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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 65

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländer und seine Zeit
Date
1936-01-01
Page
Seite 65 (sequence 1)
Language
German
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David Friedländer und seine Zeit Von Ernst Fraenkel Die Geschichte der Juden ist mehr als die irgendeiner anderen Gemeinschaft nur im weltgeschichtlichen Zusammenhang zu begreifen, und darum gibt es keine jüdische Geschichte ohne Verständnis für die allgemein-geschichtlichen Erscheinungen, die auf ihre äußere und innere Gestaltung eingewirkt haben. Doppelt reizvoll und doppelt schwierig wird die Erfassung und Darstellung einer Epoche jüdischen Geschehens, in der sich revolutionierende Erschütterungen in der Sphäre des geistigen und sozialen Lebens der Umwelt vollziehen, wenn es gilt, wechselseitige Wirkungen in ihren historischen und kulturellen Bedingtheiten zu beobachten und die Wurzeln eines bestimmten Wandlungsprozesses im nationalen oder universalen Denken bloßzulegen. Eine solche Periode bestimmter soziologischer und sozialpsychischer Bewegungen ist die Zeit, in deren Rahmen die acht Jahrzehnte des Lebens David Friedländers eingespannt sind. Wie Aufklärung, Klassik und Romantik im deutschen Geistesleben Strömungen in Kunst und Philosophie sind, so bedeutet die „Haskala" für die in Deutschland, besonders die in Preußen wohnenden Juden eine Wandlung in der Idee der Erziehung und Bildung, in der Auffassung von Religion nach Form und Inhalt; in Moses Mendelssohn und seinem Kreise — Hartwig Wessely, Marcus Herz, Isaak Euchel, Lazarus Bendavid und David Friedländer, — später in Zunz, Geiger, Hirsch und Riesser entstehen der jüdischen Gemeinschaft Persönlichkeiten, die durch ihr Wirken auf geistigem, sozialem und gesellschaftlichem Gebiet dem Antlitz des Judentums ihrer Zeit eine neue Prägung geben und eine geistige Revolution „von oben nach unten" hervorrufen. Wenn in dieser epochalen Periode ein neues Weltbild entstand, wenn sich eine neue Erkenntnis von den inneren Beziehungen zwischen Gott und Mensch ergab, wenn die „Perfektibilität" der Menschheit in dem Mittelpunkt alles Strebens stand, wenn die Begriffe Freiheit, Toleranz und Humanität vom Schlagwort zur Forderung an die Zeit gemacht wurden und als reale Folge neuer Ideen neue politische Willensimpulse erwuchsen, dann konnten die Juden von diesem Erwachen der Geister in der Umwelt nicht unberührt bleiben, sie, die Glieder einer Gemeinschaft, auf der besonders der Druck der Unfreiheit lastete. Ihre führenden Persönlichkeiten schufen sich ein in bewußtem Gegensatz zur Vergangenheit stehendes neues \Bildungs- und Erziehungsideal, das die in der Zeit schöpferisch schaffen- 1 6S

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