Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur handelt sich nur um Frontkämpfer, die der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören — ist die Nummer, mit der sie in der amtlichen Verlustliste geführt werden, verzeichnet. Wenn man die Verluste der jüdischen Gefallenen aus den von der Statistik nicht erfaßten abgetretenen Gebieten und sonstige Hemmnisse bei der Forschungsarbeit berücksichtigt, so ist bestimmt mit einer Mindestziffer von 12000 gefallenen deutschen Juden zu rechnen. Nach den in früheren Jahren erschienenen zahlreichen Einzeldarstellungen über die Kriegs Verluste der Juden stellt das vorliegende Gedenkbuch ein abschließendes Dokument von besonderer historischer Bedeutung dar. Berlin. Ernst G. Löwenthal. Jahrbücher und Zeitschriften Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Cechoslovakischen Republik, herausgegeben von Samuel Steinherz. IV. Jahrgang, mit 14 Beilagen und 9 Bildseiten. Prag 1932. Im Selbstverlag. Der vierte Jahrgang dieses Jahrbuches bringt wieder eine Reihe wertvoller Abhandlungen und Urkunden zur Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren. An der Spitze steht eine kritisch-programmatische Untersuchung von Bernhard Heilig über Ziele und Wege einer Wirtschaftsgeschichte der Cechoslowakischen Republik. Die Kritik richtet sich gegen eine Studie von Engel im zweiten Jahrgang des Jahrbuchs und lehnt mit Recht die Anschauung ab, als ob in der Wirtschaft der Judengasse die Beschäftigung mit Handwerk und Landwirtschaft eine besondere Rolle gespielt hätten. Die Darstellung weist die überragende Bedeutung des Handels, seine Anpassung an die äußeren Verhältnisse, sein allmähliches Ubergreifen auf verschlossene Gebiete, seinen Durchbruch zur Gewerbefreiheit noch vor Verkündung derselben, seinen Aufschwung über die Technik innerhalb Mährens nach und gibt damit einen Aufriß für eine jüdische Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Diese wird freilich erst nach vielen derartigen eindringenden Einzelforschungen geschrieben werden können. In den Noten wird sehr häufig die Jüdische Encyclopädie zitiert; diese bequemen Hinweise entbinden jedoch den Spezialforscher nicht von der Pflicht, die Quellen selber zu durchforschen, die ihm (wie z. B. meine „Meßgäste") noch manches gegeben hätten. — Über die schwierige Frage der Entstehung und Benennung der AltraeuschuJe in Prag handelt Zdenka Münzer besonders vom Standpunkt des Architekten aus unter Beigabe entsprechender Zeichnungen und Abbildungen. — Bert hold B r e t h o 1 z berichtet sehr ausführlich über den; Streit der Judengemeinde Ungarisch-Brod mit ihrem Grundherrn, dem Grafen von Kaunitz, gest. 1655, der sie übel genug behandelte und auch innerhalb der Gemeinde selbst dadurch Zwistigkeiten entfachte. — Michael Rachmuth führt in einem zweiten Teil seine wertvolle Geschichte der Juden in Neuhaus zu Ende. Der von ihm öfters erwähnte Abraham Schwab ist unter den Leipziger Meßgästen verschiedentlich zu finden (s. meine „Meßgäste", Register). Der Familienname Bobele oder Bobelle, den Schwab nebenbei führte und überhaupt später annahm, soll nach einer Tradition in der Familie — wie mir ein Abkömmling sagt — eine Zusammensetzung von beau und belle sein und auf den französischen Ursprung der Familie hinweisen. Mir erscheint diese Überlieferung nicht überzeugend; ich vermute, daß vielmehr das süddeutsche Kosewort Bobele, Püppchen, kleines Kind, hier vorliegt. — Die Abhandlung von Tobias Jakobovits bringt auch diesmal wieder eine interessante Besonderheit, die Erlebnisse des Prager Oberrabbiners Simon Spira (1640—1679), der einer falschen Anschuldigung wegen Mordes zum Opfer fiel und erst durch Eingreifen des Kaisers aus dem Kerker gelöst werden konnte. Der ungeheuerliche Prozeß zeigt nicht bloß die schlechte Justiz jener Zeit, sondern auch traurige Bilder aus der Judengasse selber. Von besonderem Werte ist. die Darstellung der jüdischen Gerichtsbarkeit in Prag. Die beigegebene Abbildung des Grabsteines des Oberrabbiners mit seinem Reliefbild erweckt auch religionsgesetzliches Interesse. — Eine neue Quelle zur Geschichte der Juden in Prag erschließt Jaroslav Prokes, deutsch von Anton Blaschka, in den Urkunden der Ghettokonskription des Jahres 1729. Die sehr eingehenden Aufnahmen der Ghettobewohner sollten die Unterlagen für eine Verminderung der Juden in Prag und ganz Böhmen bilden, die nicht stattfand; anstatt dessen bilden 60