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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 183

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1936-01-01
Page
Seite 183 (sequence 2)
Language
German
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Literatur Entwicklung des jüdischen Lebens im neuen Kontinent bekundet. Erwähnung verdient ferner die schöne Studie von Edward D. Colemann „Plays of Jewish Interest on the American Stage 1752—1821" (S. 171—198) wegen ihrer Beziehungen zur deutschen Literaturgeschichte (besonders über Kotzebue S. 185 ff.) und die bibliographische Arbeit von Fanny M. Brody „The Hebrew PeriodicalPress in America 1871—1931, a bibliographical survey" (S. 127—170; vgl. vorher nur den Artikel „Jüdische Presse" im Jüdischen Lexikon, Bd. IV). Halle/Saale. Guido Kisch. Philo-Lexikon, Handbuch des jüdischen Wissens. 3. Autlage. Mit ^Abbildungen und Tabellen sowie 40 zum Teil mehrfarbigen Tafein und Karten. Berlin 1935. Philo Verlag G.m.b.H. VIII S., 832 Sp. Die Herausgeber des Philo-Lexikons, die dieses Buch vor Jahresfrist zum ersten Male einer größeren Öffentlichkeit vorgelegt haben, konnten ihre Arbeit inzwischen zweimal überprüfen, ergänzen und erweitern. Sie hoffen damit, ihrem ursprünglichen Ziele wieder um ein Stück näher gekommen zu sein. Es sollte ein Führer durch Geschichte und Gegenwart des Judentums geschaffen werden, ein knapper Wegweiser durch alle Gebiete jüdischer Wissenschaft, Kunst und Literatur, ein Sammelpunkt für das Gedenken an die Meister jüdischen Stammes aus allen Berufszweigen und in allen Zeitaltern, eine Erinnerung zugleich an manchen Um- und Irrweg des Einzelnen wie der Gemeinschaft in den verschiedenen Zeitläuften jüdischer Geschichte, nicht zuletzt auch ein Zeugnis für Ansporn und Wirkung der in Schmerzen sich vollziehenden Erneuerung des Judentums in unserer Zeit. Die Zeit aber ist diesen Bestrebungen auch sehr entgegengekommen: weniger noch dadurch, daß sie neuen Stoff dem vorhandenen hinzugefügt und die Wertung manches als gesichert geltenden alten Gutes verändert hat, als dadurch, daß sie uns die Apologie erspart, diesen Todfeind jeder Wissenschaft, der vor allem das Studium theologischer Schriften dem Unvoreingenommenen so sehr verleidet. Das Lexikon wendet sich nur an den jüdischen Leser und braucht infolgedessen weder ein Vorurteil zu zerstreuen noch selbst einem Urteil zuvorkommen: Tatsachen werden aufgezeichnet, nach bestem Wissen und Gewissen aneinandergereiht; Folgerungen zu ziehen, wird keinem zugemutet. Der Redakteur hat, wenn eine pädagogische Absicht, so diese eine: daß die notwendig kurze Darstellung der einzelnen Themen den Benutzer veranlasse, den Wurzeln nachzugehen, die klassischen Darstellungen der Wissenschaft des Judentums zu befragen und, also vorbereitet, die klassischen Autoren und Werke selbst zu sich sprechen zu lassen. Hätte man früher darüber streiten können, inwieweit es gerechtfertigt sei, die jüdischen Vertreter und Förderer irgendeines allgemeinen Wissenszweiges oder einer freien Kunst gesondert zusammenzustellen und sozusagen innerhalb der übernationalen Geschichte jeder Disziplin eine naturgemäß fragmentarische Stammesgeschichte einzureichen — heute wird eine solche Betrachtungsweise von keiner Seite mehr eng oder tendenziös genannt werden können, da sie vermutlich den einzigen Weg darstellt, die Namen der Betreffenden im Bewußtsein der breiteren» Gegenwart und Zukunft zu erhalten. So wird, das Lexikon, außer seiner Absicht, dem Laien zu dienen, zugleich zu einer ersten, bescheidenen Sammlung zeitgenössischen Materials für den künftigen Historiker unsrer Epoche. Durch den Zwang, das Wesentliche wenn möglich jeweils in einem Satze zu sagen, war bei jedem der behandelten Begriffe, ob es nun um Geschichte ging oder um Literaturgeschichte, um ein zeitliches oder ein ewiges Problem, immer wieder die Frage zu stellen und zu beantworten: Was ist das Wesentliche? Und war das Ergebnis gelungen, so mußte es eine Lösung sein, die selbst dem Forscher noch etwas sagen konnte. Freilich, wie Heimann einmal ausgesprochen hat: „Es ist leichter, einen Satz zu schreiben, der wert und fähig wäre, ein Aufsatz zu werden, als diesen Aufsatz zu schreiben." Aber die kurze Definition sollte manchmal die Anregung geben für das ausführliche Referat, und insofern wendet sich das Buch auch an den Lehrenden. Das umgekehrte Verfahren — aus dem von anderen erarbeiteten Wissen die Summe zu ziehen, einen Extrakt zu geben — ist natürlich das häufigere gewesen, und hierzu gehört auch eine der graphischen Hinzufügungen zu der neuesten Ausgabe: eine Deutschlandkarte mit den jüdischen Siedlungen vor der Mitte des 13. Jahrhunderts, aufgebaut auf den mühseligen Feststellungen eines größeren enzyklopädischen Werkes, der „Germania Judaica". Berlin. Emanuel bin Gorion. 183

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