Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Samuel Bettelheim, beschließen den historischen Teil des Bandes. Leider sind die Quellenangaben hier so unvollständig, daß wissenschaftlich mit diesen Regesten nicht viel anzufangen ist und man auf die Quellenwerke selbst wird zurückgreifen müssen. Der gleiche Mangel tritt in anderen Aufsätzen entgegen und namentlich auch vielfach bei den teilweise gegenständlich wertvollen Illustrationen, über deren Objekte man manchmal nicht genügend, über deren Quellen man öfters gar nichts erfährt. Geradezu überladen ist das Buch mit zahlreichen historisch belanglosen Photographien, zum Teil von lebenden Vorstandsmitgliedern von Vereinen, Schullehrern u. dgl. Unwichtige Mitteilungen über das Wirken solcher Einzelpersonen belasten das Werk. Ebenso sind die Abbildungen der Mitarbeiter des Bandes überflüssig. Selbst als Konzession an die „populär-wissenschaftliche Form" läßt sich Derartiges kaum rechtfertigen. Die Grenzen der Wissenschaftlichkeit wollen beobachtet sein. Zu einzelnen Beiträgen ließe sich ebenfalls noch manches kritisch sagen. Der Raum der vorliegenden Anzeige verbietet es aber. Der wissenschaftliche Benutzer des Werkes wird unschwer erkennen, was daran wertvoll und was belanglos ist. Mit dieser notwendigen Einschränkung, die vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus nicht unterlassen werden kann, verdient der erste Versuch einer Gesamtdarstellung der Geschichte der Juden in Preßburg Dank und Anerkennung. Halle/Saale. Guido Kisch. Jüdische Gotteshäuser und Friedhofe in Württemberg. Herausgegeben vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Augsburg 1932. Verlag Dr. Benno Filser. 142 Seiten Quart. (12. Publikation der Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches.) „Seit einer Reihe von Jahren ist der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs bemüht, die kulturgeschichtlich wertvollen Güter der jüdischen Vorzeit in Württemberg vor dem Schicksal der Vergessenheit und vor dem Untergang zu bewahren. So wurden noch vorhandene bauüche Reste unter den Schutz der öffentlichen Denkmalpflege gestellt und die altehrwürdigen Friedhöfe des Landes unter erheblichen Opfern wieder instandgesetzt. Die Sammlung und Sicherung des in den Gemeinden noch vorhandenen Urkundenmaterials wurde tatkräftig gefördert. Vor allem aber hat der Oberrat ein Bilderarchiv geschaffen, das in technisch und künstlerisch einwandfreien Aufnahmen die noch vorhandenen dem Kultus dienenden Einrichtungen der Religionsgemeinschaft: Schul- und Bethäuser, Badeeinrichtungen, Friedhöfe, einzelne Grabsteine und Kultgegenstände im Bild festhalten und unter dem Gesichtspunkt ihrer zeit- und landesgeschichtlichen Bedeutung vereinigen soll." So berichtet das Vorwort des vorliegenden Werkes, durch das der württembergische Oberrat seinen vielfältigen kulturgeschichtlichen Verdiensten die Krone aufgesetzt hat. Wenn man bedenkt, wie sehr die Pflege jüdischer historischer Denkmäler weit und breit im Inland und Ausland auch heute noch im Argen liegt, wie namentlich die alten Grabsteine, nicht selten die einzigen vielfach sehr beredten Zeugen jüdischer Vergangenheit, noch immer kaum beachtet sind, wodurch der wissenschaftlichen Forschung wertvollstes Quellenmaterial unwiederbringlich verloren geht, wird man die kulturelle und wissenschaftliche Leistung des württembergischen Oberrates gar nicht hoch genug einschätzen können. In dem glänzend ausgestatteten Bande ist eine köstliche Sammlung von Bildern württembergischer Gotteshäuser und Friedhöfe vereinigt In ausgezeichneten künstlerischen Lichtbildaufnahmen sind malerisch gelegene Landfriedhöfe zu sehen, aus denen bisweilen einzelne Grabsteingruppen oder Grabsteine, sei es wegen ihrer Altertümlichkeit oder wegen der Persönlichkeit, deren Andenken sie gelten (z. B. S. 111 das Grab von Berthold Auerbach in Nordstetten), herausgehoben sind. Von alten und neuen Synagogen werden Außenansichten und Innenaufnahmen wiedergegeben. Die beigefügten. Jahreszahlen der Erbauung, öfter auch der Schließung stimmen nachdenklich. Unter den wenigen jüdischen Kulturdenkmälern, die sich in Württemberg aus dem Mittelalter erhalten haben, verdient besondere Hervorhebung die Katakombe im Hause Lohtorstraße 22 in Heilbronn, wo die Inschrift „Nathan ha-Paroess" über einer Wandnische auf eine in Deutschland seltene, vermutlich sehr alte jüdische Bestattungsform hindeutet. Eine kleine Anzahl von Grabsteinen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die sich erhalten haben, sind ab-. 217