Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 28)
- Language
- German
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328 Breßlau: Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber. Demnach haben die Rothenburger auch diesmal ihre gesammte Judenschaft, Männer und Weiber, gefangen gesetzt und unter der Beschuldigung irgend einer imaginären Missethat die Wehrlosen zu „gütlicher und williglicher" Abtretung ihres halben Vermögens, einschließlich ihrer ausstehenden Forderungen gezwungen Die Gefangennahme von 1414, von der wir oben gesprochen haben, erfolgte um den Forderungen des Königs Genüge zu thun. Schon vorher aber haben in demselben Jahre die Rothenburger Juden dem Rathe eine außerordentliche Kriegssteuergezahlt. Der Betrag derselben ist nicht sehr groß, und wir erfahren nichts von Zwangsmaßregeln, die zu ihrer Eintreibung erforderlich gewesen wären. Die Steuerliste hat sich erhalten ^) und giebt eine Uebersicht über den Bestand der Gemeinde. Es haben danach gezahlt: Salman von Gelnhausen und Berman (von München) je 20 Gulden, Meher (von Kitzing) und Menlin je 15 Gulden, Michel von der Neustadt (für sich und seine Mutter) je 12 Gulden, Samuel, Liebhun und Michel von Weil je 10 Gulden, Joseph Salmans Eidam 7 Gulden, Beifelin von Weißenburg und Gottschalk von Bamberg je 6 Gulden, Salmans von Gelnhausen Schwieger 4 Gulden und Ellgast Salmans Sohn 3 Gulden, im ganzen also vierzehn Steuerzahler 150 Gulden. Außerdem hat Abraham von Ulm versprochen in einem halben Jahre 3 Gulden zu zahlen und Ellin von Forchheim wahrscheinlich nachträglich 2 Gulden entrichtet. Verzeichnet sind noch die folgenden Namen, ohne daß eine Zahlung dabei notirt wäre: Mercklin von Heilbronn, Wolfflin Veyfelins Bruder, Mosse von Köln Schulmeister, die alte Salmonin und die alte Leserin, so daß wir im ganzen auf 21 Steuerpflichtige kämen. Vergleichen wir diese Liste mit der oben mitgetheilten der Reichssteuer vom Herbst desselben Jahres, so tritt in sehr auffallender Weise die Ungleichmäßigkeit dieser willkürlichen Judenbesteuerung zu Tage. Die folgende Tabelle giebt in Procenten den jeweils gezahlten Betrag. (oben n. 33, dort Mosse von Karlstadt, entweder — Mosse von Windsheim oder Mosse der Schulklopfer) n. 15 (oben n. 1 Veyfel, wohl Wyflin von Uffenheim), n. 17 (oben n. 3, Guttag der Lehrmeister), n. 18 (oben n. 4) ist Isaac von Jagsperg n. 19 (oben n. 7) ist Salman. Q. 14 ist Salman Bolpp. 2 Iudah wird Leo von Wurnitz sein, n. 6 Samuel ist wohl Bischof; n. 1 Eliakim ist Gottschalk Gans. Die Identification der übrigen Namen überlasse ich Kundigeren.!) Auch diesmal find auch fremde Juden von der Maßregel betroffen worden. Am 26. Sept. 1401 verwenden sich die Ritter Brüder von Nordeck beim Rath wegen eines ihnen gehörigen Juden und danken demselben mittels eines zweiten Schreibens vom gleichen Datum für dessen Freilassung aus dem Gefängnis, indem sie auf jede Vergütung für das, was der Rath ihm genommen habe, verzichten, f. 37 und 38 unseres Bandes. — Zu den bei dieser Gelegenheit in den Besitz des Rathes gekommenen Judenurkunden wird ein Schuldbrief des Wyprecht von Tannen für Gotschalk von Rothenburg vom Jahre 1400 (f. 33) gehören. 2) Es mag sich um einen nachträglichen Beitrag zu den Kosten der Birken - bachischen Fehde (1411—13; vgl. Wintersbach S. 84 f. Bensen S. 214) handeln. 5) f. 83. Ueberschrist: anno äomini Xllllo anno äeeimo guarto am Montag nach Kiliani (Juli 9) haben uns die Juden an unserm Kriege zu Steuer geben, als hernach geschrieben steht. 4) Dabei ist Salman von Gelnhausen als identisch mit Salman von Würzburg angenommen, und die nachgetragenen 20 fl. (oben S. 311, A. 4) sind nicht gerechnet.