Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein jüdischdeutsches Lied des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 1)
- Language
- German
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92 Miscellen. 3. Ein jüdischdeutsches Lied des 17. Jahrhunderts. Mtgetheilt von I. Bolte. Die nachfolgende Dichtung, die man „Liebeswerbung" betiteln könnte, begegnet in einer Sammlung deutscher Volkslieder: „Tugendhaffter Jungfrauen und Jungengesellen Zeit Vertreiber ... Durch Hilarium Lustig von Freudentbal" o. O. n. I. jum 1690Z 8«. als Nro. 124. Exemplar in Berlin, Ad 5111, beschrieben von G. H. v. Meusebach im Serapeum 1870, 151. Das Lied erscheint ferner in der wenig späteren Sammlung: „Gantz neuer Hans guck in die Welt" IMrnbergZ I. I. Felseckers Erben o. I. 8° (Berlin, Ad 5116) Nr. 30. Die Schreibung des Originals ist beibehalten; einzelne wenige Abkürzungen sind aufgelöst. 1. Es gieng einmal ein junger Held also vexiret in dem Feld, so gar verirret in seiner ^>ach, wo er möcht finden sein Haußgemach an dem Abend. 2. Ach Gott! wie bin ich so ein vexierter Mann, daß ich mir selber nicht rathen kan, wo ich mich hinkehr oder wende, bin ich allein und gar elende an dem Abend. 3. Der Mensch ist sonder Hülfj und Rath, der nicht hat ein ewige Stadt, als unsere Schrifft angezeiget hat, es nicht gut zu seyu ein Mensch allein an dem Abend. 4. Ich ruff dich, Gott! von Hertzengrund, laß mich erleben dieselbige Stund, daß du anhörest mein Gebet, als unser Vatter Jtzig thät wol an dem Abend. 5. Da ihm begegnet die Riffle^) zart, die ihm zu eim Weib gegeben ward, sie erfreuet mit ihr in seiner Mutter Haus, sein Trauren war bald aus an dem Abend. 6. Er hatte sie lieb, er hatte sie Werth, dann sie war ihm von GOtt beschehrt. HErr GOtt! gib mir das Glück, desgleichen mir auch jetzund schick, an dem Abend. 7. Es begegnet ihm zur selbigen Fahrt, ein Iungfräulein, war also zart, er sprach: Gott grüß euch Iungfräulein, was schafft ihr hier allein an dem Abend? 8. War mir euer Sinn und Hertz bekant, ich geb euch hier mein Treu zu Pfand, wann ihr euch mit mir wolt verloben, mein Hausgmach wolt ich mit euch haben, an dem Abend. 9. Sie sprach: Ihr seyd ein ehrlicher Mann, die Jugend ist noch mit mir daran, daß ich mich soll begeben in ehlichen Stand, dar bin ich noch nicht bereit an dem Abend. 10. Allezeit müste ich instahn, müste seyn unterthan meinem Mann und Kinder gebähren mit Schmertzen, das nehm ich mir gar zu Hertzen, an dem Abend. 11. Nun bin ich ja meines Lebens frey, Hab mein Sinn und Witz auch dabey, Vatter- und Mutter-Zorn wäret nicht lang, es ist nur ein Übergang an dem Abend. 12. Ach Fräulein! wie seyd ihr so weiß, gieng doch euer Mutter über greiß, mit der habt ihr euer Heimlichkeit, mit mir habt ihr Wohnung und Freud, an dem Abend. ') Rebekka.