Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur aufsätze ebensowenig berücksichtigt worden wie die Arbeiten jüdisch-historischen Inhalts, die sich in nichtjüdischen Literaturwerken finden. Es wäre eine zwar schwierige, jedoch überaus dankbare Aufgabe, einmal auch diese wenig bekannte und oft schwer zugängliche, nicht selten wertvolle Literatur bibliographisch zu erfassen. Zunächst stellt Verfasser bloß eine Bibliographie der einzelnen Beiträge zu jüdischen Festschriften in nahe Aussicht. Halle/Saale. Guido Kisch. Joel Sänger, Bibliographie des jüdischen Buches, I. Band (Heft 1 bis 4), II. Band (Heft 1 und 2). Verlag Joel Sänger. Frankfurt a. M. 5694 bis 5695. Ein bibliographisch sehr gut gearbeitetes Verzeichnis aller Veröffentlichungen, die sich mit jüdischen Fragen im weitesten Sinne befassen. Die Anordnung ist alphabetisch nach Verfassernamen, alle Länder sind berücksichtigt, die Buchpreise angegeben. Also ein jüdisches Bücherverzeichnis ganz nach der Art der wöchentlich erscheinenden „Deutschen Nationalbibliographie". Dieser gleich könnte die Bibliographie des jüdischen Buches für Buchhandel und Wissenschaft des Judentums wertvolle Dienste leisten, wenn ihre Erscheinungsweise regelmäßig werden könnte. Halle/Saale. Guido Kisch. Heinrich Graetz, Die Konstruktion der jüdischen Geschichte. Eine Skizze. Berlin 1936. Schocken-Verlag. 109 Seiten. Im Jahre 1846 hat H. Graetz in Frankels Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums seine Grundgedanken über die ihn schon damals beschäftigende Frage der jüdischen Geschichte veröffentlicht. Er ging von der Hegeischen Problemstellung aus und fragte, wie man jüdische Geschichte aus ihrem Begriff konstruieren könnte. Es stand ihm fest, „daß die jüdische Geschichte in allen ihren Phasen, selbst in den zahlreichen Irrgängen des Zufälligen, eine einheitliche Idee versichtbart, dass sie eben die reale Explikation eines Grundbegriffs bildet". Die Grundidee tritt im Judentum in negativer und zugleich in positiver Form hervor, sucht ferner, auch die abstrakteste, idealistische Lehre sofort in konkrete Anwendung zu bringen. „Die Geschichte dieses Volkes durchzieht ein logischer Faden, und sie versichtbart, wenn man sie in größeren Gruppen überschaut, die abwechselnde Tätigkeit der beiden Faktoren, die eben das Judentum konstituieren (S. 19." Die jüdische Geschichte zerfällt ihrer Natur nach in zwei große Abteilungen, die im Heimatsboden (S. 20) und die in der Diaspora (S. 50), jede von ihnen hat ihren grundsätzlichen Inhalt: die erste die Verwirklichung der jüdischen Idee im Staate, die zweite die Erhaltung der jüdischen Diaspora mittels der Isolierung. Die erste Abteilung zerfällt in zwei Perioden, die vorexilische, vorwiegend politische, und die nachexilische, vorwiegend religiöse, und jede Periode wiederum in drei Phasen (S. 22, 24, 29, 38, 41, 43, 62, 69, 90). Es ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen, es muß nur die Bedeutung hervorgehoben werden, welche dieses Suchen nach dem Begriff der jüdischen Geschichte und ihre Konstruktion aus den Antithesen damals hatte. Ludwig Feucht wanger, der den heute vergessenen Text neu herausgegeben und durch einige Anmerkungen erläutert hat, bemüht sich in einem Nachwort „Zur Geschichtstheorie des jungen Graetz von 1846" um die Einordnung dieser geschichtsphilosophischen Skizze in ihren wissenschaftlichen Standort. Er hebt die Einflüsse von jüdischer Seite, wie Jost, Zunz, S. R. Hirsch, sowie die von Hegel und Ranke hervor. Ranke freilich kommt in dieser Vorarbeit weniger zur Geltung; ihm ist Graetz erst in seiner Geschichtsdarstellung gefolgt, die sich von der begrifflichen Konstruktion weit entfernt hat. Für die Veröffentlichung, die mit einem Literaturnachweis (S. 108 f.) schließt, muß man Verlag und Herausgeber dankbar sein. Berlin. Ismar Elbogen. 57