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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 77

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
[Rezension] / Kisch, Guido
Date
1935-01-01
Page
Seite 77 (sequence 1)
Language
German
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Literatur Leo Baeck, Wege im Judentum. Aufsätze und Reden. Berlin 1933. Schocken-Verlag. 428 Seiten. Das Werk, das Aufsätze und Vorträge des bekannten geistigen Führers der deutschen Juden aus dem letzten Jahrzehnt zusammenstellt, ist schon vielfach gewürdigt worden. Hier sei daher bloß kurz auf das Erscheinen mit dem Bemerken hingewiesen, daß auch der jüdische Historiker daraus mannigfache Belehrung und wertvolle Anregung schöpfen kann. HallejSaale. Guido Kisch. Augusta Weldler-Steinberg, Rede an die jüdische Jugend, ein Vermächtnis. Zürich—Wollishofen 1933. Verlag Haruach. Diese Veröffentlichung mit der schönen Lebensskizze, die Riwkah Schärf voranschickte, gibt Anlaß, von dem allzu frühen Hinscheiden der geschätzten Schweizer jüdischen Historikerin zu berichten. 1903 veröffentlichte sie ihre gründlichen „Studien zur Geschichte der Juden in der Schweiz während des Mittelalters“. Noch kurz vor ihrem Tode vollendete sie eine auf langjähriger Arbeit beruhende „Geschichte der Juden in der Schweiz“, welche ihre Forschungen bis zur Gegenwart fortführt. Die Veröffentlichung des umfangreichen Werkes wird geplant. HalleJSaale. Guido Kisch. Stefan Behr, Der Bevölkerungsrückgang der deutschen Juden. Frankfurt a. M. 1932, I. Kauffmann. 139 S. Die Arbeit beschäftigt sich im wesentlichen mit dem Geburtenrückgang, soweit er die Judenheit trifft. Sekundär behandelt werden die Austritte aus dem Judentum, die Selbstmorde und mehr peripherisch Geisteskrankheit, Taubstummheit und Blindheit. Unter den Gebrechen fällt bei der Geisteskrankheit der hohe Anteil der Juden gegenüber den christlichen Bekenntnissen auf. Ebenso ist die Selbstmordzahl relativ höher bei den Juden. Der Verf. geht auch auf die Probleme und ihre rechtliche Seite ein. So werden bei der Judentaufe die Stellung des Katholizismus, des Protestantismus, des Judentums selbst kurz dargestellt und die Gründe für die Judentaufen angeführt. Beachtung verdient das Kapitel über die jüdisch-christliche Mischehe, die allerdings zumeist kinderarm sein wird und wohl für beide Teile als Verlust zu buchen ist. 95 Seiten sind dem Geburtenrückgang gewidmet. In der Einleitung werden, ein wenig systemlos, Zahlen über den allgemeinen Geburtenrückgang beigebracht. Für den Rezensenten neu und instruktiv war der erste Teil „Jüdische Religion und Geburtenrückgang“, der an Hand aller jüdischen Religionsquellen diese Frage behandelt. Der zweite Teil „Ausmaß der jüdischen Bevölkerungsabnahme“ behandelt in einem ersten Kapitel den Geburtenrückgang. Allerdings werden in den gesonderten Abschnitten dieses Kapitels für die deutschen Städte, Länder und das flache Land die verschiedenartigsten Zahlenaufstellungen gemacht. Zahlen mit textlichen Erläuterungen über den Bevölkerungsstand der Juden, die Geburten, Sterbefälle, Zahl der Schulkinder — warum Ehescheidungen hier, ist nicht recht einleuchtend — werden angeführt. Im ganzen ein lehrreiches Material. Einen Einfluß von der Auswanderung her in den fraglichen Jahren stellt der Verf. nicht fest. Für überflüssig halte ich das kleine Kapitel über die Mittel des Geburtenrückgangs. „Die Zukunft kann Deutschland und seine Juden auch bei verminderter Quantität zu einer Epoche fortschreitender Kulturentwicklung führen. In dieser Möglichkeit . . . liegt der geschichtliche Sinn des Schwundes der Bevölkerungszahl.“ Eines allerdings wird dann das 19. Jahrhundert mit seinem großen Bevölkerungswachstum vor dieser Zukunft in der Geschichte voraus haben: daß es infolge dieses Stimulus „Bevölkerungswachstum“ gewaltige Energien auslöste und einer großen ökonomischen und technischen Entwicklung Bahn brach. Köln, im Februar 1933. Jakob Breuer. 77

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