Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 295

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Zu Goethe und die Juden
Date
1889-01-01
Page
Seite 295 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2259275-2259329-2259332-2264009--1250-2264222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nachträge und Berichtigungen. 295 Zu S. 333. Ueber die Stellung der Juden in Weimar zur Zeit Goethes ist nachzutragen, daß durch eine herzogliche Verfügung vom 29. Nov. 1811 der Judenleibzoll für alle auswärtigen Juden aufgehoben wurde. Anregung zu dieser Verfügung hatte das israelitische Consistorium in Cassel gegeben, auf dessen Bitte sich das westphälische Ministerium an den Herzog gewendet hatte. Zu S. 340 fg. In Goethes Gedicht „Abschied an den Herzog" Karlsbad 1786 kommt die Stelle vor: „Es freut sich nicht der Jud allein" (über des Herzogs Milde). Minor, der das Gedicht neuerdings abgedruckt hat (Grenzboten, 1889 Nr. 7, S. 316), merkt dazu an (Goethe an Frau von Stein II, 336) „Jmhof hat den famosen Juden sehr, die schöne Gräfin ^Lanthieri^ weniger glücklich gemalt". 2. Zu „Die Juden und die deutsche Lit. des 16. Jahrh.". Zu Bd. II, S. 309 fg. Eine sehr dankenswerthe Ergänzung bietet folgende eben erschienene Publikation: „Sterneberch, Van den boseu joden volget hyr ehe gheschicht / dar to van den sulven eye merklik ghedycht. Niederdeutscher Druck von Matthäus Brandis in Lübeck um 1492. Photolitographische Reproduction des einzigen bekannten Exemplares aus der Julius Krone'schen Sammlung". Wien 1889 Antiquariat Gilhofer und Ranschburg. 4 Bll. in 4". Die Schrift war bisher den Bibliographen gänzlich unbekannt; ihre Vervielfältigung ist daher sehr dankenswerth. Sie ist die älteste Darstellung des Sternberger Vorfalls und, wie der Herausgeber vr. F. M. wahrscheinlich macht, von Nikolaus Marschalk benutzt. (Eine oberdeutsche fast gleichzeitige Darstellung desselben Vorfalls, welche der Herausgeber erwähnt, ist mir nicht bekannt geworden.) Unser Schriftchen hat auf der ersten Seite ein fast blattgroßes Bild, das links mehrere um einen Tisch stehende, mit der Zerspaltung einer Hostie beschäftigte, rechts einige an einem mit Tellern und Krügen bedeckten Tisch sitzende, aber nicht essende Juden darstellt. Die Erzählung entspricht der von Marschalk gegebenen, nur daß in derselben die Frau des Juden Eleazar eine größere Rolle spielt, als bei der von dem Humanisten formulirten Darstellung. Das Bekenntniß aller Einzelnen wird ausführlich mitgetheilt, die Namen aller Bekennenden werden genannt, die Exemtion wird kurz erzählt. Literarisch am merkwürdigsten ist ein Gedicht, das der Erzählung folgt. Es ist aus abwechselnden lateinischen und niederdeutschen Versen zusammengesetzt und beginnt so: Humana meng eonfunältur Dorch greselike geschefte. Lensusyue Hui odtenäitur Oor nietet et eoneutitur Ok wandelt sik de krefte. In kaetis actis Lteinekarek Nu kort in dessen thden k'ae Okriste tui Hominis Nemoriam per komiuLs Betrachten dyn svare lydent.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.