Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur zahlreiche Ergänzungen gewinnen lassen. Man wird künftig Wachsteins großes Inschriftenwerk nur noch in Verbindung mit dem Ergänzungsbande benützen können, der viel Neues zur Personen- und Familiengeschichte bringt Durch ein sorgfältig gearbeitetes Personenverzeichnis und Ortsregister ist das sehr leicht gemacht Halle/Saale. Guido Kisch. Ocsar Janowsky, The Jews and minority rights (1898—1919), with a foreword by Judge Julian W. Mack. New York, Columbia University Press, 1933. 419 S. Der Wilsonschen Ideologie vom Selbstbestimmungsrecht der Völker entsprang auch der Gedanke des Schutzes völkischer und kultureller Minderheiten, welcher zum ersten Mal in den Jahren 1919 und 1920 eine rechtliche Formulierung erhalten hat. Da die Juden in allen Staaten Minderheiten bilden, die früher von den Gesetzgebungen ausschließlich unter religiösen Gesichtspunkten betrachtet wurden, an deren Stelle in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich nationale getreten sind, hatte der Schutz ihrer Minderheitenrechte Staats- und völkerrechtliehe Bedeutung. Georg Landauer hatte sich in seiner Kölner Doktordissertation „Das geltende jüdische Minderheitenrecht" (Leipzig und Berlin 1924) mit diesen Fragen beschäftigt. Die interessanten historischen und politischen, diplomatischen und juristischen Probleme, die sich an jenen Fragenbereich knüpfen, haben jetzt in der vorliegenden Arbeit eine erschöpfende Behandlung für den Zeitraum von 1899—1919 auf Grund des überaus fleißig zusammengetragenen ungeheuren Quellenmaterials erfahren. Leider gestattet der beschränkte Raum dieser Anzeige nicht, auf Einzelheiten einzugehen. Wer sich mit Fragen beschäftigt, die diesen Gegenstand berühren, wird an dem Werk nicht vorübergehen können. Es enthält auf S. 391—411 zahlreiche bibliographische Angaben. Halle/Saale. Guido Kisch. Guido Kisch, Die Prager Universität und die Juden 1348 — 1848. Mit Beiträgen zur Geschichte des Medizinstudiums. Verlag Jul. Kittls Nachf., Mährisch-Ostrau 1935, X und 239 Seiten, mit 2 Lichtdrucktafeln. Die Arbeit von Guido Kisch, die den Beziehungen der Prager Juden zu der ältesten, 1348 gegründeten Universität in Mitteleuropa nachgeht, ist freudigst zu begrüßen. Sie zerfällt in einen textlichen und einen urkundlichen Teil; dieser bringt ausgewählte Urkunden zur Geschichte der geistigen Emanzipation der Juden in Prag und schafft damit die Unterlage für den Text. Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte bestehen nicht einmal die oberflächlichsten unmittelbaren Beziehungen zwischen Juden und Hochschule. Bei dem katholischen Charakter der Hochschule Prag ist für Juden daselbst kein Raum; seit dem Reformationszeitalter erweitert sich sogar die Kluft zwischen der jüdischen und christlichen Bildung immer mehr. Nur zwei Ausnahmen gab es: die Prager medizinische Fakultät übte eine gewisse Aufsicht verwaltungsrechtlicher und gesundheitspolitischer Art über das Medizinalwesen der Träger Judenstadt aus; ferner waltet die Universität als Zensurbehörde über die jüdischen Bücher, doch wurde bereits 1560 diese Zensur gegen den Widerspruch der alten Universität den Jesuiten übertragen. Im 16. und 17. Jahrhundert weist Prag eine Reihe verdienter jüdischer Ärzte aus fremden Ländern auf; diese aber hatten keine Beziehungen zur Universität An Fähigkeit und Leistung standen ihnen die einheimischen jüdischen Ärzte nicht nach; ihre Tätigkeit war nicht selten mit dem Apothekerberuf verbunden. Wie anderswo gab es ganze Ärztedynastien. Ein Teil der in Prag praktizierenden jüdischen Ärzte hatte sich wie die jüdischen Ärzte aus allen europäischen Ländern seine medizinischen Kenntnisse oder den Doktorhut an italienischen Universitäten, in erster Reihe an der im Jahre 1222 gegründeten Universität zu Padua erworben. Moses Saiomon Gumpertz, der sich an der medizinischen Fakultät in Prag 1719 mit Erfolg einer Prüfung unterzogen hat, um als „Adjunkt" bei seinem Vater, dem Prager jüdischen Gemeindearzt, tätig zu sein, ist der erste in Deutschland, und zwar 1721 in Frankfurt a. O. zum Doktor der Medizin promovierte Jude. Seit dem Zeitalter der Aufklärung^ studieren auch Prager Juden an den deutschen Universitäten, wie Frankfurt a. d. O., vor allem an der Universität Halle, die von 1749—1772 acht Prager Juden zu Doktoren der Medizin promoviert, darunter Abraham Kisch, den Lehrer Moses Mendelssohns. Juden sind an der Prager Universität früher zur 178