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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 127

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 127 (sequence 15)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers „Ew. Wohlgeboren haben vor mehrern Jahren die Gebethe der Juden ins deutsche übersetzt. Ihre damahlige Arbeit ist Ihnen so gelungen, daß dem Kenner nichts zu wünschen übrig geblieben ist. Allein bey Ihrem Geschmacke und dem Bestreben, stets fortzuschreiten, ist es doch höchst wahrscheinlich, daß Sie selbst im Laufe der Zeit hie und da in Ihrer Übersetzung manches gefunden haben mögen, das Sie jetzt anders und daher gewiß noch besser geben würden. Überdieß sind, so viel ich weiß, die sogenannten Tischgesänge für Sonnabend „Semiroth leschabbath" garnicht übersetzt. Da ich nun, um die Druckerey der Freyschule einiger Maßen zu benutzen, eine neue Auflage von jenen Gebethen zu machen gedenke und es bey dem Publicum, für das sie bestimmt sind, den Werth derselben ungemein erhöhen würde, wenn auf Titelblatt die Versicherung gegeben werden könnte, daß Sie solche aufs neue durchgesehen, verbessert und mit einer Übersetzung der „Semiroth" vermehrt hätten, so gebe ich mir die Ehre, ganz ergebenst anzufragen, ob die Schule — Ihre Schöpfung — auf diese Gunst von Ihrer Seite rechnen darf. Bey Ihrer Geneigtheit, das Gute zu befördern, fürchte ich nur dann eine abschlägige Antwort, wenn gebiethende Umstände sie nothwendig machen, und daher füge ich nicht einmahl eine Entschuldigung wegen der Dreistigkeit meines Antrages hinzu. Ich bin etc. Bendavid. 31.1.21. An David Friedländer." Friedländer glaubte nicht, daß Bendavid mit einer neuen Auflage Erfolg haben würde. Wenn dieser von seinem Plane nicht Abstand nehme, möchte er den Prediger Auerbach mit der Revision beauftragen, er selber leide an Augenschwäche. Friedländers Antwort38) ist von Berlin, nicht von Charlottenburg datiert: „Ew. Wohlgeb. danke ich zuvörderst für alles Freundliche, das Sie mir in Ihrer gestrigen Zuschrift sagen, und für das Zutrauen, das Sie mir darin bezeugen. Ob Sie wohl thun ,die Gebete* neu aufzulegen, muß ich Ihrer Überlegung und treuer Sorgfalt für das Institut überlassen. Mir scheint die Unternehmung in keiner Hinsicht fruchtbringend zu seyn, doch enthalte mich darüber aller Urtheile. So viel kann ich nur sagen: Ich habe die Übersetzung, die mehr als dreyßig Jahre alt ist, seitdem nicht wieder angesehen. Zu verbessern dürfte schwerlich etwas daran seyn, da der wichtigste und größte Theil Mendelssohn gehört, ich meyne die Psalmen39) etc. Diesem mißfiel, wie ich mich erinnere, vorzüglich die Vorrede, die ihm für den gemeinen Leser zu hoch schien. Die Tischgesänge halte ich für unübersetz- Iich und mit Anspielungen auf Ceremonien, die vielleicht kein Israelite mehr kennt und bespöttelt. Herder hat „Lecha Dodi" ins deutsche übertragen und, wie mich dünkt, mit Glück, diese Übersetzung wäre aufzunehmen. Auch Euchels Ausgabe wäre zu Rathe zu ziehen, welche mit deutschen Schriftzügen gedruckt ist, ich besitze weder seine noch meine Übersetzung. Zu diesen innern Gründen kommt noch der Umstand, daß ich an Augenschwäche leide und mir wenigstens auf einige Zeit das Schreiben, mehr noch das Lesen, versagen muß. Wenn Sie Ihren Plan nicht aufgeben und eine neue Auflage — mit hebräischen oder deutschen Schriftzügen? — veranstalten, so würde ich rathen, dem Prediger Auerbach die Revision zu übertragen. Er ist der Sache gewachsen und wird die Arbeit mit Ver- 38) Orig. a.a.O. 39) Berlin 1783; s. hierzu Friedländers Aufsatz in der Berlinischen Monatsschrift 1786 II, S. 523 ff. In der Vorerinnerung zu den „Gebeten der Juden" schreibt Friedländer über seine Verwendung der Mendelssohnschen Psalmenübersetzung: „Die Übersetzung derselben ist bis auf einige geringfügige Abänderungen aus der mit deutschen Lettern erschienenen Übersetzung der Psalmen unseres großen Lehrers und Zeitverwandten, des jetzt verewigten R. Mosche ben R. Menachem [Moses Mendelssohn), genommen. Ich habe hie und da den Bau seiner Perioden und seine nachdrückliche Kürze, die dem Original gleichkömmt, abändern und zerstören müssen, um den Sinn faßlicher zu machen". Eine zweite verbesserte Auflage von Mendelssohns Psalmen erschien unter Mitarbeit Friedländers Berlin 17S8. 127

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