Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur meurt. Man hatte bisher trotz der mit ganz besonderer Vehemenz aufgetretenen Landflucht während der beiden letzten Generationen und trotz des Sterblichkeitsüberschusses, der in den meisten Ländern der Galut festzustellen ist, und auch trotz des erheblichen Prozentsatzes von Mischehen unter der ohnedies niedrigen Zahl von Trauungen den Eindruck gehabt, daß die Judenheit in Elsaß- Lothringen durch Tradition und Bewußtsein als ein normal entwickelter Bevolkerungsteil anzusprechen sei. Schnurmann stimmt uns etwas pessimistischer, obwohl die statistischen Ausführungen noch von einer beträchtlichen Lebensfähigkeit Beweis ablegen. Allerdings ist die Bevölkerungsziffer seit dem Jahre 1880 von 39278 (= 2,51 o/0) auf 28325 (= 1,50<>/o) im Jahre 1931 gesunken, wird aber immer wieder durch Zuwanderung gespeist. Interessant sind die statistisch-soziologischen Tabellen und deren Auswertung über die ökonomische und soziale Struktur der Juden in Elsaß-Lothringen, ferner über die — auf niedrigem Prozentsatz liegende — Kriminalität der Juden und schließlich über die Bevölkerungsbewegung, die bis in alle Einzelfragen, wie Scheidungen von Mischehen, festgehalten wird. Die Arbeit kann als aufschlußreiche Demographie «ines in jüdischer Hinsicht wichtigen Gebietes bezeichnet werden. Saarbrücken. Lothar Rothschild. S. Freund, Ein Vierteljahrtausend Hannoversches Landrabbinat 1687 — 1937. Zur 250jährigen Wiederkehr seiner Begründung. Herausgegeben von der Synagogen-Gemeinde Hannover, 1937. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Stadt Hannover und ihrer jüdischen Bewohner von der Mitte des 13. Jahrhunderts ab, wird der segensreichen Tätigkeit des rühmlichst bekannten Hofjuden Leffmann-Behrens (Lippmann-Cohen) zugunsten seiner Glaubensgenossen im 17. Jahrhundert gedacht. Den Einfluß bei den Landesherren, dessen er sich erfreuen konnte, nutzte er nicht allein für einzelne Familien, sondern für alle Gemeinden des Hannoverlandes. Er strebte danach, ein gemeinschaftliches geistliches Oberhaupt zu schaffen. Auf sein Betreiben erließ Herzog Ernst August von Braunschweig und Lüneburg das Dekret vom 10.3.1687 über den Landrabbiner. Der Verfasser schildert das verdienstvolle Wirken der Landrabbiner im Laufe der zweieinhalb Jahrhunderte. Den Schlußworten: „Die Institution des Landrabbinats hat sich wohltätig ausgewirkt", wird hinzugefügt: Dieses Verdienst gebührt außer den Landrabbinern auch den Leitern (Vorstehern) der Synagogengemeinde Hannover. Einige Bemerkungen lasse ich noch hier folgen: S. 5 vermisse ich in der Reihe der „vielen Städte der Nachbarschaft (von Hannover), wie Goslar, Lüneburg, Braunschweig" gerade die am nächsten gelegene Stadt Hildesheim, woselbst es bereits 1038 bzw. 1258 Juden gegeben hat (Germania Judaica I, 2, S. 504f. s. u. Hildesheim, Ergänzungen und Berichtigungen); S. 18 zum Passus: „Nach seinem (Gronemanns) Tode blieb eine Zeitlang <iie Stelle unbesetzt", sei darauf hingewiesen, daß der Unterzeichnete durch Verfügung der Regierung zu Hannover mit der kommissarischen Verwaltung des Landrabbinats betraut worden war und daß ihm nach Einstellung der Verwaltung dieses Amtes (sie umfaßte die Jahre 1918—1924) durch Rescript vom 2.10.24 die „besondere Anerkennung" ausgesprochen wurde; S. 18 ist der Ausdruck „gewählt" nicht richtig, da von einer „Wahl" nur dann gesprochen werden kann, wenn mindestens zwei Personen in Frage kommen; S. 14, Z. 8 v. u. lies „Osterode". Dem Verfasser sei für seine flott geschriebene Abhandlung Dank abgestattet. Mainz. A. Lewinsky. Aus dem Berliner Jüdischen Museum: Palästinensische Altertümer, Münzen, Medaillen, Siegel, Ringe und Kultusgeräte. Mit 64 Abbildungen. Mitteilungen von Dr. Moritz Stern. Berlin 1937. Philo Verlag und Buchhandlung G.m.b.H. Der ehemalige Leiter der Bibliothek und der Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde legt eine Zusammenfassung seiner in den Jahren 1921—22 in der Zeitschrift „Ost und West" veröffentlichten Arbeiten vor. Es ist ein instruktives Buch geworden, vornehmlich deshalb, weil Gebiete der Kunst, die etwas abgelegener sind, zu Worte kommen. Hier erfährt man von kunstgewerblichen Schätzen im Berliner Gemeindemuseum, die nicht nur kultur- und 191