Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur in Anspruch nehmen zu können. Oswald L a s s a 11 y gestaltet in seinem Autsatz „Israel Aaron, Hoffaktor des Großen Kurfürsten und Begründer der Berliner Gemeinde" das urkundliche Material zu einem eindrucksvollen biographischen Charakterbild, in dem u. a. auch die Forschungsergebnisse, die Moritz Stern in der vorliegenden Zeitschrift 1929/30niedergelegt hat, mitverwertet sind. B. Rosenthal liefert in dem Beitrag „Eine Wucherenquete in der Kurpfalz" eine Fortsetzung seiner Studien zur Geschichte der Juden in Baden; er weist nach, daß die von der kurpfälzischen Regierung 1676 angeordnete Wucherenquete mit einer vollständigen Ehrenrettung der Juden endete. An die Forschungen von Samuel Krauß anknüpfend, veröffentlicht D. Herzog mit dem Beitrag „Die Träger des Namens ,Meisterlein' in der Steiermark" eine Untersuchung zur jüdischen Gelehrtengeschichte. Einem geschichtswissenschaftlichen Grenzgebiet darf der Aufsatz zugezählt werden, in dem Ernst Simon Hermann Cohens Stellung zu Spinoza etappenweise darstellt. Noch zahlreicher als in dem besprochenen Jahrgang sind in dem folgenden einschlägige Beiträge erschienen. Dem modernen Bestreben, alte Grabsteine der geschichtlichen Forschung nutzbar zu machen, dienen zwei Arbeiten: Josef B a b a d „Jüdische Grabsteine m Kärnten" sowie D. Herzog „Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark". Diese Untersuchungen stellen zunächst Rohstoff bereit, der einmal für die Erkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge bedeutsam werden kann. Die älteste hebräische Druckerei in Preußen und Ostdeutschland behandelt Bernhard B r i 11 i n g in dem Aufsatz „Gründung und Privilegien der hebräischen Druckerei in Frankfurt a. d. O.". Die Frankfurter Druckerei ist neben der zu Dyhernfurth eine Zeitlang die wichtigste Bücherproduzentin für das polnische Judentum gewesen. In einer Studie „Zur Geschichte der Juden in Landsberg a. <L Warthe" legt Oswald L a s s a 11 y die Grundzüge einer stadtgeschichtlichen Monographie. Nach meist unbenutzten Quellen handelt Felix Lazarus über „Judenbefehlshaber, Obervorgänger und Landrabbiner im Münsterland". Er schildert die Bemühungen, in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege zu einer festen Organisation der münsterländischen Judenheit zu gelangen. In einer Abhandlung „Ein aus dem Judentum stammender Professor des Rheinlandes im Anfang des 19. Jahrhundert" gibt Adolf Kober einen biographischen Abriß Salomon Anschels, eines 1771 in Bonn geborenen Mediziners, der der erste Professor jüdischer Abstammung an einer Universität des 19. Jahrhunderts gewesen sein soll. An sonstigen einschlägigen Beiträgen ist noch zu verzeichnen: Michael Fraenkel „Aus Jacob Bernays' und Salomon Frensdorffs Schriftwechsel", J. Rappaport „Ein unveröffentlichter Brief J. N. Mannheimers", P. R i e g e r „Aschkenas-Deutschland", B. W e i n r y b „Zur Geschichte des älteren jüdischen Theaters" (über die Leipziger Hs. des Ahasveros-Esther-Spiels). Berlin. Fritz Friedlaendcr. Jahrbuch für Jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. 30. Band. Verlag M. Poppelauer, Berlin 1937. Ein großer Teil der Beiträge, die der neueste Band des beliebten Jahrbuchs enthält, bezieht sich auf die Geschichte der Juden in Deutschland. Es kennzeichnet das Niveau und die allgemeine Qualität des Jahrbuchs, daß es sich dabei durchgängig um wissenschaftlich belangvolle Arbeiten und Veröffentlichungen handelt. Voran steht Ludwig Feuchtwangers ungemein perspektivenreicher Aufsatz „Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter". Auf eine ungewöhnlich reiche Literaturkenntnis gestützt, entwickelt Feuchtwanger, sämtliche beteiligten wissenschaftlichen Arbeitsdisziplinen umgreifend, die vielseitigen Aufgaben, die auf dem in Frage stehenden Gebiete noch ihrer Lösung harren. Eine seiner grundsätzlichen Bemerkungen sei um ihrer methodischen Bedeutsamkeit willen hier wiedergegeben: „Jüdische Geschichte fängt oft erst an, wo das geschriebene Recht, die Statuten und Gesetze aufhören." — Bausteine zu einer Biographie von Zunz bringt die dankenswerte zweiteilige Quellenpublikation „Zum Andenken an Leopold Zunz": sie enthält erstens eine autobiographische Aufzeichnung „Mein erster Unterricht in Wolfenbüttel", sodann ein vom Altmeister selbst hergestelltes Verzeichnis seiner Schriften, das für die Erkenntnis seiner Entwicklungsgeschichte künftig unent- 120