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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 186

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Elise Reimarus und Moses Mendelssohn
Date
1932-01-01
Page
Seite 186 (sequence 14)
Language
German
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Bertha Badt-Strauß. Elise Reimarus und Moses Mendelssohn ich mich allmählich überzeugte, daß es zwischen zwei der edelsten Menschen nicht dazu kommen würde. Und nun lassen Sie mich hier ein Wort zur Aufklärung dessen sagen, was ich als meinen Anteil zur Veranlassung jenes Streites rechne. Als ich Ihnen das letztemal einen Auszug aus Mendelssohns Briefe schickte (es war der, den Sie am 26. Mai erhielten), da folgte nach den Worten ,ehe er auf meine Erinnerungen antwortet' noch diese: »wenigstens wird er auf beides zugleich antworten können und durch meine Schrift vielleicht Gelegenheit bekommen, sich deutlicher zu erklären. Meine Erinnerungen enthalten ohnehin blos vorläufige Anmerkungen die nicht genug eindringen. Ich lasse itzt das Manuskript abschreiben, um es Ihnen zu zuschicken, zwar nicht für Hrn Jacobi, den ich so lange damit verschone bis es gedruckt sein wird, aber der Bruder muß alles schon in der Handschrift lesen, denn ohne seine Censur kann nichts öffentlich in der Sache erscheinen. Grüßen Sie den liebenswürdigen Gegner in meinem Namen und umarmen Sie den Bruder und Kampfrichter." [Am Rande:] Diese Stelle hab ich auf der Doctorin Rat ganz weggelassen. Dies war der ganze Brief von Wort zu Wort, wobei ich mir deutlich bewußt bin, daß ich die ausgelassene Stelle blos deswegen ausließ, weil ich dachte, daß Sie entweder durch M. selbst die Sache wüßten, oder falls Sie es nicht wüßten, um Ihnen durch die Nachricht, daß mein Bruder die Schrift eher als Sie sehen sollte, nicht wehe zu tun. Etwas in der Sache zu ändern oder Mendelssohn anzuhalten Ihnen die Schrift doch noch im Mspt. zuzuschicken, hielt ich teils für unnütz, weil ich glaubte, Sie wären schon unter sich über den Punkt einig, teils für unmöglich, weil schon mein Bruder sie mit größter Eile durchlaufen mußte, ohne daß irgend jemand davon ein Blatt zu sehen kriegte. Ich verhielt mich also ruhig und begnügte mich damit, daß mein Bruder diese Schrift auch als eine gar nicht in den bewußten Briefwechsel eingreifende Abhandlung angab. Ob ich daran oder an beidem unrecht tat, dies, lieber Jacobi, überlaß ich Ihnen zu entscheiden. Ich weiß nur, daß ich kein Böses, sondern Gutes dabei im Sinne hatte und — daß ich itzt nicht ruhig sein konnte, bis ich Ihnen alles dies, was vielleicht meine Schuld und Mendelssohns Rechtfertigung ausmacht, rein vom Herzen ab gebeichtet hatte. Ich bin nun begierig zu wissen, was Sie selbst zu Mendelssohns Morgenstunden' sagen, die wir nur um einen Tag eher von M. erhalten, als Sie uns Ihre Schrift zugeschickt. Auch von meinem Bruder einen herzlichen Dank dafür! der übrigens, wie Sie leicht denken, auch anfangs bei Erblickung derselben ein wenig stutzte. — O warum liebster Jacobi könnten Sie nicht einmal hier mit Mendelssohn zusammen treffen und unter den Augen meines Bruders in dieser heiligen Drei- Zahl so manches mündlich festsetzen, was immer unter Männern wie Sie unausgemacht, der Welt zu früh und als zu starke Speise vorgesetzt wird. — Ich will mich mit dem angenehmen Traume einer solchen Möglichkeit so lange zu nähren suchen, bis ich völlig überzeugt bin, daß alle meine trübe Ahndungen einer Entfernung zwischen Ihnen nicht eintreffen. Bei Gott und Lessings Schatten — es muß nicht sein!--" * Dieser Brief gibt in dieser seiner ursprünglichen Form manchen wissenswerten Aufschluß: nicht nur über die Erregung der armen „Datila an der Elbe", wie Hamann sie nannte, die sich nun plötzlich in der Lage sah, daß zwei der besten Freunde Lessings und die ihren in einen Streit verwickelt waren, in dem nur die Feinde Lessings und der Wahrheit siegen konnten (ob es Schuldbewußtsein war, das Jacobi veranlaßte, gerade diese Briefstelle beim Abdrucke wegzulassen?), sondern auch über die ungewollte Rolle, die sie in der Entwicklung dieses Streites spielt. In der Tat hat sie nach den Angaben dieses Briefes vielleicht wirklich unschuldigerweise „ein Fünkchen zu diesem 1**

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