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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 76

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1935-01-01
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
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Literatur gung nur solange anerkannt wurde, als sie eine ergiebige Steuerquelle für die Markgrafen darstellten. Darüber hinaus versuchten auch die Städte, geldlich von den Juden Vorteile zu ziehen; der Kampf gegen die Juden hat meist nur den armen Juden gegolten, oder eine Gesamtvertreibung der Juden sollte <r die Beendigung einer Wirtschaftskrise bringen. Hierfür gibt Verf. besonders > bei der Untersuchung der Epoche des „Schwarzen Todes“ (1.348=1351) wichtige Beispiele. Die Juden verf olgtmgen wurden zu elementaren Ausbrüchen der wirtschaftlichen Verzweiflung der Umwelt und haben wenig mit gesinnungsmäßiger Einstellung zu tun. Daß die Mark auch ohne Juden nicht auskam, beweist die auf die Verringerung ihrer Zahl in einer Krisenepoche immer wieder einsetzende Zuwanderung, die die Lücken ausglich. Die Epoche der Hohenzollem bringt insofern eine Veränderung mit sich, als infolge der Herstellung einer einheitlichen Regierung von jetzt an die Juden es nur mit einem einzigen Herrscher zu tim hatten. Die Landesherren setzten sich folgerichtig wiederholt für die Juden ein: „Sie empfingen ihre Abgaben und hatten dadurch regelmäßig wesentliche Vorteile von ihnen. Auch mochten sie vielleicht mehr als andere Personen von der Unentbehrlichkeit der Juden für das Wirtschaftsleben der Mark überzeugt sein.“ So wurden die Juden in den die innere Geschichte der Mark durch Jahre erfüllenden Streit zwischen Kurfürst und Landstände eingeschaltet. Die Verschuldung der christlichen Bevölkerung an die Juden wurde allmählich sehr weitgehend, wobei festzustellen ist, daß auch die nichtjüdische Bevölkerung in gleicher Weise Zinsen nahm. Aber Verf. trennt das Wort „Wucher“ in seiner mittelalterlichen nicht scharf genug von seiner neuzeitlichen Bedeutung. Bekanntlich hat das Mittelhochdeutsche bis weit in das Neuhochdeutsche das Wort „Wucher“ im Sinne des Wortes „Zins“ angewendet. Vergleichbar sind mittelalterliche Zinssätze mit denen der Neuzeit überhaupt nicht, da die Risikoprämie des Mittelalters eine ganz andere war. Nach dieser Richtung hin dürften die Resultate der Heiseschen Arbeit noch eine Ergänzung erfahren können. Zu Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Juden in der Mark in immer steigendem Maße eine Erwerbsquelle des Kurfürsten, ganz besonders in der Epoche von Albrecht Achilles. Weil die Landstände an diesem Privaterwerb des Kurfürsten nicht beteiligt waren, forderten sie die Austreibung der Juden, ein Wunsch, dem der Kurfürst freilich nicht stattgab. Die Antwort der Ständer war der Hostienprozeß um 1509, der mit einem Justizmord endete. Bemerkenswert ist noch die Geschichte des Münzmeisters Lippold, der trotz großer persönlicher Verdienste um die Mark Brandenburg doch letzten Endes das Schicksal seiner Stammesgenossen zu teilen hatte und ein fürchterliches Ende nahm, obwohl ihm keine unredliche Handlung nachzuweisen war. Heises Buch stellt einen wesentlichen Fortschritt der Forschung dar. Es wäre zu wünschen, daß in gleicher Weise für alle Landesteile in Deutschland ähnliche nüchterne klare Arbeiten geschrieben würden, die eine Gesamtgeschichte der deutschen Juden ermöglichten. Breslau, im Jan. 1933. Willy Cohn. Bernhard Wachstein, Ein aufgefundener hebräischer Index zum Grundbuch der Judenstadt in Wien im 17. Jahrhundert. Sonderabdruck aus Abhandlungen zur Erinnerung an H. P. Chajes. Wien 1933. 47 S. Der hochverdiente Erforscher der wichtigsten Denkmäler zur Geschichte der Juden in Wien veröffentlicht ein hebräisches Verzeichnis der Wiener jüdischen Häuser, welches bei Neuordnung der Wiener städtischen Archivbestände ans Tageslicht gekommen ist. Es verzeichnet den jüdischen Grundbesitz nach Gassen geordnet und mit genauer Angabe der Eigentümer. Mit der allen seinen Publikationen eigenen gelehrten Gründlichkeit und wissenschaftlichen Exaktheit hat Wachstein diese wichtige Geschichtsquelle bearbeitet und für die Benützung des Historikers zubereitet. Halle/Saale. Ouido Kisch. 76

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