Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bericht über die dritte Plenarversammlung der historischen Commission für Geschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Nachrichten. O. Stobbe, R. M. Werner und G. Wolf. Vom zweiten Bande ist das erste Heft erschienen. Zu den der Historischen Commission gewährten im vorigen Jahresberichte erwähnten Subventionen seitens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der Shnagogengemeinden zu Berlin, Frankfurt a. Main und Hannover, sowie der Arthur und Emil K'önigswarter'schen Studien- und Stipendienstiftung in Frankfurt a. Main sind im Laufe des Berichtsjahrs Beiträge der Gemeinden zu Köln und Nürnberg hinzugetreten; die Historische Commission spricht für alle diese Zuwendungen ihren warmen Dank aus. Die Fortgewährung dieser Subventionen, welche die Commission erhofft, wird die Vollendung der bisher begonnenen Arbeiten ermöglichen; wenn aber noch neue Unternehmungen — und an wissenschaftlich Werthvollen Aufgaben fehlt es nicht — in Angriff genommen werden sollen, wird es erforderlich sein, daß noch andere größere Gemeinden Deutschlands sich dem Beispiel der oben genannten anschließen. Daß durch Unterstützung der Unternehmungen der Historischen Commission echt wissenschaftliche Arbeit gefördert und damit der Geschichte der deutschen Juden ein Dienst erwiesen wird, dessen dürfen die beitragenden Gemeinden und Corporationen versichert sein. Jakob Auerbach ist am 30. Okt. 1887 in Frankfurt a. M. gestorben. Er war am 24. Nov. in Emmendingen geboren. Zwei Männer, denen er als Knabe und Jüngling nahe trat und denen er bis zum Ende ihres Lebens treulichst verbunden blieb, hatten auf seine geistige Entwicklung mächtig eingewirkt: Abraham Geiger und Berthold Auerbach. Dem Erstern errichtete er ein Denkmal durch eine knappe aber das Bedeutsame scharf und klar hervorhebende Lebensbeschreibung (Allg. deutsche Biogr. Bd. VIII, S. 786—793), dem Letztern durch pietätvolle Veröffentlichung einer feinsinnig ausgewählten, ein halbes Jahrhundert umspannenden Briefsammlung, der reichlichsten und lautersten Quelle einer künftigen Biographie des trefflichen Volksdichters (B. Auerbach. Briefe an seinen Freund Jakob Auerbach. Ein biographisches Denkmal. Franks, a. Main, Rütten u. Loening, 2 Bände 1884). Seinen beiden Freunden war er nicht völlig ebenbürtig: er besaß nicht die umfassende Gelehrsamkeit, den genialen kritischen Sinn, die wissenschaftliche Productivität des Erstern, und nicht die dichterische Phantasie, die ewig jugendliche Schaffenskrast und Naturfreudigkeit des Letztern. Aber er glich ihnen in der selbstlosen Hingabe an einen freigewählten Beruf, in der unzerstörbaren, mit dem Alter nur wachsenden Liebe zum Judenthum und zur Menschheit, in bedeutsamer philosophischer Bildung, in unbestechlicher Liebe zur Wahrheit. Und weit entfernt blos von ihnen zu empfangen, gab er ihnen viel: seinem Urtheil unterwarfen Beide gern ihre Werke — die vollendeten der Eine, die unvollendeten der Andere — und erhielten sie von ihm zurück mit all den Besserungen, die seine durch ein zartes Gemüth bedingte Rücksichtnahme und sein geläutertes durch gewählten Geschmack und vielseitige Lectüre ausgebildetes Stilgefühl hervorrufen konnten. Beide erkannten mit Dank die Gabe an, die sie von dem Freunde erhalten hatten. Berthold Auerbach durch zahlreiche einzelne