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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 181

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1936-01-01
Page
Seite 181 (sequence 2)
Language
German
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Literatur Zeit, die sich selbst gegen die Mechanisierung, die von der Materie her drohte, empörte, hier ein besonderes Sinnbild für sich entdecken. (Hier wäre vielleicht ein Blick auf Goethes Golem-Dichtung zu werfen gewesen, den allbekannten „Zauberlehrling". Gewiß, das Wort „Golem" fehlt hier. Aber der „Hexenmeister" ist da, der aus einem „Besen" (also aus einem rohen Stück HoLz) sich den gefügigen Diener schafft; und auch die Katastrophe der Überschwemmung erinnert fast wortgetreu an eine Fassung aus den „Wundern", die auch Beate Rosenfeld erwähnt. Als Quelle Goethes wird allgemein Lucian angenommen; aber sollte nicht vielleicht durch Herder, den Kenner rabbinischer Sagen, auch diese Golem- Sage dem allezeit Aufmerkenden zu Ohren gekommen sein?) Eine wahre Blütezeit erlebte das Golem-Motiv in der deutschen Romantik. Hier eint sich mit dem Golem noch das Doppelgänger-Motiv; wie Rosenfeld meint „aus der inneren Verbundenheit des Geschöpfes mit seinem Meister" zu erklären, was mir nicht ganz glaubhaft erscheint. Mich dünkt vielmehr, als habe die Romantik, deren Grundproblematik ja in der Spaltung des Ichs lag, hier eines ihrer eigenen Probleme an das ihr vorliegende Golem-Motiv herangebracht. Auch Heids Hypothese (Rosenfeld, S. 43 f.) überzeugt mich nicht ganz. Der Doppelgänger, der „Automat", ist eine echt romantische Beigabe, wie man m. E. deutlich aus den romantischen Dichtungen sieht, in denen Doppelgänger auch ohne Golem immer wiederkehren. Als ich in A. v. Drostes fast unleserlichem Konzept zu ihrem Gedichte „Die Golems" neben den „wandernden Gebilden ohne Blut" in Klammern eine Variante „starre Automaten" fand, da ergab sich der Zusammenhang mit E. T. A. Hoffmanns „Automate" (vgl. meine Ausgabe der „Gedichte" von A. v. Droste-Hülshoff, Bd. I, 2, S. 490, München 1925, G. Müller), die bei Rosenfeld irrtümlich als „Ausgabe von Schulte-Kemminghausen" zitiert wird (a.a.O. S.75). Freilich hat wohl A. v. Droste-Hülshoff den Stoff nicht, wie ich damals annahm, etwa selbst von wandernden Handelsjuden, wie sie in ihrer Judenbuche eine Rolle spielen, gehört; sondern sie hat die Golemsage wohl entweder, wie Rosenfeld annimmt, bei Arnim gefunden, oder, wie ich heute annehmen möchte, der Grimmschen Einsiedler- Zeitung entlehnt oder sie selbst von den Brüdern Grimm einmal gehört, mit denen sie ja lange Zeit eng befreundet war. Jedenfalls ist es merkwürdig, welche Rolle jüdische Stoffe bei dieser adligen westfälischen Dichterin spielen. Es ist manchmal fast so, als ob sie den alten Uradel der Juden selbst bei den Hausierern der Landstraße noch spürte. So etwa in der berühmten Novelle „Die Judenbuche", wo die Juden und ihr Urteilsspruch nichts Geringeres als die ewige Gerechtigkeit verkörpern. Es stimmte mir gut zu solchen Vermutungen, daß ich einmal unter den Entwürfen der westfälischen Dichterin eigene hebräische Schreibübungen fand, die sich offenbar auf den hebräischen Spruch am Schlüsse der „Judenbuche" beziehen. Beate Rosenfeld hat richtig erkannt, daß die Droste von sich aus zu einer neuen Kontrastierung der Golem-Menschen gelangt: es sind ihr nur noch scheinbar Lebende, in Wahrheit seelisch Abgestorbene; eigene schmerzliche Erlebnisse verkörpern sich ihr hier in einem jüdischen Bilde. Die Methode der stoffgeschichtlichen Betrachtung, in der Beate Rosenfeld sich Alewyn nähert, führt sie dahin, in der Behandlung des Motivs selbst ein Spiegelbild der sich wandelnden literarischen Epochen zu finden: in rationalistischer Zeit wird die Sage polemisch und satirisch, in der erwachenden neuen Romantik mystisch behandelt (vgl. bes. den vielgelesenen Golem-Roman von Meyrink). Aber die Urkraft dieses alten Stoffes scheint noch immer nicht erschöpft. Seit dem Erscheinen des Rosenfeldschen Buches hat er bereits wieder zwei neue Bearbeitungen erfahren: der ungeschlachte Diener des Prager Rabbis in Gerson Sterns Roman „Weg ohne Ende" erinnert deutlich an den Golem; und kürzlich veröffentlichte Hermann Sinsheimer eine neue historische Skizze „Kaiser, Rabbi und Golem" (Philo-Verlag, Berlin). Berlin. Bertha Badt-Straass. Arthur Czellitzer, Mein Stammbaum, eine genealogische Anleitung für deutsche Juden, mit 8 Abbildungen. Philo-Verlag. Berlin 1934. 32 S. Der Name des Berliner Augenarztes Arthur Czellitzer ist mit der neueren jüdischen Familienforschung in Deutschland untrennbar verbunden. Vor 10 Jahren hat er die Gesellschaft für jüdische Familienforschung in Berlin gegründet, deren Zeitschrift er jetzt im 11. Jahre mit Hingebung und Sorgfalt herausgibt. 181

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