Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdisch-deutsche Lieder aus dem 17. Jahrhundert
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 5)
- Language
- German
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82 MLscellen. Die beiden vorstehenden Lieder finden sich in einer Sammlung volksthümlicher Lieder, die den Titel führt: Gantz neuer Hans guck in die Welt / Das ist: Neu-vermehrte weltliche Lust-Kammer / In welcher mehr als siebenzig ausbündige neulichst ersonnene artige Schäffereh- Welt- Spaß- Vexir-Täntz und andere kurtzweilige Lieder beysammen getragen zu finden. Allen bescheidenen Jungengesellen und züchtigen Jungfrauen bequemer Zeit und Gelegenheit ehrlichen Gemüts - Belustigung erlaubet zu gebrauchen. (Holzschnitt ein Mann und eine Jungfrau sitzend sich die Hand drückend, auf den Händen zwei schnäbelnde Tauben.) Anjetzo mit vielen Neuen Liedern vermehret worden. Zu finden bey Joh. Jon. Felseckers sel. Erben, o. O. u. I. Dieses Liederbüchlein, von dem mir nur ein Exemplar, und zwar das aus Meusebachs Sammlung stammende nun auf der Königl. Bibliothek in Berlin aufbewahrte — leider unvollständige — bekannt wurde, ist nach dem Namen der Verleger zu schließen in Nürnberg ausgegeben worden. Sein Erscheinen fällt, wie die Auswahl der Lieder, Sprache und die äußere Form der Sammlung als unzweifelhaft ergeben, in das dritte Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Bemerkungen des Titels: „Gantz neuer" oder „Neu-vermehrt" sind bedeutungslose buchhändlerische Phrasen, die in jener Zeit durchaus nicht das Vorhandensein einer früheren Ausgabe beweisen können. Die Lieder sind, wie schon der Titel angiebt, Brautlieder. Religiöse Vorschrift oder altes Herkommen verlangt, daß der Braut in feierlicher Weise vor der Hochzeit das Haar abgeschnitten werde, und diese Lieder mögen beim auflösen des zu opfernden Haarschmuckes gesungen worden sein. Ob diese beiden Lieder in ihrer Originalgestalt vorliegen oder Übersetzungen aus dem Hebräischen sind, kann ich nicht feststellen, der unrythmische Charakter der Verse spricht fürs letztere. Der Refrain im ersten Liede soll sich wörtlich an den hebräischer Dichtungen anlehnen. — Rätselhaft bleibt es, wie diese doch ausschließlich jüdischen Zwecken dienenden, poetisch so bedeutungslosen Gedichte in eine deutsche Sammlung volkstümlicher Lieder geraten sind. III. In Johann Fridrich Rothmanns Poetik, betitelt „Lustiger Poete / worinn die vornehmsten Reguln der Poesie mit allerhand lustigen Exempeln / der angehenden Jugend zu mehrer Aufmunterung zur Poesie; Andern aber zu einem kurtzweiligen Zeit-Vertreib / erläutert / zusammen getragen / und mit einem vollständigen Register versehen. Gedruckt im Jahr NVMXI" findet sich im V. Capitel „von der Elaboratione Carminis" Z 2 S. III nach dem Abdrucke eines Gedichtes des Andreas Gryphius „so er zu Lobe der teutschen Arianen verfertiget" folgende Stelle: „Bei welchem Gedicht mir eben einfällt / dasjenige / womit vormahls die Jüden / die teutsche Version ihres Ritual-Buches / mit Teutsch-Ebräischen Buchstaben / zu Amsterdam gedruckt / öffentlich recommandieret. Es klinget aber solches also: