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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 I)r. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judenthum. zu machen. Ausführlich legte er die Grundsätze dar, nach denen er jederzeit alle Religionsstreitigkeiten aufs sorgfältigste vermieden habe; Privataufforderungen verehrungswürdiger Männer sei er kühn genug gewesen, mit Stillschweigen zu übergehen, und die „Zun'öthigung" kleiner Geister, die geglaubt haben, ihn seiner Religion wegen öffentlich antasten zu dürfen, habe er geglaubt verachten zu dürfen. Andersgläubige in ihrer Religion zu beirren, wäre ein Beginnen, das den Grundsätzen des Judenthums widerspreche, und die Juden, die froh wären, wenn sie nur geduldet würden, dächten gewiß am wenigsten daran, die herrschende Religion zu bestreiten, der so viele verehrungswürdige, sich durch Weisheit und Tugend auszeichnende Männer angehören. Mit solchen und ähnlichen Bemerkungen sprach er seine über alle durch die Religion hervorgerufenen Entzweiungen erhabene Lebensansicht aus, die darin bestand, daß die Religionen sich vor allem über das verständigen sollten, was ihnen gemeinsam ist, im Übrigen aber sich gegenseitig achten und mit einander vertragen möchten. Das öffentliche Antwortschreiben Mendelssohns an Lavater (vom 12. Dezember 1769), der feine und schonende Takt, mit dem er ihm darin persönlich begegnete, die männliche Entschiedenheit, mit der er seine religiöse Überzeugung aussprach und jeden Schein eines Verdachtes von sich wies, daß er sich mit seiner Religion in innerm Zwiespalt befinde, überhaupt sein Verhalten im ganzen Verlaufe einer so schwierigen Angelegenheit fand allgemeine Bewunderung und erhöhte die Achtung vor seinem lautern Charakter. Er ging siegreich aus dem ihm aufgedrängten Kampfe hervor, und wenn sich auch einzelne Stimmen der Gemeinheit von außen - einmischten, so wurde doch jeder Bekehrungsversuch von allen berufenen Stimmsührern ein für allemal verurtheilt. Selten hat wohl ein öffentlicher / Streit, besonders in Religionsfragen, stattgefunden, der zu so erhebenden / und versöhnlichen öffentlichen Äußerungen geführt hat, wie sie in den von - Mendelssohn und Lavater damals gewechselten Briefen enthalten sind; denn / auch Lavater, der seinen Schritt bereute, bewies sich dabei nur edelmüthig. i Mendelssohns Antwortschreiben bleibt in der deutschen Literatur ein schönes Denkmal wahrhaft religiöser Gesinnung, ein Beispiel weisen und milden Sinnes, ein Muster bescheidener Haltung bei entschiedener Vertheidigung der eigenen Überzeugung. Für seine Person hatte Mendelssohn freilich die Folgen des Streites zu tragen, da die durch denselben verursachte Aufregung seine Gesundheit in dem Grade schädigte, daß er mehrere Jahre sich jeder anstrengenden geistigen Arbeit enthalten mußte. Der Streit zog sich übrigens noch in die Länge, und als dann ein neuer Angriff erfolgt war, meinte Lessing in seinem Briefe an Mendelssohn vom 9. Januar 1771, er solle, wenn er daraus antworte, „es mit aller möglichen Freiheit und allem nur ersinnlichem Nachdrucke thun". Es war hauptsächlich das Verfahren Bonnets, welches Mendelssohn zur Polemik gegen das Christenthum hätte veranlassen können. In der That war er auch nahe daran, mit einer Schrift: „Betrachtungen über Bonnets Palingenesie" dieses bisher vermiedene Gebiet, wenn auch selbstverständlich in gleich behutsamer Weise wie gegen Lavater, zu betreten; die Schrift blieb aber unvollendet und liegt uns, wie leicht ersichtlich, nur in einem der

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