Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zum Martyrologium des Nürnberger Memorbuches
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259305-2262121--4431-2262207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literatur sedere dignetur ad presens propter metum supradictum clerico predicto silencium imponendum, maxime cum parati simus vice domini nostri M. clericis et laicis iusticiam exhibere iudeo querelantibus de eodem. 2. Eine größere Anzahl von Ortsnamen des Memorbuches, die von Saifeld überhaupt nicht oder falsch identi- Literatur fiziert wurden, hat Paul Rieger in seinen Zusammenstellungen der jüdischen Siedlungen in Württemberg (in: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg, Augsburg 1932) zum erstenmal gedeutet 3. Zwei Notizen zum Martyrologium gibt Hans Lichtenstein in MGWJ 77 (1933), S.140f. Besprechungen Gerhard Keßler, Die Familiennamen der Juden in Deutschland. (Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte, 53. Heft.) . Leipzig 1935, Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte E. V. 151 S. Zu diesem neuerdings häufig behandelten Thema Neues zu sagen, ist nicht leicht, aber man muß es dem vorliegenden Buche nachrühmen, daß es durchaus originell und lebendig ist. Als Nationalökonom kam Keßler von wirtschaftsgeschichtlichen Studien auf die Namensforschung, und gerade in der geschichtlichen Behandlungsweise und in der vergleichenden Methode der ständigen Heranziehung der Namen der Umwelt liegt die Stärke des Buches. Ein sehr umfangreiches Material, das sich bis auf die Listen großer jüdischer Vereine und das Berliner Adreßbuch erstreckt, ist vom Verf. durchgearbeitet und sorgfältig gesichtet. Er teilt es in die alten Rufnamen (S. 14 ff.) und das große Gebiet der Familiennamen (S. 28—98), die er in Herkunftsnamen wie Ortsnamen (S. 30 ff.), Stammesnamen (S. 54 ff.), Hausnamen und Nachbarschaftsnamen (S. 57 ff.), in Väternamen (S. 60 ff.), Berufs-, Eigenschafts-, Spitz- und Necknamen (S. 65 ff.) sowie Wiilkürnamen (S. 77 ff.) gruppiert. Jede Gruppe wird eingehend besprochen und durch 23, mehrfach noch untergeteilte alphabetische Namenslisten veranschaulicht. Ein abschließendes Kapitel „Der Namenswechsel im deutschen Judentum" (S. 99 — 108) zeigt an zwei weiteren Listen, wie gewaltsam und sinnlos die Namenwahl der Emanzipationszeit vielfach erfolgte. Zusammenfassend sagt Verf. S. 109, daß „sich der Hauptbestand der deutschen Judennamen aus der Geschichte des jüdischen Volkes und aus dem Wesen des jüdischen Volkstums vollauf erklären" läßt; „er ist sinnvoll und achtungswürdig wie jeder Kulturbesitz einer Nation". Sehr instruktiv ist die Übersicht der 13 Gruppen deutscher Familiennamen, die bei Juden nicht vertreten sind (S. 108 ff.), worunter dem Leser dieser Zeitschrift die durch die geschichtlichen Verhältnisse, besonders durch die auch S. 38 ff. herangezogene Siedlung und Wanderung, bedingten, von größtem Interesse sein werden. Auch die Verzeichnisse S. 121 ff., die der nichtjüdischen Namen. (S. 135 ff.) und der jüdischen Namen (S. 139—151), werden dem Leser sehr willkommen sein. Verf. beschränkt sich bewußt auf die in Deutschland vorkommenden Namen,, zumeist auf die der letzten Jahrhunderte, während die mittelalterlichen Namen aus Aronius' Regesten, aus Salfelds Martyrologien oder Süßmanns Erfurter Judenbuch wenig berücksichtigt sind. Daß bei solchen Forschungen Irrtümer unvermeidlich sind, weiß der Verf., die Namengebung ging ja mitunter eigenartig vor sich. Wie sich die Kasseler Brüder Ostheim, Westheim usw. nannten (S. 82), soschrieb nach einer Überlieferung ein Bürgermeister in der Provinz Posen die sich meldenden Juden der Reihe nach mit den Namen der Wochentage ein. Ein anderer mißverstand die Antwort der Juden auf die Frage, welchen Namen sie wünschten, „wie Sie heißen" (= wie Sie befehlen) dahin, daß sie seinen Namen begehrten, und schrieb sie alle „Schmidt" ein. Manche Namen sind nicht richtig hergeleitet, so z. B. ist Avigdor (S. 11) biblisch (I. Chron 4,4) und konnte sich Victor assimilieren. Asch ist S. 47 richtiger abgeleitet als S. 18; Ach kommt eher von Aach am Bodensee als von Aachen (S. 39, 47), Bacher (S. 48) nach der hebräischen Schreibweise sicher von Bacharach, Ahlbeck wahrscheinlich von der gleichnamigen württembergischen Grafschaft. Rawack (S. 68) ist eine Zusam- 57