Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Kultusgemeinde und des jüdischen Museums sowie aus sonstigen Archiven zu sammeln, er hat für seine Darstellung ein umfangreiches Zeitungs- und Zeitschriftenmaterial, das sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckt, herangezogen und schließlich auch den reichen Familienbesitz an Briefen und Dokumenten, der in Wien und Heidelberg verwahrt wird, verwerten können. Darüber hinaus war es ihm möglich, noch lebende Zeitgenossen Jellineks, von denen einige bemerkenswerte Persönlichkeiten inzwischen auch schon dahingegangen sind, nach ihren Eindrücken und Erinnerungen zu befragen und diese wiederzugeben. So ist ein farbenreiches und lebensvolles Bild von Jellineks Persönlichkeit und Schaffen entstanden. Obwohl der Verfasser sich als begeisterter Verehrer und Bewunderer Jellinekscher Beredsamkeit bekennt, unterdruckt er doch auch nicht einige weniger ideale Züge. Ein Verzeichnis der Schriften Jellineks beschließt den Band, der biographisch und kulturgeschichtlich sehr viel Interessantes bietet. Halle/Saale. Guido Kisch. Michael Fraenkel, Jacob Bernays, ein Lebensbild in Briefen. Breslau 1932. M. und H. Marcus. VI und 172 Seiten. Unsere Zeit liebt es besonders, literarische Gedenktage zu Jubiläen auszugestalten. Trotzdem ist der hundertste Geburtstag von Jacob Bernays, eines der führenden deutschen Altphilologen des vorigen Jahrhunderts, des Freundes von Georg von Bunsen, Theodor Mommsen und des berühmten Oxforder Sprachforschers Max Müller, ohne Anteilnahme der gelehrten Welt vorübergegangen. Keine Zeitschrift hat aus diesem Anlaß des ungewöhnlichen Mannes gedacht, keine Monographie sein Andenken gefeiert. Auch die Encyclopaedia Judaica enthält keinen Satz, der die wissenschaftliche Bedeutung des Mannes herauszustellen versuchte. Nur die Lebensdaten und wissenschaftlichen Werke werden aufgezählt, von den Hemmnissen, die Bernays das treue Festhalten am Judentum in seinem äußeren Lebensgang bereitet hat, wird kurz berichtet. Um so größeren Dank hat sich Michael Fraenkel dadurch verdient, daß er aus etwa tausend Briefen von und an Bernays, die zum Teil erst in mühsamer Arbeit aufgespürt und herbeigeschafft werden mußten, die kennzeichnendsten und bedeutendsten ausgewählt und veröffentlicht hat. Sie gewähren einen interessanten Einblick von einzigartiger Unmittelbarkeit in das wissenschaftliche Ringen und Arbeiten, in das persönliche Denken und menschliche Fühlen eines bedeutenden jüdischen Gelehrten aus der Zeit des Emanzipationskampfes, in seine Einstellung zum Judentum und seine Auseinandersetzung mit der nichtjüdischen Umwelt. Mit Verständnis, Liebe und Hingebung hat sich Fraenkel in das Studium dieser Dokumente versenkt und aus ihnen ein lebensvolles Bild des Gelehrten und Menschen gezeichnet, welches dem durch Anmerkungen erläuterten Abdruck der Briefe vorangestellt ist. Das Buch verdient nicht nur von den der klassischen Philologie Nahestehenden gelesen, sondern von allen beachtet zu werden, die für die Geschichte der Anteilnahme der Juden am deutschen Geistesleben Interesse haben. HallefSaale. Guido Kisch. Meyers Kleines Lexikon in 3 Bänden, 8., gänzlich neu bearbeitete Auflage mit rund 70000 Stichwörtern und Artikeln, 4500 Abbildungen und Karten im Text und auf Tafeln. Band III und IV (Atlasband). Leipzig 1932. Verlag Bibliographisches Institut AG. Das Kleine Lexikonwerk des Bibliographischen Instituts, dessen erste beide Bände auf S. 59 dieser Zeitschrift angezeigt wurden, ist durch den nunmehr vorliegenden dritten Band vollständig geworden. Er zeigt alle Vorzüge der früheren Bände. Auch bei ihm haben Stichproben die Sachlichkeit der allgemeinen Einstellung bei der Bearbeitung der Wortartikel erwiesen. Zahlreiche jüdische Persönlichkeiten der Geschichte und Gegenwart haben wiederum Erwähnung, bisweilen auch bildliche Darstellung gefunden. In der Religionskarte des ergänzenden Atlasbandes ist die starke jüdische Besiedlung Polens hervorgehoben. Auch die neue Palästinakarte verdient Beachtung. HallefSaale. Guido Kisch. 222