Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension] / Kisch, Guido
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259306--4591-2262402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Literatur Herbert Meyer, Das Mühlhäuser Reichsrechtsbuch aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Deutschlands ältestes Rechtsbuch nach den altmitteldeutschen Handschriften. (Schriften der Akademie für deutsches Recht. Gruppe V: Rechtsgeschichte) Herrn. Böhlaus Nachf. Weimar 1934, XI und 203 S. Die Ausgabe der vorliegenden deutschen Rechtsquelle (über sie vgl. Karl Frölich, Savigny-Ztsch., germ. Abt. LV, 1935, S. 384 ff.) verdient Erwähnung in dieser Zeitschrift, weil die ihr zu Grunde gelegte Handschrift des Stadtarchivs zu Nordhausen (Sign. II Na 6) das Formular eines Judeneides, von einer Hand des 14. Jahrhunderts auf einem eingeklebten Papierstreifen niedergeschrieben, enthält. Ferner ist der bekannte Erfurter Judeneid (ca. 1160 bis 1200) durch seine Sprache für die Feststellung der Abfassungszeit des Mühlhäuser Reichsrechtsbuchs von Bedeutung. Dies veranlaßte den Herausgeber zu interessanten Darlegungen über die mittelalterlichen Judeneidesformen (S. 69—72), für welche auch der Görlitzer Judeneid (12. Jahrh.) herangezogen ist. Die überaus wertvollen Ausführungen von Hans von Voltelini „Der Wiener und Kremser Judeneid" (Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien XII, 1932, S. 64—70), sind ihm entgangen. Das ganze Problem des mittelalterlichen Judeneidsrechts bedarf neuerlicher rechtsgeschichtlicher Untersuchung, die ich hoffe, in absehbarer Zeit in Angriff nehmen zu können. Halle/Saale. Guido Kisch. Zum vierzigjährigen Bestehen der Israelitis ch - T h e o 1 o gis ch en Lehranstalt in Wien, zugleich Jahresbericht XXXVII—XXXIX, 1929— 1932. Wien 1933. Selbstverlag der Anstalt. 169 S. Abgesehen von den Ausführungen zur Geschichte der Anstalt verdient unter den wissenschaftlichen Beiträgen zu dieser Festschrift die Abhandlung von A. K r i - stianpoiler, „Einiges zu den Orts- und Zeitdaten des ersten Kreuzzuges" (S. 75—92), die Aufmerksamkeit des Historikers. K. überprüft die Orts- und Zeitangaben der hebräischen Kreuzzugsberichte, wodurch er zu einer Reihe ansprechen- ' der neuer und berichtigender Einzelfeststellungen kommt. Namentlich glaubt er, so erwiesen zu haben, daß Peter von Amiens an den Judenmetzeleien in der Rheingegend nicht teilgenommen habe, während in christlichen Quellen das Gegenteil behauptet wird. Die Abhandlung zeigt, wie wünschenswert eine neue umfassende Untersuchung über die Kreuzzugsberichte wäre (vgl. die Literaturangaben in den Anmerkungen 2, 15, 48). Freilich müßten dazu erst die quellenkritischen Voraussetzungen geschaffen werden. Halle/Saale. Guido Kisch. Bernhard Wachstein, Randbemerkungen zu meinen Inschriften des alten Judenefriedhofes in Wien. Sonderabdruck aus Quellen und Forschungen der Juden in Deutsch-Österreich, Band XI, S. 13—123. Verlag der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Wien 1934. Der kürzlich dahingeschiedene große Gelehrte B. Wachstein hat zu seinem Monumentalwerk „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien" (2 Bände, Wien 1912 und 1917) jahrelang Berichtigungen und Ergänzungen gesammelt, die sich aus der ständigen weiteren Beschäftigung mit den dort aufgeworfenen historischen Fragen ergaben. Mit der ihm eigenen wissenschaftlichen Akribie und bibliographischen Genauigkeit hat er das reiche Material in einem Ergänzungsband zusammengestellt. Nichts kann die Richtigkeit seiner wissenschaftlichen Methode besser bezeugen als der Inhalt dieser letzten größeren Abhandlung, die ihm die Wissenschaft verdankt. In mühevoller Kleinarbeit werden einzelne Urkunden, Hinweise und Bemerkungen aus den Quellen zusammengesucht, wie Steinchen an Steinchen gefügt, um das früher gezeichnete Bild zu vollenden oder zu ergänzen, vorsichtig aufgestellte Vermutungen zu bestätigen, die beigebrachte Beweiskette durch Einfügung eines neuen Gliedes zu schließen. Dazu haben eigene und fremde Forschungen Wachstein das Material geliefert. Leider hat ihn mein 1935 erschienenes Buch „Die Prager Universität und die Juden 1348—1848" nicht mehr erreicht. Bei den zahlreichen geschäftlichen und Familienbeziehungen, durch welche die Wiener mit der Prager Judenstadt verbunden war, hätten sich von dort noch 177