Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur für eine Judengemeinde in Trier als Beweisgrund gelten kann. Fraglich muß es dagegen bleiben, ob an dieser Stelle eine jüdische Grabanlage existiert hat Eine kritische Bemerkung zu den Ausführungen über die Menora-Darstellungen im allgemeinen (S. 21 ff.) sei jedoch nicht verschwiegen. Altmann sagt: „Nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels ist nämlich den Juden, besonders denen im Westen des römischen Reiches, gerade der heilige Tempelleuchter ein teueres und beliebtes Sinnbild des Judentums im Exil geworden. Vielleicht, weil sein Reliefbild am Titusbogen zu Rom ihnen die Wehmut der verlorenen Herrlichkeit am aufdringlichsten vor Augen führte." (S. 21 f.). Das in Palästina gefundene Material läßt m. E. den Schluß zu, daß der Leuchter allgemein bei den Juden der Diaspora (nach 70) abgebildet wurde und daß man den Titusbogen in diesem Zusammenhange nicht überschätzen darf. Ein weiteres kommt hinzu. Altmann lehnt mit Rücksicht auf die jüdischen Religionsgesetze die von Kohl-Watzinger, dem Referenten' u. a. vertretene These von der realen Existenz des siebenarmigen Synagogenleuchters ab, von der aus m. E. die Häufigkeit des „Symbols" allein zu verstehen ist. Es ist doch gewiß kein Zufall, daß der auf jüdischen Goldgläsern neben Thoraschrein und Leuchtern abgebildete Löwe jetzt in einer Kalkstein-Figur in Kapernaum gefunden wurde; das deutet darauf hin, daß die Goldgläser das Inventar des Kultes bzw. Kultgebäudes bieten. Wenn in den galiläischen Synagogen bisher noch keine Menora gefunden wurde, so erklärt sich das daraus, daß diese aus Edelmetall (Bronze) hergestellt und geraubt bzw. eingeschmolzen wurden. Das Verbot, den Leuchter als Gebrauchsgegenstand herzustellen, zielt m. E. auf die Benutzung des Leuchters im Privathause. Es ist durchaus beachtlich, daß Altmann in bezug auf die sogleich zu nennenden Kleinplastiken sagt: „Menschenköpfe und Gesichter bildlich und insbesondere in Relief darzustellen, ist den Juden religionsgesetzlich untersagt. Insbesondere in der Zeit des heidnischen Altertums war es ein strenges Verbot" und von diesem Verbot auf die Nichtexistenz derartiger Bilder „erst recht gar auf Stätten oder Denkmäler des Kultus" schließt. Das Mosaik der Synagoge von Beth Alpha (6. Jahrh.) mit Darstellungen der zwölf Tierkreiszeichen und dem Wagen des Helios sowie der Szene von Isaaks Opferung und weiterhin mehrere Reliefbilder der Synagoge von Chorazim zeigen deutlich, daß die talmudischen Gesetze keineswegs überall (und gleichzeitig) in der Diaspora anerkannt waren. Es wäre zu wünschen, wenn einmal monographisch über Bilderfreundlichkeit und Bilderfeindlichkeit des Judentums der späthellenistisch-byzantinischen Zeit gehandelt würde, wobei sich m. E. ähnliche Spannungen wie im byzantinischen Christentum zeigen würden. Eine archäologische Kostbarkeit sind die zu zweit genannten Terrakotten, die unzweideutig Juden-Karikaturen darstellen, „die einzig bisher bekannten des Altertums". Altmann rechnet mit der Möglichkeit, daß das einheimische (nicht jüdische) Töpfergewerbe aus Protest gegen den auch bei Juden beliebten Import hochwertiger italienischer Keramik defartige Karikaturen geschaffen hat Unzweifelhaft beweist das eindringlich bearbeitete archäologische Material, daß zu Ende des dritten und zu Anfang des vierten Jahrhunderts eine Judengemeinde in Trier bestanden hat. Halle/Saale. K. Galling. H.J.Zimmels, Die Marranen in der rabbinischen Literatur. Forschungen und Quellen zur Geschichte und Kulturgeschichte der Anussim. Berlin 1932. Rubin Mass, VIII, 180, 12 S. Der Verfasser hat sich eine dankenswerte Aufgabe gestellt. Er behandelt die Stellungnahme der Rabbiner — für die die einzige Quelle die Responsenliteratur ist — zu den Anussim, und zwar erstens zu den Anussim von 1391 und außerhalb Spaniens, zweitens zu den Anussim von 1391—1498 und ihren Nachkommen, den Marranen im landläufigen Sinne. Daran schließt sich ein längerer Abschnitt, der sehr instruktiv über das innere Leben der Anussim, über ihre Stellung als Christen, über ihre Auswanderung, über ihre Rückkehr zum Judentum, über die Sittenzustände, ihre Beschäftigung und Bildung handelt und den allmählichen Verfall der Kenntnis des Judentums bei ihnen schildert. Daran knüpft sich eine Untersuchung darüber, ob die Responsen über die Anussim direkt an sie als Anfragende und Belehrung heischende, wie es in einzelnen Fällen feststeht, gerichtet waren oder an Mittelspersonen. Ein Verzeichnis der in der 213