Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1937-01-01
Page
Seite 121 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2259275-2259308-2259311-2262716--4924-2262837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Literatur behrlich sein wird. — In der Breslauer Stadtbibliothek befindliche „Jüdische Briefe aus dem Jahre 1588", deren Texte anderenorts veröffentlicht werden sollen, beschreibt Louis Lew in ihrem Inhalt nach: es sind größtenteils erschütternde Dokumente der Judennot, die u. a. auch auf die Lebensgeschichte des hohen Rabbi Löb neues Licht werfen. — Dr. Meier Spanier erzählt in der familiengeschichtlichen Skizze „Die Wunstorfer Spanier" in launiger Weise von seinen Vorfahren. — In einem Aufsatz „Jüdische Bildnis-Maler der Posener Biedermeierzeit" lenkt Arthur Kronthal auf die wenig bekannten Künstler Wilhelm Kornfeld, Eduard Czarnikau und Michael Alexander unsere Aufmerksamkeit, während Leo Hirsch den Dichter Richard Beer-Hofmann anläßlich seines siebzigsten Geburtstags Iiterarkritisch würdigt. Berlin. Fritz F riedlaender. M. Weinberg, Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern. 1. Lieferung. Verlag S. Neumann, Frankfurt a. M., 1937. 130 S. Durch seine früheren Veröffentlichungen über Memorbücher hat sich Weinberg als autoritativer Fachmann auf diesem Gebiete erwiesen. Er beabsichtigt nunmehr, zusammenhängend die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern herauszugeben und legt hier das erste Heft vor, das zunächst die Memorbücher unterfränkischer Gemeinden enthält, und zwar die von Aub, Eibelstadt, Goßmannsdorf, Sommerhausen, Heidingsfeld, Höchberg, Bibergau, Veitshöchheim, Tauberrettersheim, Gaukönigshofen, Giebelstadt, Rimpar, Thüngen, Theilheim, Niederwerrn, Urspringen, Kissingen, Neustadt an der Saale und Marktbreit. Während die früheren Arbeiten nur Auszüge enthielten, sind aus diesen 19 Memorbüchern sämtliche Einträge genau wiedergegeben. In einer Einleitung stellt Weinberg die wesentlichen Ergebnisse seiner früheren Forschungen nochmals zusammen und gibt einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung dieser Literatur überhaupt. Man wird seine früheren kritischen Darlegungen nunmehr als gesichert ansehen dürfen, vor allem, daß das Memorbuch keinen lateinischen Namen trägt — man hätte übrigens m. E. sonst einfacher dafür Jiskorbuch oder Maskirbuch sagen können —, sondern daß es eigentlich Almemorbuch heißt, daß ferner das grundlegende Memorbuch, das von Nürnberg, in Wirklichkeit aus Mainz stammt, daß die Memorbücher aus ursprünglichen örtlichen Märtyrerlisten sich zu einem Komplex von Liturgie, Martyrologium und Nekrologium und auf diesem Wege zu einem besonderen Gebetbuchtyp entwickelt haben. In instruktiver Weise wird jedes einzelne Memorbuch nach dieser Dreiteilung behandelt, wichtige Personaleinträge, besonders die der Rabbiner, werden auch literarisch erforscht, am Schlüsse wird jedesmal eine Kritik des Memorbuches und eine Beurteilung seines historischen Wertes gegeben. In drei geographisch-historisch besonders wertvollen Exkursen werden die bisher unsicheren Begriffe der Gemeindebezirke Würzburg, Grabfeld und Schwarzenberg geklärt. Eine besondere Crux der Memorbücher bilden ihre Orts- und Länderlisten. Ihre Entwicklung aus den älteren Vorlagen, wie sie z. B. im Mainzer Memorbuch und hier im Memorbuch von Urspringen vorliegen, bis zu den phantasievollen Listen späterer Memorbücher bedürfte m. E. einer gesonderten Untersuchung, die alles ausscheidet, was durch die geographische Unwissenheit der Abschreiber und durch die beim verständnislosen Abschreiben von Texten allgemein üblichen Flüchtigkeiten und Verständnislosigkeiten verschuldet wurde. Der Versuch, Rätsel zu raten, wie ihn auch Weinberg hie und da unternimmt, wird sonst zu keinem Erfolge führen. Die Memorbücher sind ursprünglich rheinischer und fränkischer Herkunft, der synagogale Gebrauch war zunächst auch nur auf die aschkenasischen Gemeinden beschränkt; allmählich erweiterte sich jedoch dieser Gebrauch und damit nahm die Zahl der allgemeinen Einträge von Personen, Orten und Ländern zu, ganz abgesehen von den rein örtlichen Personenlisten. Oft haben dann die angeführten Ortsnamen gar keine Beziehung mehr zu irgend welchen Martyrologien, wie übrigens, was Weinberg hätte hervorheben sollen, auch die Märtyrerbezeichnung Kadosch sehr häufig durchaus nicht mehr einen religiösen Märtyrer bedeutet, sondern für jeden verwendet wird, der auf unnatürliche Weise ums Leben kam, ja sogar später auch für solche, die schuldiger- oder unschuldigerweise irgendwelches Ungemach zu erdulden hatten. Wirkliche Märtyrerlisten sind z. B. die in einigen der hier beschriebenen Memorbücher enthaltenen Angaben über 121

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.