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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 51

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Die Namengebung der westfälischen Lanjudenschaft von 1808
Date
1936-01-01
Page
Seite 51 (sequence 5)
Language
German
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MiszeUen heraus, weil er schon 200 Jahre zuvor einer anderen Familie zur Benamung diente, die in den Judenlisten von Eschwege um 1643 erwähnt wird und sich dami im! Oberwesergebiet ausbreitete. Dieser vor den Toren des Städtchens Zierenberg gelegene Bergkegel „Katzenstein" soll in grauer Vorzeit eine Thingstätte der Chatten oder Katten10) gewesen sein. Demnach wäre er ein topografischer und etymologischer Vetter von Katzenelnbogen, der in lateinischen Urkunden als Cattimelibocus vermerkt wird, d.i. Melibokus der Chatten. 10) An die Charten erinnert u. a. auch die Burg Katz am rechten Rheinufer gegenüber von St. Goar. Miszellen Die Stellungnahme der bayerischen Staatsregierung zu den Reformrabbinerversammlungen (1837 —1846). Von Adolf Eckstein s. A.*) Die bayerische Staatsregierung und ihre Vollzugsbehörden gingen seit dem Erlaß des Judenedikts vom 10. Juni 1813 von der Voraussetzung aus, daß die nach ihrer Auffassung erforderliche „Erziehung" der Israeliten zur Erlangung ihrer staatsbürgerlichen Reife eine Kulturaufgabe des Staates sei und daß die Förderung dieser Kulturaufgabe von der religiösen; und kirchlichen Seite in Angriff genommen werden müsse. Als Beispiel dieser damals in maßgeblichen Kreisen herrschenden Anschauung sei eine gutachtliche Äußerung der Regierung des Obermainkreises (jetzt Oberfranken) vom 30. September 1830 mitgeteilt: „Unsere Absicht ist bisher dahin gegangen, durch einzelne gebildete Rabbiner und die ihnen beigegebenen gebildeten Religionslehrer in einzelnen Gemeinden die (jüdischen) Kirchengebräuche zu reformieren, dadurch Beispiele und Muster für die anderen Gemeinden aufzustellen und so nach und nach, ohne Zwang und ohne directe Einwirkung, eine bessere Kirchenordnung einzuführen1)." So lautete das Programm der Staatsregierung. Der führende Reformrabbiner in Bayern war damals Dr. Josef Aub in Bayreuth, der an der durch Abraham Geiger veranlaßten Zusammenkunft und Besprechung von freigesinnten Rabbinern in Wiesbaden teilnahm und über den Zweck und Erfolg derselben am 30. Oktober 1837 einen Bericht folgenden Inhalts an die kgL Regierung *) Aus dem literarischen Nachlaß; s. den Nachruf in diesem Heft. x) Nach Ministerialakten. Vgl. Jost, Neuere Geschichte der Israeliten 1, S. 132—134. 4* des Obermainkreises, Kammer des Innern, gelangen ließ2): „Die im Monat Juni a. c. zu Wiesbaden versammelten Rabbiner waren alle von der Überzeugung durchdrungen, daß die religiöse Aufklärung ihrer israelitischen Mitbrüder eine Forderung der Zeit nicht bloß, sondern auch der mosaischen Religion selbst sei, und daß nur in einer erleuchteten Religiosität für Israel Heil erwachsen könne. In der Tendenz, den Glauben Israels von Vorurtheilen, das Leben von Mißbräuchen zu reinigen, einig, handelte es sich um den Weg, weicher am sichersten zum Ziele führe. Aber auch da herrschte das Einverständniß, daß ein verbesserter Jugendunterricht und Gottesdienst — wie wichtig der Einfluß von beiden sey — allein nicht hinreichend sey, wenigstens in der Gegenwart, den Israeliten zum frommen und edlen Menschen in dem Kreise seiner Mitbürger heranzubilden, sondern daß auch das praktische Leben in dem Staate und in der Gesellschaft ein' Moment der Reform seyn müsse. Wie aber in das Leben einzugreifen sey? das war die Frage, deren Beantwortung Debatten hervorrief. Einerseits durfte man nicht, um nicht sich selbst allen Einfluß zu nehmen, allzu sehr gegen die herrschende Meinung der Menge und deren fanatische Vertreter anstoßen; anderseits sah man die Gefahr für die heranwachsende Generation in dem Provozieren der nothwendig gewordenen Reform des israelitischen Lebens. Endlich kam man darin überein, den Weg der 2) Aus Akten des Staatsarchivs Bamberg. Über die Verhandlungen der Rabbinerversammlung zu Wiesbaden ist sonst zusammenhängend nichts bekannt. Vgl. Jost a. a. O. III, S. 148, und M. Philippson, Neueste Geschichte des jüdischen Volkes I, S. 198. 51

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