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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 210

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1932-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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Literatur mir auf wenige Nachkriegsjahre erstrecken (Bankwesen, wirtschaftliche Entwicklung der Berliner Juden), zum Teil sich lediglich auf ein einziges Jahr beziehen, also bloße Augenblicksbilder geben (Textilwirtschaft, Getreidehandel), so sind die weitgehenden Schlüsse, die der Verfasser aus seinen Zahlen zieht, einigermaßen gewagt Daß der Betätigungsraum der Juden in den untersuchten Wirtschaftszweigen nach dem Kriege im ganzen enger geworden ist, duldet zwar keinen Zweifel; aber es läßt sich aus dem mitgeteilten Material weder die Stärke der Entwicklungstendenz in jedem Falle ablesen noch gar mit Sicherheit beurteilen, ob die bewegenden Kräfte der wirtschaftlichen Entwicklung auch in Zukunft die gleiche einengende Wirkung auf das Arbeitsfeld der Juden ausüben werden wie im letzten Jahrzehnt. Immerhin sind die Mahnungen, die der Verfasser an seine Untersuchungen anknüpft, keineswegs unbegründet: Es wird in der Tat darauf ankommen, daß die junge Generation der deutschen Juden bei der Berufswahl auf die aufgezeigten Entwicklungstendenzen Rücksicht nimmt und sich mit Bewußtsein viel gleichmäßiger auf die Hauptberufe (die gelernte Industriearbeit eingeschlossen) verteilt, als es bisher geschehen ist. HalleISaale. Georg Jahn. Otto Heller, Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage, ihre Kritik, ihre Lösung durch den Sozialismus. Wien 1931, Verlag für Literatur und Politik. 300 S. Der Verfasser ist Marxist und als solcher Anhänger der sog. materialistischen Geschichtsauffassung, die er im ersten Teile seines Buches mit Konsequenz auf die Geschichte des jüdischen Volkes anwendet. Er erklärt also das Schicksal der Juden rein ökonomisch aus den Bedingungen, unter denen sie in die Warenproduktion und Warenzirkulation eingetreten sind und dauernd gelebt haben, sieht in ihnen nicht eine Nation, sondern nur die Händlerkaste, zu der sie frühzeitig und überall verkümmert sein sollen, und behauptet ihren sicheren Untergang für den Zeitpunkt, in dem der Sozialismus seine Gesellschaftsordnung aufrichten, alle Klassenscheidungen beseitigen und damit auch die Juden aus ihrem Kastenschicksal erlösen wird. So indiskutabel eine derartig einseitige Geschichtskonstrukrion auch ist, der eine so harte Realität wie die Rasse als bloßer „Humbug" gilt und die die sozial verbindende Kraft der gemeinsamen Religion schlechtweg leugnet, so interessant und beachtenswert ist das, was der Verfasser im zweiten und dritten Teile seines Buches aus Rußland, dem Reiche der sozialistischen Wirklichkeit, über die „Lösung der Judenfrage" zu berichten weiß. Ob freilich die von ihm aus eigener Anschauung geschilderte jüdische Kolonisation in der Krim, in der Ukraine und in Birobidjan (Ostsibirien) wie die Industrialisierung des jüdischen Städtchens wirklich den Schlußstein hinter eine dreitausendjährige Geschichte setzen und den Untergang der Juden als Nation besiegeln werden, das dürfte dem nüchternen Leser weit weniger gewiß erscheinen als dem Enthusiasten des Sozialismus. Denn dieser sieht gar nicht, daß die Sowjet-Regierung durch ihre Maßnahmen zwar erhebliche Teile der russischen Juden aus ihrem Kastendasein zu erlösen vermag, aber durchaus falsche Mittel anwenden würde, wenn sie ausgerechnet durch geschlossene jüdische Kolonisation und Erhaltung des jüdischen Städtchens das jüdische Volk als solches auflösen und vernichten wollte. HalleJSaale. Georg Jahn. Adolf Altmann, Das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland; Juden im römischen Trier. (Herausgegeben von der Gesellschaft für nützliche Forschungen und dem Provinzialmuseum in Trier.) Trier 1932. Paulinus-Druckerei. 32 S. Adolf Altmann kommt in dieser Abhandlung zu dem Ergebnis, „daß die Zurückdatierung von Juden in Trier bis in das zweite oder gar erste Jahrhundert wohl vermutungsweise möglich, aber nicht beleglich haltbar ist, daß aber trotzdem Trier infolge der Nachweise und Schlüsse für das vierte und dritte Jahrhundert als die älteste Jüdische Gemeinde auf deutschem Boden, in 210

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