Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 190

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension] / Rothschild, Lothar
Date
1937-01-01
Page
Seite 190 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259308-2259311--5022-2262906
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literatur A. Tänzer, Die Geschichte der Juden in Württemberg. Frankfurt a.M. 1937. J. Kauffmann. 190 S. Die reichhaltigen Literaturangaben, die der Verfasser im Anhang mitteilt, beweisen, daß über einzelne Gemeinden in Württemberg sowie über bestimmte Phasen der Entwicklung und verdiente Persönlichkeiten eine ziemlich umfangreiche Reihe von Schriften vorliegt, nicht aber über das Gesamtgebiet. So bedeutet die vorliegende Schrift von Tänzer die Schließung einer Lücke. Es fällt ihr etwa dieselbe Rolle zu wie der Heimatgeschichte der badischen Juden von RosenthaL Somit ist auch die doppelte Aufgabe dieses Buches gekennzeichnet, wissenschaftliche Abhandlung und gleichzeitig ein Hausbuch für alle an ihrer Heimatgemeinde interessierten Juden in Württemberg zu sein. Die Geschichte der jüdischen Siedlungen, die nicht zum Stammland Württemberg gehörten, wird erst von dem Zeitpunkt an berücksichtigt, von dem an sie zum Lande kamen. So darf es nicht Wunder nehmen, wenn der erste Teil, der die Entwicklung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts behandelt, in bedauerlicher Kürze abgefaßt ist. Gerade über die vom Verfasser in ausschließendem Sinn erwähnten Gemeinden Ulm und Heilbronn ist historisch noch vieles beizutragen, da die Darstellung von Nübling von jüdischer Seite einer Ergänzung bedarf. Hauptsächliches Gewicht legt Tänzer auf die Entwicklung im 19. Jahrhundert, das von der Stellung, die die Juden als Schutzjuden einnahmen, über das Israelitengesetz vom Jahre 1828 schrittweise bis zur vollkommenen Gleichstellung führte. Mit besonderer Gründlichkeit schildert er die in Deutschland einmalige Einrichtung einer jüdischen Landeskirche und verweilt ausführlich bei der Einrichtung, den Personalien und den Funktionen der Oberkirchenbehörde, der obersten Leitung der jüdischen religiösen Angelegenheiten in Württemberg, deren Vorsitz ein vom Staat ernannter christlicher Kommissar führte. Von besonderem Interesse ist die lückenlose Liste aller in Württemberg tätigen und tätig gewesenen Rabbiner, wobei die Stuttgarter Rabbiner v. Maier, v. Wassermann und Kroner als Kirchenräte besondere Würdigung erfahren. Die initiative Persönlichkeit des reformfreudigen und doch in seiner Methode von weiser Mäßigung erfüllten Maier erweckt unser Interesse. Von den Reformstreitigkeiten, die an sich in Württemberg nicht heftig tobten, kann man sich an Hand des im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Revision der kirchlichen Gesetzgebung erwähnten polemischen Schriftenwechsels zwischen dem orthodoxen Freudentaler Lehrer Ludwig Stern (Gabiah ben Psisa) und dem Kirchenrat Maier (Schimon Hazaddik) ein Bild machen. Bei der Erwähnung des Kirchenrates Wassermann hätte dessen literarische Tätigkeit Beachtung finden dürfen, der er sich in seinem früheren Wirkungskreise in Mühringen, nicht weit von der Heimat Berthold Auerbachs, hingeben konnte. Völlige Autonomie erlangten die Juden Württembergs erst im Jahre 1924 mit der Einführung der Oberratsverfassung, die den Begriff der „Kirche" nicht mehr beibehielt. Diese Verfassung gewährleistet die volle Selbständigkeit und ist die bis heute gültige Organisationsform geblieben. Im letzten. Kapitel über die Vereine und Stiftungen wirkt das Material für einen Nichtwürttemberger zu ausführlich; die Breite erinnert an die vielen Details in der „Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Synagoge zu Stuttgart". Trotz der etwas bevorzugten Darstellung des organisatorischen Moments ist Tänzers Buch als Ausfüllung der eingangs erwähnten Lücke zu begrüßen. Leider hat Tänzer selbst das Erscheinen dieser Schrift nicht mehr erlebt. Seine früheren historischen Werke sind bekannt, dieses letzte reiht sich ihnen würdig an. Saarbrücken. Lothar Rothschild. E. Schnurmann, La Population Juive en Alsace. (Travaux de la Faculte de droit et des sciences politiques de Strasbourg VIII.) Librairie du Recueil Sirey, Paris 5 e. 1936. 174 S. Diese Arbeit, der Professor Henry Laufenburger, Straßburg, ein Vorwort beigegeben hat, besitzt durch ihre Gründlichkeit und den Ernst, mit dem sie an das Problem herangeht, besonderen Wert. Sie ist eine wichtige Ergänzung zu den Fragen über Elsaß-Lothringen, die Dienemann im letzen Heft dieser Zeitschrift behandelt hat, und zwar bereichert sie die Fragestellung nach der soziologischen Seite. Für uns unerwartet, auch angesichts des starken Bevölkerungsrückgangs, kommt Schnurmann zu dem Ergebnis: Le Judaisme alsacien se 190

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.