Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Unikum, da Zinnstücke jüdischer Provenienz mit hebräischen Inschriften aus dieser Zeit bisher nicht bekannt geworden sind. Auch unsere Kenntnis über jüdische Kunsthandwerker im ausgehenden Mittelalter wird erweitert: der Name des Graveurs Mordechai Sohn des Rabbi R. Menachem Man ist auf der Schüssel eingetragen. Eine gelungene, leider etwas zu klein geratene Abbildung ist beigegeben. — „Von der Eigenart der klassischen Handhabung des jüdischen Religionsgesetzes im Rheingebiet" überschreibt Sali Levi seine Studie. Er weist auf eine Teschuwa hin, die Rabbenu Gerschom (960—1028) auf eine an ihn ergangene Scheda erteilt hat. Tatbestand und Entscheidung werden in deutscher Ubersetzung wiedergegeben und daran historische Betrachtungen geknüpft. Obwohl sie mir weder erschöpfend noch überall sachlich zutreffend erscheinen, ist schon der Hinweis auf diese Entscheidung dankenswert, die jüdisches Recht und mittelalterlich-deutsches Recht in einer Zeit in Anwendung zeigt, aus welcher nur spärliche Quellen über die rechtliche Stellung der Juden in Deutschland unterrichten. Die Lokalisierung der Begebenheit am Mittelrhein ist möglich, aber keineswegs zwingend. Diese Entscheidung und ebenso die anderen Responsen von Rabbenu Gerschom bedürfen noch eingehender rechtshistorischer Beleuchtung. Halle [Saale. Guido Kisch. Wilhelm Grau, Wilhelm von Humboldt und das Problem des Juden. Hanseatische Verlagsanstalt. Hamburg 1935. 154 Seiten. Der Verfasser, der sich zuerst der Geschichte der Juden in Deutschland während des späten Mittelalters zugewandt hatte, ist mit dem vorliegenden Werke in die Erforschung der deutschen Judenemanzipation eingetreten. Er wird diese Studien im Rahmen des „Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands" mit umfassender Zielsetzung fortführen. Der wissenschaftliche Ertrag seiner Wilhelm von Humboldt gewidmeten Untersuchung besteht in der sowohl systematischen Zusammenfassung als auch chronologischen Aufgliederung des lebens- und zeitgeschichtlichen Materials, das über Humboldts Stellung zu Juden und Judenrum bereits quellenmäßig erschlossen war. Zunächst werden Humboldts Beziehungen zu jüdischen Menschen — seine Jugendliebe zu Henriette Herz, sein Verhältnis zu Dorothea Veit und Rahel Levin, seine Herzensfreundschaft mit dem Mediziner Israel Stieglitz, sein freundschaftlicher Umgang mit David Friedländer, David Veit, David Ferdinand Koreff, Fanny von Arnstein, dem Hause Rothschild u. a. — eingehend dargestellt. Humboldts grundsätzliche Auffassung des Judenproblems und insbesondere die Judenpolitik, die er als preußischer Staatsmann vertreten hat, werden in zwei größeren Schlußkapiteln abgehandelt. Als die drei entscheidenden Stadien seiner Judenpolitik werden 1. die Fassung der Statuten der neu gegründeten Berliner Universität, 2. das große Gutachten für die preußische Judenemanzipation von 1809, 3. die Forderung einer uneingeschränkten Emanzipation auf dem Wiener Kongreß, hervorgehoben und im einzelnen charakterisiert. Im Mittelteil des Buches sucht der Verfasser das schwer erkennbare Phänomen des jüdischen Einflusses auf Humboldt klarzustellen. Er geht von der Voraussetzung aus, daß bereits in der Erbanlage der Brüder Humboldt der völkische Instinkt gebrochen gewesen sei. Zwar setzt er die seines Erachtens ungünstige Charakterentfaltung Humboldts, insbesondere seine Loslösung aus dem Volksboden, nicht vollends auf das Schuldkonto des Judentums, aber er macht den jüdischen Einfluß dafür mitverantwortlich. Das Erlebnis des Griechentums und die Einwirkung seiner Gattin Caroline von Dacheröden habe den jüdischen Einfluß verebben lassen. Das Essentielle der Monographie liegt darin, daß sie von einem Spezialthema aus "die Plattform für eine Gesamtwertung der Persönlichkeit Wilhelm von Humboldts zu gewinnen sucht, indem sie mittels der nationalsozialistischen Wertaxiomatik seine nationale Zuverlässigkeit in Frage stellt. Berlin. Fritz Friedlaender. Jacob Peiser, Geschichte der Synagogengemeinde zu Stettin, mit 27 Bildbeilagen und einer Skizze im Text Stettin 1935. Verlag der Synagogengemeinde Stettin. 103 Seiten und VIII Ergänzungsblätter. 5 249