Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur dem Kampf um ihre und der übrigen entehrenden Abzeichen Abschaffung- — Michael Rachmuth bietet den ersten Teil einer Geschichte der Juden in Böhm.-Neuhaus von 1294 bis 1691. — Eine sachlich wie hinsichtlich der Personen noch auszuschöpfende Quelle eröffnet Simon Adler mit einem das Jahr 1682/83 umfassenden Auszug aus den Protokollen des jüdischen Zivilgerichts zu Prag, im ganzen 111 Protokolle mit einem Personenregister. — Heinrich Flesch teilt Eintragungen aus dem Pinax von Tobitschau und die Liste der dortigen Rabbiner mit, Bernhard Mandl Dokumente zur Geschichte der Juden in Kassejovicz, darunter eine Verfassung durch den Ortsherrn, die sicherlich nach einem Muster gearbeitet ist. — Eine glückliche Ergänzung der von Pinthus in dieser unserer Zeitschrift behandelten Judensiedlungen in deutschen Städten bildet die Arbeit des czechischen Forschers Franz Roubik, deutsch bearbeitet von Anton Blaschka, über Judensiedlungen in Böhmen. Man wollte die jüdischen Häuser möglichst weit von den Kirchen abrücken; zu diesem Behufe sollten im Jahre 1727 Ortspläne eingereicht werden, auf denen die Lage der jüdischen Wohnungen zu verzeichnen war. Von diesen Plänen haben sich 103 erhalten, über die Roubik berichtet. Sie sind nicht gleichwertig, bieten aber beachtenswertes Material zur Siedlungsfrage, das durch die Bildbeilagen plastisch ergänzt wird. — Sehr eingehend behandelt Bernhard Heilig die Vorläufer der mährischen Konfektionsindustrie in ihrem Kampf mit den Zünften. Er will an diesem spezialen Beispiel die Art des jüdischen Handelsbetriebs überhaupt dartun und so ein Stück jüdischer Wirtschaftsgeschichte darstellen. Da diese nicht von der allgemeinen Wirtschaftsgeschichte isoliert werden kann, zeichnet er auch den allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Rahmen, innerhalb dessen sich die jüdische Handelsart entwickelt, so daß die Arbeit weit ausgreift. In vier Kapiteln wird die Entwicklung des jüdischen Kleiderhandels seit 1390 bis 1858 durch die verschiedenen Stadien des Handels mit alten und neuen Kleidern und der Herstellung von neuen bis zur Gründung der ersten Kleiderfabrik des Kontinents dargestellt, sowie die Kämpfe mit den Innungen aus dem Gesichtspunkte heraus, daß Sombart mit seiner Behauptung im Rechte ist: die Konfektionsindustrie habe sich aus dem Handel mit neuen Kleidern und dieser wiederum aus der jüdischen Spezialität des Altkleiderhandels entwickelt. Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Judenschaft in Proßnitz, dem Hauptsitz der Kleiderfabrikation. Wir begrüßen solche Abhandlungen über jüdische Wirt' schaftsgeschichte und ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Wirtschaft ganz besonders dankbar. Der Verfasser beherrscht die Materie in hervorragendem Maße und setzt anstelle früherer Darstellungen, die aus mündlicher Ueberlieferung und Selbsterlebnis schöpften, eine durch mühsame, aber erfolgreiche archivalische Studien und literarische Kenntnisse fundierte Geschichte der Verwicklung und Entwicklung dieses Handelszweiges. Der Angriff auf S t e c k e 1 - m a c h e r, mit dem die Abhandlung schließt, ist freilich in diesem Zusammenhang abwegig; Steckelmachers Randbemerkungen zu Sombart gehen von ganz anderen Gesichtspunkten aus, als daß sie herangezogen werden könnten. Es besteht sonst keine Veranlassung zu den einzelnen Abhandlungen kritisch Stellung zu nehmen. Sie schöpfen aus einwandfreien archivalischen und literarischen Quellen und bilden selbst wieder Quellen für die allgemeine Geschichte der Juden. Dies ist wohl auch der Sinn eines solchen Jahrbuches, neues Quellenmaterial zu bieten, eine Aufgabe, die es unter der bewährten Leitung von Samuel Steinherz weiterhin so wertvoll wie bisher erfüllen möge. Nürnberg. Max Freudenthal. 63