Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / Kisch, Guido
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur Ulrich Noack, Geschichtswissenschaft und Wahrheit. Nach den Schriften von John Dalberg-Acton, dem Historiker der Freiheit, 1834—1902. Frankfurt a.M. 1935. Verlag Gerhard Schulte-Bulmke. 207 Seiten. Der Streit um die Geschichtsauffassung, der heute mit Beziehung auf den jüdischhistorischen Stoff auch unter jüdischen Historikern entflammt ist, knüpft bekanntlich immer wieder an das berühmte Wort Rankes an, er habe ja nur erzählen wollen, „wie es eigentlich gewesen ist". Unzweifelhaft wäre es möglich, und vielleicht sogar nötig, über jedes dieser fünf Worte eine besondere geschichtstheoretische Betrachtung anzustellen. Die Meinungsverschiedenheiten konzentrieren sich auf das Grundproblem „Geschichtswissenschaft und Wahrheit", welches das neueste ebenso gelehrte wie gründliche, feinfühlige wie geistreiche Buch Ulrich Noacks zum Vorwurf genommen hat. Der Hinweis auf dieses Werk dürfte nicht ohne Wert auch für die Auseinandersetzung unter den jüdischen Historikern sein. Und das, gerade weil es seine Untersuchungen an die Schriften von John Dalberg-Acton, „dem Historiker der Freiheit", anschließt, der vor zwei Menschenaltern in England der Künder deutscher Geistigkeit und deutscher Wissenschaftlichkeit gewesen ist, der in Cambridge zum Bahnbrecher deutscher historischer Methoden und zum anerkannten Begründer der modernen historischen Schule von Cambridge geworden ist. Halle/Saale. Guido Kisch. Mark Wischnitzer, Die Juden in der Welt, Gegenwart und Geschichte des Judentums in allen Ländern. Erich Reiss Verlag. Berlin 1935. XVI und 416 Seiten. Klein-Oktav. Ein Kompendium der jüdischen Gegenwartskunde für alle Länder der Welt auf 400 Seiten. Politische Geschichte, kulturelle Entwicklung, örtliche und berufliche Verteilung, Gegenwartslage und Wanderungsaussichten der Juden werden in gelungener Übersicht und populärer Darstellung behandelt. Nicht eine tiefgründige wissenschaftliche Arbeit auf Grund selbständiger Forschungen, sondern eine schnell unterrichtende Zusammenfassung zu praktischen Zwecken für die schnelle Orientierung, für welche jetzt ein tägliches Bedürfnis besteht, ist angestrebt. Zweifellos ist dieser erste Versuch vorzüglich gelungen. Die beigebrachten historischen und statistischen Daten sind über das engere Ziel des Buches hinaus auch für den Wissenschaftler von Bedeutung. Er wird hier manches wichtige Material, namentlich neueres und neuestes finden, nach dem er in den bekannten enzyklopädischen Werken vergeblich suchen dürfte. Freilich sind gewisse Mängel der Arbeit nicht zu verkennen, auf die schon von anderer Seite zutreffend hingewiesen wurde: die Schwäche des geistigen Bandes zwischen den einzelnen Teilen des Buches, das Fehlen eingehender Untersuchungen über Hintergründe und Ursachen der Ähnlichkeit des historischen Judenschicksals in der ganzen Welt (vgl. Arthur Prinz, Jüdische Rundschau, 1935, Nr. 100, S. 7). Tieferes Eingehen in die Judengeschichte und Judenfrage jedes einzelnen Landes wird man dagegen füglich nicht erwarten dürfen. Jedoch hätten selbst nur ausgewählte Angaben über Quellen und Literatur dem wissenschaftlichen und Laienbenützer wertvolle Dienste geleistet, zugleich auch die Möglichkeit eröffnet, zu erkennen, wieweit vom Verfasser selbst gesammeltes und bisher unbekanntes Material verwertet ist. Wischnitzers Buch ist für jeden, der sich mit jüdischer Gegenwartskunde befaßt, .ein wertvolles Nachschlagewerk. Halle/Saale. Guido Kisch. Julius Höxter, Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Kleine Ausgabe. J. Kauffmann, Verlag. Frankfurt a.M. 1935. 272 und XIV Seiten. Julius Höxter, Jüdische Geschichte und Literatur in vergleichenden Zeittafeln. J. Kauffmann Verlag. Frankfurt a. M. 1935. XIII Tafeln Quer-Folio. Die kleine Ausgabe des Quellenbuchs zur jüdischen Geschichte und Literatur ist, ebenso wie die Zeittafeln, in erster Linie als Hilfsmittel für den jüdischen Geschichtsunterricht an Volks- und Mittelschulen gedacht, um die Schüler an die historischen Quellen heranzuführen und das Bild des äußeren und inneren ge- 246