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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. 86

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Zum Geleit
Date
1935-01-01
Page
86 (sequence 1)
Language
German
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Das Gotteshaus gibt einer Heimat ein Eigenes noch: es sagt, was die Heimat bedeutet. Seine Heimat haben, ist Sache des Geschickes. Verstehen, was uns die Heimat ist, durch das Gotteshaus es verstehen lernen, das ist Besitztum der Seele. Wer nur den Boden, auf dem er steht, nur dieses Stück der Erde erfaßt, auf dem er seine Jahre hat, wer liebend und denkend dieses Diesseitige allein ergreift und das alles, worauf das Gotteshaus hinweist, das Unendliche, Jenseitige nicht kennt, der weiß um den Sinn der Heimat nicht. Erst die Geschichte eines Gotteshauses ist darum die Geschichte von einer Heimat, von dem Platz und dem Recht, von dem tiefen Grunde eines Daseins. Sie ist wahre Geschichte; denn sie erzählt nicht nur, was gewesen und geworden ist, sondern sie sagt, was unter und hinter dem allen immer wohnte. Das Gotteshaus spricht vom Geist des Geschehens, von dem, was lebendiger und stärker ist als alles, was Zeiten geben und Zeiten nehmen. Es kündet die bleibende Heimat, in der das geborgen ist, was allen Wandel der Tage überdauert. So sind die neun Jahrhunderte der Synagoge Worms nicht nur dieses Große, daß sie ein Denkmal sind von einer Reihenfolge der Geschlechter, dreißig Geschlechtern und mehr auf dem gleichen Boden, ein Sinnbild von Erbe und Weihe der Heimat. Sie bezeichnen noch mehr; sie offenbaren die Kraft, die stetiger blieb als alle Macht. Sie sind ein Zeugnis vom Leben des Judentums in geschichtlichen Bereichen und Jahrhunderten, die den Willen und den Geist des Juden immer wieder forderten. Leo Baeck.

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