Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Erklärung einer Stelle im "Narrenschiff"
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259331-2263840--0974-2263938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Miscellen. 65 will mit Berufung auf folgende Worte Geilers von Kaisersperz: Huiä taväsln äs maritelZis Hui LrvbrÜL ^uäaieis in ora eoruväew sunt votati per omvia sivm1e8 äepietis ^uäaeoruw vsstibus, die Stelle auf die jüdischen Mäntel deuten und findet einen Belag für seine Ansicht in der von ihm mitgetheilten Beschreibung des Mantels des R. Jsserlein; D. Kaufmann endlich sieht des Räthsels Lösung in dem Worte Lmbriis und deutet die „jüdische Sitte" auf die herabhängenden Schaufäden des jüdischen Talith. Von der UnHaltbarkeit aller dieser Ansichten und Erklärungsversuche kann man sich überzeugen, wenn man das Titelbild des betreffenden Capitels (außer den Originalausgaben, s. die Nachbildung in Simrocks Ausg., Berlin 1872, S. 7) ansieht. Da ist in der Kleidung des Junkers, der mit dem bisher unerklärten Namen Uli von Stauffen bezeichnet ist, nichts von faltigen Röcken oder Mänteln oder herabhängenden Schaufäden zu sehen. Der gesperrt gedruckte Bers bezieht sich aber auch gar nicht auf ein Kleidungsstück, etwa die Mäntel, sondern auf die Kleidung überhaupt. Das Capitel ist überschrieben „von neuen funden" (Moden); es geißelt das Neumodische, das Seltsame, Ausländische, Prächtige. „Jüdische Sitte" bedeutet bei Braut daher nichts anderes, als das Fremde, das Alamodische, wie ein Satiriker des 17., das Wälsche wie ein Strafredner des 18. Jahrhunderts gesagt haben würde. Keinesfalls bezieht es sich auf die Nachahmung eines einzelnen Kleidungsstückes, gewiß nicht wie Kaufmann meint auf die Art, wie die Juden in ihre Synagogen zu gehen pflegten, sondern etwa wie sie sich an Feiertagen auf der Straße zeigten. L. G. Joselmann von Nosheim und seine Nachkommen. Von Moritz Stern. Zur Geschichte Joselmanns von Rosheim sind in letzter Zeit verschiedene schätzenswerte Beiträge veröffentlicht worden, die mancher Irrtümer ^) nicht entbehren und sich fast nach allen Richtungen hin erweitern und vervollständigen lassen. Unter den jüngsten ^) Erscheinungen ist der Druck des Joselmannschen Tagebuches die wertvollste. Leider konnte infolge der schlechten t) So druckt, um nur eins hervorzuheben. Scheid, Lkstoii-s des ^uiis ä'^Isaee, S. 381 in einer Urkunde: ein krorrnver man und eins Zuten laindäeiis und erklärt es — „Talmudist". Vgl. auch Loeb (kevue äes etuäes Huives V, 101): et uri dori'ta1rQu6ist6; es muß natürlich heißen: unä eins Anten leumdäens (— eines guten Leumunds). ") Die letzte Veröffentlichung Krakauers, ein Abdruck von Aussagen der im Endinger Blutbeschuldigungsprozeffe Angeklagten (Kevus XVI, 237 t7.) beruht aus Unkenntnis der gleichen durch G. Wolfram besorgten Abdrücke in Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins, Neue Folge, Bd. II, 313 ff. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 5