Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur zeit ist bisher noch nicht in einem grundlegenden Werke bearbeitet worden. Israel Rabin hat bereits in seiner Arbeit „Vom Rechtskampf der Juden in Schlesien" (1582—1730), Breslau 1927, gezeigt, daß er gewillt ist, diese Studien Brauns fortzuführen. Seine neue Arbeit versucht nunmehr auf Grund eingehender archivalischer Forschungen zunächst die Jahrzehnte zu untersuchen, die der preußischen Eroberung Schlesiens vorangingen. Wenn auch im Heft I, das nur zunächst erschienen ist, lediglich der rechtliche Zustand untersucht werden soll, so hören wir doch auch hier schon Erhebliches von der wirtschaftlichen Lage der schlesischen Judenheit. Bekannt ist, daß es bis ins 18. Jahrhundert nur zwei Orte in Schlesien gab, Glogau und Zülz, in denen die Juden unbedingte Aufenthaltserlaubnis hatten. Nunmehr erläßt am 10. Januar 1713 Karl VI. das Toleranzedikt, nach dem die Juden' in Schlesien unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung erhielten. Das wertvollste Ergebnis der Rabinschen Arbeit ist darin zu sehen, daß er an der Hand der Akten aufzeigt, wie die Zentralregierung von Wien die Duldung von Juden wollte, weil sie von ihnen hohe Steuereinnahmen für den Gesamtstaat erwartete, während die Städte gegen die Judenduldung waren, weil die jüdische Konkurrenz für die Handwerker und Handeltreibenden empfindlich zu werden drohte. Bei der Entfernung der Wiener Zentralregierung von Schlesien siegte kurz vor dem preußischen Einmarsch die Auffassung der untergeordneten Instanzen, die es erreichten* daß das Toleranzedikt durch das kaiserliche Dekret vom 14. Juni 1738 aufgehoben und die unprivilegierte Judenschaft ausgewiesen wurde. De facto ist diese Ausweisung nicht mehr durchgeführt worden; wenn auch große Teile die Provinz räumen mußten, so erreichten doch viele durch Begünstigung das Dableiben, zumal auch das Kommerzkollegium daran interessiert war, daß die ausländischen Juden, von deren Handelstätigkeit im besonderen das Schicksal Breslaus abhing, Breslau nicht mieden. Im übrigen fing auch mit der Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen ein neues Kapitel jüdischer Geschichte an. Es bleibt zu hoffen, daß die Arbeit rasch weitergeführt wird und daß das große Material, das in den Anmerkungen ruht, noch in stärkerem Umfange in den Text hineingearbeitet werden möchte. Durch derartige Untersuchungen könnten wir vielleicht in absehbarer Zeit die Frage der Lösung entgegenbringen, in welchem Umfange ökonomische Ursachen die Emanzipation der deutschen Juden stärker beeinflußt haben als geistige. Breslau. Willy Cohn. M. Rosenmam, Dr. Adolf Jellinek, sein Leben und Schaffen. Wien 1931. Josef Schlesinger. XIV und 232 Seiten, mit einem Bilde und zwei Beilagen. Adolf Jellinek, ein leuchtender Name aus einer der heutigen Generation entschwundenen Welt. Wem ist er noch ein Begriff? Vielleicht einem eifrigen Studierenden der jüdischen Theologie, der Studien auf dem Gebiete der jüdischen Homiletik treibt, oder einem Midraschforscher, der die einst von Jellinek gehobenen Schätze der kleinen Midraschim bewundert. In Meyers neuem kleinen Lexikon fehlt der Name, wie kürzlich an dieser Stelle bemerkt wurde, und selbst in Wien, an der Stätte, wo Jellinek auf der Höhe seines Ruhmes einst überschwenglich gehuldigt wurde, ist sein Andenken völlig verblaßt. Und doch steht der Name Adolf Jellinek nicht nur in unlöslicher Verbindung mit der Geschichte der Wiener israelitischen Gemeinde, sondern auch im Mittelpunkt der Geschichte der Juden in Oesterreich der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine monographische Darstellung des Lebens und Wirkens dieses gefeierten und für ganze Predigergenerationen vorbildlichen Kanzelredners, des geistvollen Gelehrten, der einer der führenden und hervorragendsten geistigen Vertreter des österreichischen Judentums gewesen ist, wäre allein um der bedeutenden Persönlichkeit willen schon gerechtfertigt. Das vorliegende biographische Werk, welches die gestellte Aufgabe im ganzen vortrefflich gelöst hat, verdient besonderen Dank deshalb, weil darin um die Lebensbeschreibung Jellineks eine äußerst lebendige ins Einzelne gehende Schilderung des religiösen und kulturellen Lebens der Wiener Juden gruppiert ist, die einen wertvollen Beitrag zur neueren Kulturgeschichte der Juden im kaiserlichen Oesterreich bildet. Der Verfasser hat sich bemüht, alle erhaltenen Nachrichten über Leben und Wirken Jellineks aus dem Archiv der Wiener 4 221