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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 179

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1936-01-01
Page
Seite 179 (sequence 2)
Language
German
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Literatur Ablegung von Prüfungen als zum regelmäßigen Studium zugelassen worden. Kaiser Josef II. hat im Rahmen seiner Reformen durch das Hofdekret für Böhmen vom 19. Oktober 1781 der jüdischen Jugend den Besuch aller höheren Schulen und Universitäten gestattet. Das früher bei den Promotionen übliche Glaubensbekenntnis wurde im Laufe der achtziger Jahre abgeschafft, der Doktoreid umgewandelt; aber erst das Gesetz vom 27. April 1873 hat durch die Umgestaltung der österreichischen Universitäten in konfessioneller Beziehung die Beschränkungen endgültig beseitigt. Der erste jüdische Dr. med. der Prager Universität wird am 23. Januar 1788, der erste jüdische Dr. jur. civ. 1790 zur Promotion zugelassen. Der erste jüdische Professor an der Prager Universität und während nahezu zweier Dezennien der einzige war Dr. phil. et jur. Wolf gang Wessely (seit 1849). Die Vorgänge bei seiner Berufung enthalten interessante Beiträge zur geistigen Haltung der Prager Juden während jener Übergangszeit vom Ghetto zur modernen Kultur. S. L. Rappoports Urteil in dieser Frage muß besonders gewertet werden. Es erscheint mir fraglich, ob die jüdischen Ärzte in Deutschland die medizinischen Werke ihrer italienischen und spanischen Glaubensgenossen (so Güdemann, S. 198, und Kisch, S. 19) studiert haben. In Deutschland steht das ärztliche Niveau vor dem 18. Jahrhundert im allgemeinen tiefer als z. B. in Italien. Die vorbildliche Gründlichkeit der Arbeit und die Klarheit der Darstellung machen das Werk von Kisch zu einem wichtigen Beitrag jüdischer und allgemeiner Kulturgeschichte und fordern sowohl in bezug auf den Gegenstand wie auf die Methode zur Nacheiferung auf. Köln. Adolf Kober. Louis Gershenfeld, The Jew in Science. The Jewish Publication Societv of America, Philadelphia, Pennsylvania 1934, VII und 224 S. Der Anteil der Juden an der wissenschaftlichen Forschung und Lehre hat bisher eine umfassende Darstellung noch nicht gefunden. Sie könnte auf zwei Wegen gefördert werden: durch monographische Bearbeitung einzelner Wissenschaftsgebiete und durch biographische Behandlung bedeutender wissenschaftlicher Persönlichkeiten. Vollständigkeit in persönlicher und sachlicher Hinsicht wäre am ehesten zu erreichen durch ein großes Gelehrtenlexikon, das alle jüdischen Vertreter der Wissenschaft verzeichnet und ihren Beitrag zu der Gesamtleistung würdigt. Indes schon der Gedanke und erst recht die Ausführung eines solchen Riesenwerkes muß im gegenwärtigen Zeitpunkt utopisch erscheinen. Daher wird man dem Verfasser des vorliegenden Buches, der Professor der Bakteriologie und Hygiene in Philadelphia ist, Dank dafür wissen, daß er den Versuch unternommen hat, die Leistungen der Juden in Medizin und Naturwissenschaften in allen Zeiten und Ländern zu überblicken. Infolge der Fülle des Stoffes ist die Darstellung sehr gedrängt und namentlich für das 19. und 20. Jahrhundert auf lange Listen jüdischer Wissenschaftsvertreter beschränkt, deren Namen und Personaldaten nach wissenschaftlichen Disziplinen geordnet sind. Den jüdischen Wissenschaftlern Deutschlands kommt eine bedeutende Stellung im Werke zu, den Gelehrten Amerikas und den jüdischen wissenschaftlichen Einrichtungen Palästinas sind besondere Kapitel gewidmet. Dagegen sind die Geisteswissenschaften nicht behandelt, mit Ausnahme der Nationalökonomie. Leider fehlen Quellen- und Literaturangaben, die ebenso wie eine Bibliographie nützlich gewesen wären. Halle/Saale. Guido Kisch. Jakob Mehlis, Das Ma'assebuch, seine Entstehung und Quellengeschichte, mit einem Geleitwort von Moses Gaster, London, Berlin 1933, Verlag Rubin Maas, XVI und 152 S. mit Bildtafeln. Nachdem mit dem Schwinden des Ritterwesens und dem Aufkommen des städtischen Bürgertums eine Wandlung in der deutschen Literatur eingetreten war, indem den streng ritterlich-adeligen Dichtungen Erzeugnisse von rein volksmäßigem Charakter gefolgt waren, begann auch in jüdischen Kreisen eine neue Literaturgattung aufzublühen, die Ma'asse, die Erzählungen vom Leben berühmter Männer. Wenn auch diese Literaturgattung zum größten Teil ihren Stoff der älteren Agada entlehnte, hatte sie dennoch einen wichtigen charakteristischen Zug aufzuweisen: sie war in der Sprache des Volkes geschrieben, dem Jiddischen. Denn die Ma'assioth wandten sich in erster Reihe an die Ungebildeten, an Frauen und Männer aus dem Volke, die des Hebräischen und Aramäischen unkundig waren. 8* 179

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