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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Juden in Mainz während Custines Besitzergreifung
Date
1890-01-01
Page
Seite 95 (sequence 1)
Language
German
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Miscellen. 95 K. Juden in Main; während Custines Sesitzergreifung. In einem Bändchen meiner Bibliothek, sechs kleine Schriften über Custine und Mainz enthaltend (1793 und 1794), das mir erst nachträglich, nachdem ich Kracauers Mittheiluugen oben III S. 284 ff. gelesen und zur Aufnahme bestimmt hatte, wieder zur Hand kam, finden sich ein paar Notizen, die zur Ergänzung jener Mittheilungen hier schicklich einen Platz erhalten mögen. In der ersten Schrift: „Custines Zeugenverhör" (Nöttingen 1794) dreht es sich in erster Linie um Custines Verhalten in Mainz, doch wird auch gelegentlich der Zustände in Frankfurt vor der Eroberung der Stadt durch die Preußen gedacht; von den Juden ist jedoch dabei nicht die Rede. Einmal, in dem Zeugenverhör Reubels bei Gelegenheit der Verproviantirung von Mainz kommt etwas von Juden vor, wo dieselben eine etwas zweideutige Rolle zu spielen scheinen. Es heißt nämlich (S. 45): „Juden boten sich zur Lieferung dieser allgemeinen Verproviantirung an. Viele setzten sich dagegen, daß dieses einem einzigen Individuum überlassen werden sollte. Man wünschte z. B., daß derjenige, der Wein, Essig u. s. w. liefern könnte, eben so gut das Recht hätte, unter den Bewerbern um die Lieferung mit aufzutreten, als ein anderer, der dieses oder jenes liefern wollte. Die Juden, welche eine Ccmpagnie oder Societät ausmachten, wollten nichts von dieser Einrichtung wissen, über dieses streiften die Preußen schon in der Gegend, und eine von den Clauseln der allgemeinen Lieferung, auf welcher die Juden hartnäckig bestanden, war, daß die Ochsen, der Wein, Branntwein u. s. w., die angekauft und für die Stadt Mainz bestimmt wären, wenn sie von den Feinden weggenommen würden, eben so gut bezahlt werden sollten, als ob sie richtig eingetroffen wären. Wir glaubten, daß diese Herren Spekulanten nicht ermangeln würden sich fangen zu lassen, und das Vergnügen zu haben, ihre Sachen zum zwehtenmal zu verkaufen, und diese Bemerkung war Schuld, daß der Handel, der geschlossen werden sollte, nicht abgeschlossen wurde." An diese Notiz schließen sich ein paar andere. Die kleine höchstwahrscheinlich von der antirevolutionären Partei zusammengestellte Schrift: „Das Mainzer Rothe Buch oder Verzeichniß aller Mitglieder des Jakobiner-Klubs in Mainz. Im zweiten Jahr der Freiheit, 1793" zählt auch drei Juden auf und zwar „Baer, ein Jude, Maas (Nachen) Jude, Seligmann, ein Jude" (S. 3. 9. 14). Einer der drei Genannten, Maas, muß in jenem kurzen Revolutionstraum zu Mainz eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Wenigstens wird er unter den Personen des Stückes: „Die Patrioten in Deutschland oder der Teufel ist los. Eine komi-tragische Farce aufgeführt auf dem Mainzer Nationaltheater. Mainz im 2. Jahre der Republik" aufgeführt. Doch tritt er darin nicht redend auf; er wird auch von keiner anderen der vorkommenden Personen charakterisirt.

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