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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 245

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Subskribentenlisten als Geschichtsquellen
Date
1936-01-01
Page
Seite 245 (sequence 2)
Language
German
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Literatur russische Kaufleute. Nur vier Subskribenten wohnen in Königsberg, einer in Stallupönen, etwa 30 stammen aus Rußland, und zwar u.a. aus Wilna, Grodno, Nowo-Grodek, Mohilew, Georgenburg, Neustadt-Schirwindt, Minsk, Sluzk. Band 4/5 zeigt, daß man inzwischen versucht hat, im Ausland selbst zu werben. Mehr als 20 Subskribenten werden aus Warschau genannt, einer aus Bialystock, einige wenige aus deutschen Städten. Neben diesem bekannten Werk ein ziemlich unbekanntes, primitives Geschichtswerk: Nahar Meeden von David Samostz, Breslau 1837. Hier sind auf zwei enggedruckten Seiten etwa 160 Subskribenten, größtenteils aus Breslau, Niederschlesien und dem südlichen Teil der Provinz Posen genannt, dazu noch einige Subskribenten aus Warschau und Krakau. Zum Schluß das religions-philosophische Werk des Bach ja ibn Pakuda: Choboth Halbaboth mit jüdischdeutscher Übersetzung und Erklärung von Raphael Fürstenthal, Breslau 1835; es hat nicht weniger als 10 Seiten Subskribenten, fast ausschließlich aus Ostdeutschland. Mittel- und Westdeutschland sind fast nur durch Buchhandlungen vertreten. 13 Subskribenten sind aus Krakau, an der Spitze Oberrabbiner Meysel, aus Warschau wird niemand erwähnt. Kempen, Lissa und Posen sind besonders zahlreich vertreten. Manche Abonnenten des oben erwähnten Pentateuch subskribieren auch dieses Werk. Kleine Orte, in denen heute keine oder fast keine Juden mehr leben, werden mit mehreren Subskribenten erwähnt, so Brätz mit 4, Biala mit 4, Festenberg mit 3, Fordon mit 13, Rakwitz mit 7. Literatur Ismar Elbogen, Geschichte der Juden in Deutschland. Erich Lichtenstein Verlag. Berlin 1935. 319 Seiten. „Die Geschichte der Juden in Deutschland ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte der Juden überhaupt und ein nur unbedeutender Faktor in der Geschichte des deutschen Volkes. Wer sie auf knappem Raum erzählen will, muß mancherlei aus der Geschichte der beiden Völker voraussetzen und den Leser auf die großen Darstellungen der deutschen und der jüdischen Geschichte verweisen. Diese Geschichte soll nach den Quellen erzählt werden, nicht in ihren Einzelheiten, sondern in ihrer Dynamik, in ihren tätigen Kräften, in ihren wirkenden Leidenschaften — niemand zu Liebe, niemand zu Leide, jedermann zu Nutz und Fromm!" Das ist Charakteristik und Ziel der neuesten Darstellung der Geschichte der Juden in Deutschland, mit des Verfassers eigenen Worten ausgedrückt. Elbogen besitzt, wie kaum ein anderer unter den lebenden jüdischen. Historikern, die hervorragende Gabe, die Ergebnisse der geschichtlichen Einzelforschungen in ebenso gefälliger Form wie gediegener Darstellung, in wissenschaftlicher Durchdringung und stoffücher Beherrschung zusammenfassen. Die vorliegende kleine Geschichte der Juden in Deutschland zeigt alle genannten Vorzüge Elbogenscher Arbeitsweise. Sie wird daher den Zweck, weite Kreise für das historische Schicksal der Juden in Deutschland zu interessieren und ihnen eine populärwissenschaftliche Einführung in die Materie zu bieten, vortrefflich erfüllen. Auch der Historiker wird das Buch als willkommenes Hilfsmittel freudig begrüßen. Freilich wird es ihn immer nur die Entwicklung in großen Zügen erkennen lassen. Rechts-, sozial-, wirtschaftsgeschichtliche Ausblicke wird er manchmal vermissen. Der Verfasser verweist auf die großen Darstellungen der deutschen und jüdischen Geschichte. Leider fehlen aber Einzelhinweise auf Quellen und Schrifttum vollständig. Gerade auch für den interessierten Laien, und nicht nur für ihn allein, wäre eine unter kritischen Gesichtspunkten getroffene Auswahl von Literatur angaben von Wert und Wichtigkeit gewesen. Das ist nicht bloß eine Äußerlichkeit, wie man meinen könnte, vielmehr ein Moment, das zu anderen Problemen hinüberführt, hauptsächlich zur Erörterung über die Auffassung der historischen Aufgabe überhaupt. Dazu kann auf Ludwig Feuchtwangers kritische Bemerkungen (Bayerische Israelitische Gemeindezeitung XI, 1935, Nr. 9, S. 197 f.) hingewiesen werden. Zugegeben ist jedoch, daß man über Ziele und Wege jüdischhistorischer Forschungen und Darstellungen verschiedener Ansicht sein kann. Aber der Dank des Lesers für Elbogens gediegene und leicht verständliche Darstellung kann durch solche Erwägungen nicht beeinträchtigt werden. Halle/Saale. Guido Kisch. 245

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