Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur gebildet, die transskribierten und bisweilen ergänzten Texte am Rande hinzugefügt Den Abbildungen geht voran ein Abriß der Geschichte der jüdischen Siedlungen in Württemberg aus der Feder des Stuttgarter Stadtrabbiners Dr. Paul Rieger. Danach zerfällt die Geschichte der Juden in Württemberg in drei Perioden, in die Zeit der römischen Siedlung, in die Zeit der Verfolgungen bis 149S und in die Zeit der Neusiedlung von 1713 an. Nur mit den alphabetisch geordneten Namen nebst knappen Literaturhinweisen werden die mittelalterlichen jüdischen Siedlungen Württembergs, sodann die neuzeitlichen nicht mehr bestehenden Gemeinden und Siedlungen, schließlich die heutigen Religionsgemeinden zusammengestellt. Das ganze Siedlungsbild wird besonders deutlich durch eine vortreffliche kartographische Darstellung veranschaulicht. Ein Ortsregister und Verzeichnis der benutzten Quellen beschließt den inhaltreichen Band, für den die verschiedenen Zweige jüdischer Geschichtsforschung dem württembergischen Oberrat warmen Dank wissen werden. Es wäre zu wünschen, daß dieses einzigartige und vorbildliche Bildwerk auch in anderen Ländern Nachahmung findet. Möge sich insbesondere aber für Württemberg — um diese Anzeige mit einem Wunsche zu schließen — der kenntnisreiche Heimatforscher bald finden, — wer wäre dazu berufener als der Verfasser des beschreibenden Teiles der Veröffentlichung? — der die hier versammelten Steine zum Reden bringt in einer geschlossenen Darstellung der Geschichte der Juden in Württemberg. Halle/Saale. Guido Kisch. Raphael Straus, Die Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter, auf Grund der Quellen kritisch untersucht und neu dargestellt. (Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte 61.) Heidelberg 1932. Carl Winter. VIII u. 147 S. Nach einem glanzvollen wirtschaftlichen' Aufstieg Regensburgs, wie ihn uns noch die trutzigen Stadtburgen und die erhabenen gotischen Kirchen so eindringlich vor Augen führen, trat ein jäher Absturz von der stolzen Höhe ein, und Rat und Bürgerschaft, welche selbst wohl kaum die eigentlichen Ursachen des Niederganges verstanden', suchten sie weniger in den anders gearteten Verkehrs- und wirtschaftspolitischen Verhältnissen, welche der Stadt ihre lebensnotwendigen Quellen benahmen, sondern mehr innerhalb ihrer eigenen Mauern. Die Folgen davon waren schon im 14. Jahrhundert schwere innere Wirren und schließlich der völlige Zusammenbruch des Gemeinwesens (1486), das auf kurze Zeit eine Beute des Herzogs Albrecht von Bayern wurde. Es ist sicherlich richtig, was Albert von Hofmann in seinem Buch über die Stadt Regensburg sagt, daß viele Reichsstädte keine beneidenswerte Existenz geführt haben, und daß manche von ihnen vorher als Landes- oder Bischofsstädte bessere Tage gesehen haben. . Goslar, aber auch Regensburg zählten zu diesen Städten, und man wirft nicht mit Unrecht die Frage auf, ob es für die fernere Entwicklung der Stadt nicht vorteilhafter gewesen wäre, wenn ihr das Schicksal den weiteren Verbleib bei Bayern beschieden hätte. Bei den inneren Wirren der Stadt Regensburg spielte natürlich auch die Judenfrage eine große Rolle. Im Laufe des 15. Jahrhunderts spitzte sie sich immer mehr zu und führte schließlich 1519 zur Vertreibung der Judenschaft und zur Zerstörung ihrer mittelalterlichen judenstadt im Herzen der Gemeinde. Es ist ohne weiteres klar, daß dieses Ereignis im ganzen deutschen Reich großes Aufsehen erregte und daß auch nach ihm die Bürgerschaft nicht zur Ruhe kam. Die Regensburger Chronik, welche der fleißige Stadtarchivar Gemeiner zusammenstellte, und die gleichzeitige Chronik von Leonhard Widmann, sowie neuere Abhandlungen geben ein mehr oder minder aufschlußreiches Bild von den aufregenden Vorgängen, aber die tieferen Gründe, welche schließlich zu dem beklagenswerten Ende führten, fanden in der Literatur nicht die ihnen gebührende Beachtung. Ihnen nachzugehen und aufzuzeigen, wie eng die Regensburger Judenvertreibung. mit den Allgemeinverhältnissen in der Stadt und im Reich zusammenhängt, und wie die Entwicklung der Dinge, insbesondere der stets wachsende Notstand sich nach dieser Richtung hin sich auswirkten, das ist die Aufgabe, das ist auch das Verdienst von Raphael Straus, dessen Abhandlung „Die Judengemeinde;Regensburgs im ausgehenden Mittelalter" vor kurzem in den Heidelberger: Abhandlungen erschienen ist. Wer sich über die judenfeindliche Bewegung Regensburgs im 15. und 16. Jahrhundert eingehender 218