Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Chanucka-Schriftchen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 Miscellen. feine Eltern am ersten Chanuckah-Abend zu machen Pflegten, „nehmlich geräuchert Hammel-Fleisch von dem Vordertheil des Ribbe-Spehr, nebst Erbsen und ein gut Theil Knoblauch darinn". Die Sitte, daß die Kinder über die Chanuckalichter hinübersprängen, die er als Knabe nicht verstanden, komme, wie er jetzt (S. 10) meint, davon, „weil vormahls einige Ebräer auch ihre Kinder sowol den Götzen Moloch ausopferten, als auch durchs Feuer gehen ließen"! Den Schluß des Schriftchens macht eine deutsche, aber mit lateinischen Versen gemengte „Nach- oder Anrede an die getauften Juden", in welcher er dieselben zum treuen Festhalten an dem neuangenommenen Glauben ermahnt. L. G. Zu dem Schriftenkampf für und wider die Juden 18V3. In meiner „Geschichte der Juden in Berlin" Bd. II, 1871, S. 301—319 habe ich den Schriftenkampf dargestellt, der namentlich in Berlin, aber auch anderwärts wider die Juden tobte, ein Kampf, in welchem hauptsächlich Grattenauer gegen und Coßmann für die Juden eintrat. Der Streit wurde, wie a. a. O. gezeigt worden ist, angefacht durch eine lateinische Schrift Paalzows, die bald ins Deutsche übersetzt wurde. Die Behörden mischten sich ein und geboten Stillschweigen. Doch versuchten Einige dem Befehle zuwiderzuhandeln. Ein solcher Versuch wird durch ein mir vorliegendes interessantes Blatt bezeugt. Es ist überschrieben: „In die Donnerstagszeitung vom 20. Sept." (1803) und lautet: „So eben ist erschienen und in der Buchhandlung des Wahsenhauses (Poststr. Nr. 27) und in allen hiesigen Buchhandlungen zu haben: „Christian Ludwig Paalzow, über das Bürgerrecht der Juden, Aus dem Lateinischen übersetzt und mit Anmerkungen von einem Juden. Nebst Vorrede und einer Dedication an den Verfasser der Schrift: Wider die Juden. Preis 12 Groschen." Diese Schrift über einen in der neuesten Tagsgeschichte so interessant gewordenen Gegenstand zeichnet sich durch Scharfsinn, Gelehrkamkeit und Kaltblütigkeit weit vor den neuesten Flugschriften über, wider und für die Juden aus. Kalt und leidenschaftslos, wiewohl streng prüft der Verfasser alles was sich für und wider die Sache ohne Oberflächlichkeit, Prahlsucht und Animosität sagen läßt und wenn gleich das Resultat eben nicht zu Gunsten der Juden ausfällt, so fühlt doch gewiß jeder Leser, daß es dem Verfasser blos um Wahrheit, nicht darum zu thun war, anderen wehe zu thun. Zugleich enthält diese Schrift eine interessante Darstellung der Schicksale, Freuden und Leiden der Juden in allen Theilen der Welt. Die Übersetzung liest sich angenehm und hat das Verdienst, daß sie treu ist. Den Werth der größtenteils polemischen Anmerkungen sowie die Tendenz der Vorrede und der Dedication überläßt man dem Urtheil und dem Scharfsinn der Leser."