Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / Elbogen, Ismar
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur Umberto Cassuto, I manoscritti palatini ebraici della Biblioteca Apostolica Vaticana e la loro storia (Studi e Testi 66). Cittä del Vaticano 1936. 183 Seiten. Im Verlauf der Arbeit an einem Katalog der hebräischen Handschriften der Vatikanischen Bibliothek kam Cassuto zu der Forschung über die Palatinische Sammhing, die 1622 vom Heidelberger Pfalzgrafen Maximilian I. dem Papst Gregor XV. geschenkt wurde. Die Arbeit wurde dadurcn erleichtert, daß bereits vor der Schenkung Inventare verfaßt wurden. Diese gehen auf den Augsburger Patrizier Ulrich Fugger zurück, der seine Sammlung 1567 dem Pfalzgrafen schenkte. Die Fuggersche Sammlung enthielt 111 Manuskripte, die durch eigenartige Besitzeintragungen in griechischen, lateinischen und hebräischen Buchstaben kenntlich sind und geschlossen aus Kreta kamen. Sie sind meist von einem „Contestabile" erworben, in dem Cassuto den bekannten jüdischen Gelehrten Elia Capsali vermutet (S. 42 f.). 13 weitere Manuskripte hatten vorher dem Humanisten Gianozzo Manetti (1396—1459) gehört und sind erst nach 1529 an Fugger gekommen; es sind meist Bibelhandschriften, während aus Kreta vorwiegend rabbinische und liturgische kamen (S. 47). Aus Deutschland kamen einige Manuskripte hinzu. Im ganzen enthielt die Sammlung Fugger 148 Handschriften, zu denen solche aus Ottheinrichs Bibliothek traten, zusammen waren es 167. Die Untersuchung ist ebenso interessant wie methodisch vorbildlich. Zwei Tafeln mit Proben des Kretischen Ductus und der Besitzeintragungen ergänzen das wertvolle Buch. Berlin. Ismar Elbogen. Eugen Haberkern und Joseph Friedrich Wallach, HilfsWörterbuch für Historiker, Mittelalter und Neuzeit. Mit einem Geleitwort von Hermann Oncken. Verlag für Staatswissenschaften und Geschichte. Berlin- Grunewald 1935. XV und 605 Seiten. Wie in jeder wissenschaftlichen Darstellung so sollte es auch auf dem Gebiet der Geschichte Pflicht sein, Fachausdrücke bei ihrem ersten Gebrauch zu erklären. Leider unterläßt dies der Historiker allzu häufig, teils weil ihm die termini technici selbstverständlich geworden sind, teils aus Mangel an Raum oder Zeit. Außerdem geben Geschichtsquellen früherer Jahrhunderte naturgemäß keine Erklärungen von Kunstausdrücken, die jenen Zeiten geläufig gewesen sind. So stellen sich dem Historiker oft Schwierigkeiten entgegen, und beim Leser, auch dem wissenschaftlich geschulten, können nicht selten unrichtige Vorstellungen und Mißverständnisse entstehen. Alles das macht sich auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte wegen der Eigenart des Stoffes und einer großen Zahl seiner Bearbeiter besonders stark fühlbar. Das vorliegende Hilfsmittel will den Weg zu Klarheit und Sachlichkeit erleichtern. In rund 1200 Spalten werden geschichtliche und rechtliche Fachausdrücke aus dem Zeiträume von der Völkerwanderung bis ins 19. Jahrhundert in alphabetischer Anordnung erläutert. Die Erklärungen sind kurz, sachlich und klar gehalten. Dies gilt auch für die auf jüdische Dinge bezüglichen. Leider fehlen überall Literaturangaben, durch die eine genauere Orientierung sehr erleichtert worden wäre. Trotzdem wird aber das Werk der Arbeitsökonomie und Exaktheit auch des jüdischen Historikers gute Dienste leisten. HalleJSaale. Guido Kisch. Martin Buber, Die Stunde und die Erkenntnis, Reden und Aufsätze 1933-35. Schocken-Verlag, Berlin 1936. 181 Seiten. Diese an verschiedenen Stellen publizierten Reden und Aufsätze sind nunmehr gesammelt erschienen. Sie sind in dieser Zeitschrift — unbeschadet ihres zweckbestimmten Wertes und ihrer zeitgebundenen Bedeutung — insofern erwähnungswert, als sie über ihren eigentlichen Sinn, „Anruf" in einer Zeit zu sein „da der Schlag der Turmuhr vernehmbarer als je ertönt", weit hinausgehen und deswegen einmal dem zukünftigen Schilderer der geistigen und seelischen Haltung der Juden in Deutschland in unserer Zeit als wertvolles Quellenmaterial werden dienen können. Berlin. Emst Fraenkel. 62