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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1935-01-01
Page
Seite 75 (sequence 2)
Language
German
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Literatur Text von N. Adler, S. H. Lieben, L. Ehrmann, H. Flesch und S. Adler tritt quantitativ hinter dem Bildmaterial zurück- Synagogen, Grabsteine, Kultgeräte, Urkunden zur Geschichte der Juden werden in guter Auswahl und vortrefflicher Wiedergabe veranschaulicht. Für spätere Bände empfiehlt es sich, die Abbildungen nicht nur mit Nummern, sondern auch mit erläuternden Aufschriften zu versehen, durch die dem Benutzer die Orientierung erleichtert werden kann. HallelSaale Guido Kisch. Paul I. Diamant, Paulus Weidner von Billerburg (1525—15S5),kaiserl. Leibarzt und Rektor der Wiener Universität. Wien 1933. Sonderabdruck aus: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Band 13/14. 8 S. Quart Ein interessanter Beitrag zur Geschichte jüdischer Konvertiten. Paulus Weidner, 1525 in Udine von jüdischen Eltern geboren, genoß die bei italienischen Juden übliche Erziehung, studierte wahrscheinlich in Padua Medizin, wurde von den Ständen als Landesphysikus nach Kärnten berufen und nahm 1558 in der Wiener Stephanskirche die Taufe. Die kaiserliche Gunst, deren er sich nicht so sehr wegen seiner ärztlichen Kunst als wegen seiner Kenntnis der hebräischen Sprache und des rabbinischen Schrifttums erfreute, führte ihn zu hohen Stellungen und großem Ansehen, woraus freilich dem Judentum kein Nutzen erwuchs. Bald nach der Taufe trat er in den Verband der Wiener Universität ein, war fünfmal Dekan der medizinischen Fakultät und erlangte sogar die Rektorwürde. Nach der bekannten Konfiskation jüdischer Bücher in Prag im Jahre 1560 (G. Kisch, Die Zensur jüdischer Bücher in Böhmen, Jahrb. f.Gesch.d. Juden i. d. Tschechoslow. 2, 1930, S. 461) wurde er mit Bekehrungspredigten für die Prager Juden beauftragt. Er hat auch eine Reihe von Schriften veröffentlicht, die ihn als gebildeten Humanisten und theologischen Polemiker zeigen. HallelSaale Guido Kisch. Werner Heise, Die Juden in der Mark Brandenburg bis zum Jahre 1571. Historische Studien, hgg. von Dr. Emil Ebering, Heft220. Berlin 1932, Verlag Emil Ebering. XIX und 392 S. Während wir über die Juden in der Mark Brandenburg nach der Wiederaufnahme durch den Großen Kurfürsten durch die Forschungen von Selma Stern gut unterrichtet sind, fehlte bisher eine ausreichende Darstellung ihrer älteren Geschichte. Im ersten Teil von Heises Arbeit wird die Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg bis zum Jahre 1571 verfolgt, im zweiten eine Uebersicht über die Wohnstätten der Juden in den mittelalterlichen märkischen Städten gegeben. Die Frage, ob die Juden in der Mark zwangsweise in abgeschlossenen Stadtteilen wohnen mußten, oder ob sie freiwillig zusammengezogen sind, ist von Bedeutung, weil der Begriff „Ghetto“ häufig falsch ausgelegt wird. Wenn im Uebersichtsblatt, das dem Buche beigegeben ist, darauf hingewiesen wird, daß in den märkischen Städten „bemerkenswerter Weise nicht ein einziges Ghetto nachweisbar ist“, so steht das mit den Ergebnissen des Verf. in einem gewissen Widerspruch. Heise sagt (S. 22), daß der Zusammenschluß in der frühen Zeit in der Mark vielleicht weniger unter äußerem Zwang als infolge eines inneren Zusammengehörigkeitsgefühls der Juden erfolgt ist. M. E. ist fast überall nachweisbar, daß die Juden im Mittelalter durchaus freiwillig zusammengezogen sind, was durch die Wirtschaftsstruktur und durch ihre religiösen Bedürfnisse geboten war. Man sollte aufhören, mit dem Begriff „Ghetto“ zu arbeiten, da er in dieser Auffassung erst im 19. Jahrhundert in die jüdische Geschichte hineingebracht worden ist. Das wesentliche Resultat der Heiseschen Arbeit liegt darin, daß eindeutig bewiesen wird: Judenhaß ist in der nichtjüdischen Umwelt auch in der Mark an und für sich nicht vorhanden gewesen. Der Gegensatz zwischen Juden und Christen entstand aus ökonomischen Ursachen. Die einseitige Berufsschichtung, zu der auch in der Mark die Juden gezwungen wurden, nötigte sie, jede Gelegenheit zu benutzen, sich zu bereichern (S. 59), weil ihre Daseinsberechti- 75

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