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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judenthum. Umstände gesetzt worden wären. Ja, ich würde unsere Nation erniedrigen, wenn ich fortfahren wollte, einzelne Exempel von edlen Gemüthern anzuführen." 2) Man muß von Lessing reden, so oft man Mendelssohns gedenkt, zumal hier, wo es sich um den Vorläufer des „Nathan" handelt. Lessing vertheidigte sein Stück zwar vom ästhetischen Standpunkte, erklärte aber, daß er lieber bei seiner schriftstellerischen „Ehre" als bei seiner „Menschenliebe" verlieren wolle, und schnitt, wie er gewöhnlich that, dem Gegner jede Ausflucht ab, indem er dem unbekannten Juden des Lustspiels einen noch unbekannten Juden seiner Zeit an die Seite stellte, dessen einstigen Ruhm er voraussah. „Er ist wirklich ein Jude", schrieb er in einem Privatbriese an Michaelis, „ein Mensch von etlichen und zwanzig Jahren, welcher, ohne alle Anweisung, in Sprachen, in der Mathematik, in der Weltweisheit, in der Poesie, eine große Stärke erlangt hat. Ich sehe ihn im Voraus als eine Ehre seiner Nation an, wenn ihn anders seine eigenen Glaubensgenossen zur Reife kommen lassen, die allezeit ein unglücklicher Verfolgungsgeist wider Leute seines gleichen getrieben hat. Seine Redlichkeit und sein philosophischer Geist läßt mich ihn im Voraus als einen zweiten Spinoza betrachten, dem zur völligen Gleichheit mit dem ersteren nichts, als seine Jrrthümer fehlen werden!" 2) Letztere Worte sind bezeichnend für die Richtung Mendelssohns, der schon in seiner ersten Schrift das Verhältniß der Leibniz'schen Philosophie zu der Spinozas behandelte und am Ende seines Lebens seine letzten Kräfte aufbot, um die Vernunftreligion gegen die Konsequenzen zu verwahren, die Friedrich Heinrich Jacobi aus dem System Spinozas zu ziehen suchte. Den rein ästhetischen Maßstab, der ja an und für sich auch zu einer Uberschätzung der Form führen kann, darf man an ein Tendenzstück der damaligen Zeit nicht anlegen. Übrigens ließ Mendelssohn die ästhetischen Mängel des Stückes nicht unbeachtet; er deutete an, daß es ein Bild ohne Schatten ist, den freilich das herrschende Borurtheil dunkel genug hinzudachte. Es handelte sich aber im allgemeinen um eine Kulturfrage von höchster'Bedeutung und für Mendelssohn insbesondere um sein ganzes Streben und Wirken. Es ist daher nicht zutreffend, wenn es bei Danzel-Guhrauer (I, 234) heißt. Lessing und Mendelssohn hätten „die Sache zu sehr von der moralischen und confessionellen Seite" aufgefaßt. Als Äußerungen des Nationalstolzes, die Erich Schmidt (Lessing I, 139) m dem Briefe Mendelssohns findet, sind dessen Klagen und die Berufung auf die allen Menschen verliehene Gabe zum Guten, wie auch auf die aus dem Judenthum hervorgegangenen Propheten u. s. w. nicht zu betrachten. Es war auch keine bloß „fieberhafte" Erregung, wenn Mendelssohn sich über ein Urtheil beschwerte, das die Aussicht seiner Religionsgen offen auf eine bessere Zukunft völlig verdunkelte. Man wirft den Juden, wenn sie ihre Rechte und Ehre vertheidigen, gern „Befangenheit" vor, und es mag wohl sein, daß sie in dieser Hinsicht zuweilen allzu empfindlich sind; sollte aber ein Jude schweigen, wenn behauptet wurde: „Aber auch die mittelmäßige Tugend und Redlichkeit findet sich bei diesem Volke so selten zc." und: „Bei den Grundsätzen der Sittenlehre ... ist auch eine allgemeine Redlichkeit kaum möglich."? Diese, die ganze Sachlage charakterisirenden Worte des Kritikers., hat Erich Schmidt nicht angeführt, und ebenso fehlt bei ihm die oben erwähnte Äußerung Lessings über seine schriftstellerische Ehre, die man in einem Lebensbilde Lessings ungern vermißt. -) Schr. (Ausg. v. Lachm.) XII, 27.

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