Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur lichem Wert dürften neben der Steinschneider-Bibliographie Kohuts Studien zur Geschichte, meist Geistesgeschichte, der Juden in Amerika sein. — Hinter das 19. Jahrhundert zurück führen drei Arbeiten: Moses Gasters („The Maassehbuch and the Brantspiegel") Versuch, das Verhältnis zwischen Maassehbuch und Brantspiegel aufzuklären, läßt noch viele Unklarheiten und ungelöste Probleme zurück- — Dasselbe gilt für die Studie von Samuel Krauss, welchem die Wissenschaft jedoch trotzdem im Hinblick auf die Schwierigkeit der von ihm behandelten Probleme für seine Darlegungen über „Die hebräischen Benennungen der modernen Völker" lebhaften Dank schuldet. Hervorgehoben sei etwa die Bezeichnung Aschkenas für Deutschland (dazu jetzt auch Elbogen, Germania Judaica, S. XVII) oder Kanaan für Böhmen. Einer Erklärung hätte auch die Bezeichnung Deutschlands als „Erez Nemez" bedurft (vgL die abwegige Deutung bei Elbogen a.a.O.). Nemec ist die alte slavische Bezeichnung für den Deutschen als „Stummen", der der slavischen Sprache nicht mächtig ist. — Bernhard Wachsteins Anmerkungen und Ergänzungen zu Hock-Kauimann „Die Familien Prags" (hebräisch) bieten eine Fülle wertvoller personen- und familiengeschichtlicher Daten zum Buchstaben A. Es ist zu beklagen, daß der Tod den gelehrten Verfasser an der Fortsetzung dieser nützlichen Arbeit verhindert hat. — Ein sehr interessantes Dokument zur Geschichte österreichischer Vorläufer Herzls veröffentlicht und erläutert auf Grund bisher unbekannter Akten Salo W. Baron in seinem Aufsatz „Abraham Benisch's Project for Jewish Colonisation in Palestine 1842". Er stellt auch die Rolle, die Steinschneider bei diesen von Prag ausgehenden frühzionistischen Bestrebungen zukam, endgültig klar. — Der Person Steinschneiders gilt ferner eine andere wertvolle Veröffentlichung: Alexander Marx' Beitrag „Steinschneideriana II". Marx, der ein Jahr vorher Zunz' Briefe an Steinschneider publiziert hatte (Proceedings of the American Academy for Jewish Research V, 1934, S. 95—153), liefert hier durch den Abdruck einer großen Zahl von Personaldokumenten wichtiges Material zu einer Steinschneider-Biographie. Besonders eindrucksvoll ist der Glückwunsch des Direktors der Berliner Kgl. Bibliothek Adolf Harnack zu Steinschneiders 90. Geburtstag. Marx hat die sorgfältig getroffene Auswahl der Dokumente nicht nur mit verbindendem Text, sondern auch mit aufschlußreichen Anmerkungen begleitet. — Nicht auf der gleichen Höhe steht Majer Bai ab ans Edition „Aus der Korrespondenz Salomo Leib Rappoports", an die der Leser erwartungsvoll herantritt. Die inhaltlosen Anfragen über Rabbinatswerber und die meisten Glückwunschschreiben zu Rappoports 70. Geburtstag, etwa mit Ausnahme desjenigen von Franz Delitzsch, hätten ohne Verlust für die Wissenschaft ungedruckt bleiben, dafür die anderen sorgfältiger bearbeitet werden können. Historisches Interesse besitzen eigentlich nur die Briefe von Cassel, Ewald, Grätz, Philippson, Jost, Isidor Busch. — Moses Schorr veröffentlicht Briefe betreffend Benjacobs Thesaurus Ozar ha-Sepharim, ebenfalls von ungleichem wissenschaftlichem Werte. — Die umfangreichste Abhandlung hat Philipp Friedmann beigesteuert. Seine Monographie „Wirtschaftliche Umschichtungsprozesse und Industrialisierung in der polnischen Judenschaft 1800—1870" zählt sicherlich zugleich zu den wissenschaftlich wertvollsten Arbeiten der Gedenkschrift Er untersucht die strukturellen Änderungen, die das wirtschaftliche und soziale Leben der Juden in Polen in jener Obergangsperiode erfahren hat, mit Sorgfalt und Gründlichkeit, zieht ein reiches historisches und statistisches Material heran, berücksichtigt eingehend die große polnische, russische und jiddische Literatur, mit deren Ergebnissen er sich auseinandersetzt und den Leser bekannt macht. Überall gibt sich Vertrautheit mit dem Gegenstand und klare Urteilsfähigkeit kund. Halle/Saale. Guido Kisch. Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte, der Landesgemeinde Oldenburg und des Regierungsbezirks Stade, herausgegeben von dem Verbände der jüdischen Gemeinden Schleswig- Holsteins und der Hansestädte E.V., Nr. 8, 5697 — 1936/37, 155 Seiten mit Anhang. Dieses Jahrbuch reicht in seinem Inhalt weit über die Grenzen hinaus, die man gemeinhin Schriften dieser Gattung steckt: jüdisches Leben der Gegen - 60