Replik eine Widerlegung keineswegs nöthig machen, verdient einer seiner Sätze eineFestnagelung. G. druckt meinen Passus über den Beruf des Geschichtschreibers der Juden (S. 387 „Speciell" bis „Gegner") ab und ist, wie ich mir von vornherein denken konnte, damit nicht einverstanden. Aber er fügt einer kurzen abfälligen Bemerkung den Satz hinzu: „Aber das weiß ich, daß Geiger ein Erforderniß des jüdischen Geschichtschreibers ausgelassen hat, nämlich, daß derselbe Jude sei". Dieses Geständniß wollte ich nur hören. Also Stobbe war kein Geschichtschreiber der Juden, denn er war kein Jude; Cornelius, Kampschulte durften nicht über Protestantismus reden, denn sie waren Katholiken, Macaulay nicht über preußische, Ranke nicht über englische, französische Geschichte, sie hätten alle erst, nach Güdemanns Recept, den Glauben und die Nationalität derjenigen annehmen müssen, über welche sie zu schreiben gedachten. Die Consequenzen seines Satzes macht sich G. natürlich nicht klar. Wenn über Geschichte der Juden nur der Jude schreiben könnte, dann über nichtjüdische Geschichte auch nur der Nichtjude. G. negirt damit einfach unsere, der jüdischen Gelehrten, Thätigkeit auf deutschen Universitäten und in der deutschen Wissenschaft. Er und feine Leute, die gegen uns den frivolen Vorwurf zu erheben wagen, daß wir dem Antisemitismus in die Hände arbeiten, find in ihren Anschauungen genau so beschränkt, wie die Vertreter der letztern Richtung, denen sie so unendlich überlegen zu sein sich rühmen. Wenn es irgend eines Beweises bedurft hätte, — für den Verständigen bedurste es dessen freilich nicht — daß Güdemann und seine Anhänger keine Ahnung von dem Wesen des Geschichtschreibers befitzen, sondern daß sie blos Theologen sind und sich von theologischen Anschauungen und Einseitigkeiten nicht losmachen können, so hätte G. ihn durch diesen seinen Satz geliefert. Für die urtheilslosen Leser des jüdischen Literaturblattes und ähnlicher Organe mögen diese Herren ruhig die Heroen bleiben, glücklicherweise richtet sich das Urtheil der Nachwelt nicht nach dem Zeugnisse dieses Hausteins. Einen ganz besonderen Trumpf meint Güdemann endlich gegen mich auszuspielen, indem er meinen Ansichten über jüdische Geschichtschreibung diejenigen meines Vaters entgegenhält. Darauf habe ich zu erklären, daß ich die Pietät für meinen Vater, dessen Andenken und Wirken ich hoch und heilig halte — wahrlich heiliger als die Zeloten, die sich nun als seine Retter auf-