Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 194 (sequence 1)
- Language
- German
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Wiscetten. Memortckcher. Von Leopold Löwenstein. Einem uralten Gebrauche, an gewissen Sabbathen des Jahres zu „meinern," d. h. der Todten zu gedenken und für ihr Seelenheil zu beten, verdanken wir die Entstehung der sog. Memorbücher, d. h. Bücher zum Seelengedächtniß. Dieselben enthalten nicht nur die Namen und Thaten der Männer, welche durch Wissen und Gelehrsamkeit um die jüd. Gesammtheit sich verdient gemacht, oder durch einflußreiche Stellung für ihre nächste Umgebung Gutes gewirkt, sondern auch hauptsächlich die Namen der Märtyrer, der Gemeinden und Provinzen, in denen blutige Verfolgungen stattgefunden haben. Diese Aufzeichnungen sollten sowohl ein Denkmal für Verstorbene, als auch ein Vorbild für die Lebenden sein und diese zur Nachahmung aneifern. Jellinek, dem berühmten Kanzelredner und Forscher auf dem Gebiete der Midraschliteratur, gebührt das Verdienst, auf die Wichtigkeit dieser Memorbücher für Erforschung mittelalterlicher Geschichte hingewiesen zu haben. Durch seine beiden Publikationen „Worms und Wien" (Wien 1880) und „Märtyrer- und Memorbuch"') (ebend. 1881) hat er diese rührenden Erinnerungszeichen an die jüdische Leidenszeit der Vergessenheit entrissen und zu weiteren ähnlichen Veröffentlichungen Anregung gegeben. Ihm folgten Lowe („das Nürnberger Memorbuch" London 1881) und Neubauer („das Mainzer Memorbuch" in Revue i) Das. S. 9 wird ein Märtyrer-Verzeichnis 6. a. 1096 mitgetheilt. Diese Jahreszahl findet sich nicht im N30., wird aber supponirt. weil dasselbe s. 1314, also vor 1349 geschrieben ist, demnach, nach Jellineks Ansicht, dem Jahr 1096 angehören müsse. Ich kann mich dieser Annahme nicht anschließen und zwar aus folgenden Gründen. Zunächst fehlen die Namen der Hauptgemeinden aus der Verfolgung von 1096, wie Speier, Worms, Mainz. Abgesehen hiervon aber spricht als Hauptumstand gegen jene Annahme die Reihenfolge der genannten Ortschaften. Das Verzeichnis beginnt mit Röttingen, Neustadt, Mergentheim (nicht Einersheim, wie Levin in Revue III, 134 liest), Windsheim, Namen, welche (mit Ausnahme des vorletzten) in gleicher Reihenfolge im Mainzer Memorbuch unter der Verfolgung des Rindfleisch a. 1298 aufgeführt sind. Zweifellos gehört das vorliegende Verzeichnis dem Jahre 1298 und der Verfolgung an, die hauptsächlich in Baiern und Franken wüthete und in Röttingen (daher dieser Ort an der Spitze) am 7. Jjar 5058 — 20. April 1298 ihren Anfang nahm (s. Grätz VII, 269).