Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel] / H. B.
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Nachrichten. 107 Außerordentlich werthvolles Material für die Geschichte der deutschen Juden enthält das prächtig ausgestattete Werk Alfred Hilgards „Urkunden zur Geschichte der Stadt Speyer" (Straßburg, Trübner 1885), welches man der Munificenz des Herrn Heinrich Hilgard (Henry Villard), des bekannten amerikanischen Eisenbahnindustriellen, verdankt. Insbesondere aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind hier eine Reihe von Documenten veröffentlicht, die in ihrer Art fast einzig dastehen. Es sind Verträge zwischen dem Rath der Stadt und dem Judenrath zum Theil in deutscher und zum Theil in hebräischer Sprache; die hebräischen Texte vom 23. Dec. 1333 mit den eigenhändigen Unterschriften der Vorsteher der Gemeinde Speyer sind in vortrefflich ausgeführten Lichtdruck-Facsimiles mitgetheilt und von Prof. Merk in Heidelberg ins Deutsche übersetzt. Die Verträge beziehen sich auf die Besetzung des Judenraths in Speyer, die Organisation der Gemeindeverfassung, über welche wir hier genauere Mittheilungen erhalten, als sie aus den meisten anderen deutschen Städten für jene Zeit bisher bekannt geworden sind, auf die Gemeindesteuern, die durch eigene jüdische Beamte (Juden-Geschosser) aufzuerlegen sind und zu deren Eintreibung die Stadt ihre Knechte und Diener leihen muß u. a. m. 1340 schließen die „ehrbaren Leute" die Judengeschosser, unter ihnen Johel, Herrn Jekils Sohn, und Jutta, Herrn Jekils Wittwe, vor dem bischöflichen Gericht einen Vertrag mit dem Stadtrath, durch welchen die jüdische Gemeinde 1100 Pund Heller von der Stadt leiht gegen einen Jahreszins von 100 Pund Heller und gegen die Verpfändung des „gemeinen Guts" der Judenschaft von Speier, insbesondere der Schule, des Kirchhofs, des Backhauses und der Badestube. Am 11. Nov. 1344 verpflichtet sich der Rath, der Judenschast gegen eine jährliche Zahlung von 60 Pund Heller auf sechs Jahr lang der Stadt Knechte und Diener für Exemtion von Strafen und zu jüdischen Leichenbegängnissen und Hochzeitsfeierlichkeiten (lichen, brüten und hochgeziten) zur Verfügung zu stellen. Ehe die Bertragsdauer zu Ende ging, kam freilich alles anders: im Jan. 1349 war die Speherer Judenschlacht; mit dem März dieses Jahres beginnen die Documente, welche über das Eigenthum der Erschlagenen Verfügung treffen. R. Doebner, Urkundenbuch der Stadt Hildesheim (Hildesheim, Gerstenberg, 1886) enthält für die Geschichte der Juden nur wenige Documente; von Interesse sind Nr. 600—602 von 1385, betreffend die Einräumung der auf städtischem Grund und Boden erbauten Synagoge und die Auslieferung der Schlüssel derselben an die Judenschaft, sowie die Correspondenz des Raths mit dem Juden Keneke in Bezug auf dessen Processe gegen hildesheimische Schuldner. Die Mittheilungen aus dem Stadtarchive von Köln von vr. Konstantin Höhlbaum enthalten in Heft 3—9 die Regesten über das Urkundenarchiv der Stadt bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts