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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 239

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Deutsche Literatur in hebräischer Übersetzung
Date
1936-01-01
Page
Seite 239 (sequence 2)
Language
German
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Guido Kisch. Deutsche Literatur in hebräischer Übersetzung Bibliographie eine monumentale Darstellung dieser jüdischen Kulturleistung geschaffen. Die Juden nahmen Werke von Aristoteles und Plato, Hippokrates und Galen, Thomas von Aquino und Raimundus LulLus durch Übersetzungen in die hebräische Literatur auf. Auf diesem Wege vermittelten sie vor allem die philosophischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Griechen und Araber dem christlichen Abendland. Sie zogen aber auch die in lateinischer Sprache verfaßten Schriften der mittelalterlichen Philosophen in den Bereich ihres wissenschaftlichen Interesses. Dagegen gibt es nur äußerst wenige deutsche Autoren, deren Werke im Mittelalter ins Hebräische übersetzt worden sind. Während der Aufmerksamkeit italienischer und spanischer Juden der große deutsche Philosoph des Mittelalters Albertus Magnus nicht entgangen ist, so daß sich hebräische Übersetzungen von einzelnen seiner Schriften erhalten haben3), sind die Übersetzungsleistungen von Juden in Deutschland während des Mittelalters geradezu unbedeutend und spärlich4). In dem erwähnten Werk Steinschneiders über die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters, das rund 1100 Seiten umfaßt, füllt die Übersetzungsliteratur aus Deutschland noch nicht eine halbe Seite. Der Grund dafür dürfte ein doppelter sein. Zunächst muß man sich vor Augen halten, daß die Heilkunde, zu deren Literatur sich die Juden stets in besonderem Maße hingezogen fühlten, in Mitteleuropa, also auch in Deutschland während des ganzen Mittelalters und noch lange darüber hinaus, praktisch überhaupt kaum wissenschaftlich betrieben worden ist5). Die mittelalterliche Literatur des höfischen Rittertums und des städtischen Bürgertums, zu welchen den Juden der Zugang verschlossen war, konnte auf ihr Schrifttum ebenfalls keinen Einfluß gewinnen. Und die deutsche Volksliteratur des Meister- und Minnegesangs lag dem jüdischen Geiste fern6). Daß es einen jüdischen Minnesänger SüßkindvonTrimberg gegeben hat7), ist eine Ausnahmeerscheinung, durch welche nur die Regel ihre Bestätigung findet. Als weitere Ursache kommt während der Kreuzzugszeit und namentlich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts die ungünstige soziale und wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland hinzu. Die zahlreichen Verfolgungen und Vertreibungen gestatteten zweifellos nicht das ruhige Arbeiten an einem Orte, das schon der spanisch-jüdische Übersetzer des Aristoteles, Don Meir Alguadez ben Salomo um 1400, als eine der unerläßlichen Voraussetzungen für das Zustandekommen eines guten Übersetzungswerkes bezeichnete8). Schließlich blieben andere als in hebräischer Sprache abgefaßte und in hebräischer Schrift gedruckte Bücher oder Werke, die profanen Wissenschaften gewidmet waren, lange Zeit hindurch, bis 3) Näheres darüber bei Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters I, pp. 465 f., § 277. Steinschneider schreibt daselbst die „Philosophia pauperum", von der eine hebräische Übersetzung aus dem 15. Jahrhundert überliefert ist, noch Albert dem Großen zu. Die Schrift ist jedoch jetzt als unechtes Werk erkannt; sie stammt von Albert von Orlamünde; vgl. M. Grabmann, Artikel „Albert der Große" (in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart" I. 2. Auflage, Tübingen 1927, p. 188). 4) VgL Moritz Steinschneider, Zur Quellenkunde für Geschichte der Juden (in: ZGJD II, 1888, p. 151); Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters I, pp. XX—XXI; Moritz Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Deutschland während des XIV. und-XV. Jahrhunderts, Wien 1888, p. 198; Guido Kisch, Die Prager Universität und die Juden, 1348—1848, Mährisch-Ostrau 1935, p. 19. Über altjiddische Übersetzungen deutscher Bücher vgl. Jakob Meitüs, Das Ma'assebuch, seine Entstehung und Quellengeschichte, Berlin 1933, p.4 Anmerkung 2. 5) G.Kisch a.a.O., p. 19. 6) Vgl. Steinschneider a.a.O., p. XXI; besonders Steinschneider, Über die Volksliteratur der Juden (in: Archiv für Literaturgeschichte, II, Berlin 1872, pp. 11 f.). 7) Vgl. Jüd. Lex. V, Berlin 1930, pp. 785 ff., mit Literaturangaben. 8) Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen I, p. 210, § 110. 239

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